Und da kam Opa die zündende Idee. Er war es jedes Jahr, der den Weihnachtsbaum besorgen musste, denn der Vater weigerte sich dazu. Um einen guten Weihnachtsbaum zu finden, musste er schon früh morgens mit dem Schlitten aufbrechen und in den tiefen Wald marschieren um zu schauen, welcher Baum sich am besten für die Feierlichkeiten eignen würde.
Dieses Jahr beschloss er, Auguste mitzunehmen. Denn alleine war es schwierig einen Baum nach Hause zu transportieren und die anderen waren nicht von der Hofarbeit zu befreien. Und ausserdem wollte er die Zeit nutzen, um mit Auguste einen Besuch bei Olaf zu machen. Als er Auguste von diesem Plan erzählte, war sie total begeistert. Wie würde Olaf sich freuen, wenn sie plötzlich bei ihm vorbeikämen? Sie konnte es kaum erwarten, bis endlich der 23.12. war, so dass sie endlich los konnten. Harry durfte natürlich auf mit. Und damit man seine Spuren im Schnee nicht sah, sollte er sich auf den noch leeren Schlitten setzten.
Alles war bis ins kleinste Detaill geplant. Nur etwas konnten sie nicht planen. Wie sollten sie Olaf finden? Zwar hatter er ihnen ungefähr beschrieben, wo er jetzt lebte, aber sie waren noch nie bei ihm gewesen und im Winter war alles zugeschneit und es war extrem schwierig eine kleine Hütte, die vielleicht zugeschneit war, zu finden!
Aber sie gaben die Hoffnung nicht auf. Am morgen des 23. Dezember, es war noch dunkel draussen, standen Auguste und Opa früher auf, als alle anderen. Sie assen tüchtig Frühstück und schmierten sich Brote für unterwegs. Sie würden nicht vor Abend zurück kehren und mussten so genügend Proviant mitnehmen. Auch zwei Thermoskannen mit Tee wurden gefüllt. Es war unter Null draussen. Deshalb hüllten sich beide in die wärmsten Kleider die sie finden konnten. Nur Harry stellte ein Problem dar. Er selbst hatte keine so warmen Kleider. Und würde man ihm eine warme Jacke von einem Hofbewohner geben, so sähe das doch sehr seltsam aus, wenn eine unbenutzte Jacke einfach über dem Schlitten schweben würde. Nach einigen Überlegungen einigten sie sich darauf, dass Harry, bis sie ausser Sichtweite des Hofes waren, unter Austes Mantel schlüpfen würde.
Alles war parat und es konnte losgehen. Die anderen Hausbewohner waren nun auch schon auf den Beinen und sie wünschten ihnen noch Glück bei der Weihnachtsbaumsuche und fragten, was sie denn zum Abendessen haben wollten, man würde es ihnen auf die Seite stellen, wenn es später werden sollte. Als alles besprochen war, verliessen Opa und Auguste mit Harry winkend den Hof.
Es war bitter kalt draussen und Auguste fiel nach einer Weile das Atmen und auch das Laufen schwer. Opa bat ihr an, sich auf den Schlitten zu setzten, doch das wollte sie nicht. Opa war schon ein alter Mann und war auch nicht mehr ganz bei Kräften. Da würde sie sich schämen, als junges, starkes Mädchen, sich von einem Greis ziehen zu lassen. Also hielt sie tapfer durch.
Nach etwa einer Stunde Fussmarsch durch den tiefen Schnee, machten die beiden eine Verschnaufspause. Weit waren sie noch nicht gekommen, denn in dem Meterhohen Schnee war das fortkommen beschwerlich. Um möglichst Kräfte zu sparen, beschlossen sie, dass sie Olaf besuchen würden, bevor sie den Baum fällen wollten. Olaf könnte ihnen ja dann vielleicht dabei helfen. Doch wie sollten sie nun Olaf finden? Sie hatten keine Ahnung, wo sie jetzt hingehen sollten. Sie wussten, dass er irgendwo in dieser Gegend wohnen musst, doch wo genau, ja das war ein Rätsel. Optimistisch versuchte es Auguste damit, ihn zu rufen: " Olaf! Wo bist Du? Auguste und Opa sind hier, um dich zu besuchen! Komm uns doch abholen, wir kennen den Weg nicht." Nichts rührte sich. Sie versuchten es erneut. Diesmal zu dritt: "Olaf! Olaf! Oooooolaf! Wo bist Du?" Doch es rührte sich immer noch nichts.
Nachdem sie ein Weilchen gewartet hatten, beschlossen sie, einmal auzuprobieren, ob sie ihn nicht doch einfach zufuss finden konnten. Sie marschierten, etwas langsamer und wengiger zielgerichtet, aber immer noch hoffnungsvoll los.
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Freitag, 27. März 2009
Kapitel 30: Weihnachten naht
Und während sie noch studierten, wie sie einen Weg finden konnten, den Hof unbemerkt und ohne mistrauische Fragen, zu verlassen, stand plötzlich Weihnachten vor der Tür. Die Langeweile verflog, denn nun hiess es vorbereiten. Plätzchen und Kekse mussten gebacken werden, Weihnachtsdekorationen gebastelt werden und das ganze Haus musste auf Vordermann gebracht werden. Schliesslich sollte es glänzen, wenn an Heiligabend die Verwandten auf Besuchkommen würden. Und den Weihnachtsmann wollte man ja schliesslich gebührend empfangen.
Auguste freute sich schon riesig auf Weihnachten. Zwar gab es bei ihr nicht so viele Geschenke, wie dies heutzutage bei den meisten Kindern der Fall ist, aber Weihnachten war trotzdem herrlich. Sie freute sich jetzt schon auf die Orange, die sie bekommen würde und auch auf die Tafel Schokolade, die höchstwahrscheinlich im Sack des Weihnachtsmann auf sie warten würde. Und sicher würde sie auch dieses Jahr wieder Wollsocken von einer Tante bekommen und wenn sie Glück hatte, würde sie ein schönes Buch bekommen. Oder vielleicht doch etwas zum Anziehen? Sie brauchte wiedereinmal einen schönen Wintermantel. Aber eigentlich war es ihr egal, wie sie herumlief, ein Buch wäre bei ihr mehr willkommen, denn damit konnte man etwas anfangen. Aber sie wusste, dass sie sich nicht allzu grosse Hoffnung auf ein Buch machen konnte, denn ihr Vater hielt nicht viel von lesenden Mädchen. Er meinte, eine Frau müsse Handarbeiten beherrschen und den Haushalt machen können und dann von ihm aus noch ein paar Geschichten kennen, die sie den Kindern erzählen könnte. Auf keinen Fall sollte sie aber gelehrt sein und mehr wissen, als ein Mann. Er selbst hatte die Volksschule gerade mal abgeschlossen, hatte aber die Aufnahmeprüfung für die Agrarfachschule nicht bestanden. Im Laufe seines Lebens hatte er seinen Hof und seine Familie auch ohne grosse Bildung durchbringen können, weshalb er Bildung, so lange sie nichts mit Bibel, Gott und der Kirche zu tun hatte, für unnötig hielt. Hatte die Bildung aber etwas mit der Religion zu tun, so war er hell begeistert davon. Er versuchte immer, seine älteren Töchter und seine Frau für den Gebetsverein zu begeistern. Er selbst war ein treues Mitglied. Die Frauen des Hauses nahmen zwar auch oft an den Treffen der Gromadki (Gebetsverein) teil, aber sie folgten den Predigten nicht ganz so mit Inbrust, wie der Vater. Sie waren eher etwas dem weltlichen zugetan.
So entbrannte auch jedes Jahr um Weihnachten erneut ein Streit zwischen der Mutter und dem Vater. Die Mutter wollte für das Weihnachtsfest einen geschmückten Tannenbaum in die gute Stube stellen, der Vater wollte von diesem heidnischen Brauch nichts wissen. Er meinte, sie könne zur Dekoration ja ein paar Tannenäste hinlegen, aber das ganze gebastel und die ganzen Girlanden und sowieso der Baum mit den Kerzen und Äpfeln sei überflüssig.
Bis jetzt hatte sich bei diesem alljährlich wiederkommenden Streit die Mutter immer durchgesetzt. Doch der Vater weigerte sich ab diesem Moment jedes Jahr sich in irgend einer Form an den Weihnachtsvorbereitungen zu beteiligen. Doch das störte die Frauen und den Opa nicht, denn so konnten sie ohne ständiges gemecker irgendetwas was sie taten seie unchristlich, die Vorbereitungen richtig geniessen.
Nun war der 3. Advent herangekommen und die Vorbereitungen gingen langsam ins Endstadium über. Eigentlich war alles schon parat nur der umstrittene Baum fehlte noch.
Auguste freute sich schon riesig auf Weihnachten. Zwar gab es bei ihr nicht so viele Geschenke, wie dies heutzutage bei den meisten Kindern der Fall ist, aber Weihnachten war trotzdem herrlich. Sie freute sich jetzt schon auf die Orange, die sie bekommen würde und auch auf die Tafel Schokolade, die höchstwahrscheinlich im Sack des Weihnachtsmann auf sie warten würde. Und sicher würde sie auch dieses Jahr wieder Wollsocken von einer Tante bekommen und wenn sie Glück hatte, würde sie ein schönes Buch bekommen. Oder vielleicht doch etwas zum Anziehen? Sie brauchte wiedereinmal einen schönen Wintermantel. Aber eigentlich war es ihr egal, wie sie herumlief, ein Buch wäre bei ihr mehr willkommen, denn damit konnte man etwas anfangen. Aber sie wusste, dass sie sich nicht allzu grosse Hoffnung auf ein Buch machen konnte, denn ihr Vater hielt nicht viel von lesenden Mädchen. Er meinte, eine Frau müsse Handarbeiten beherrschen und den Haushalt machen können und dann von ihm aus noch ein paar Geschichten kennen, die sie den Kindern erzählen könnte. Auf keinen Fall sollte sie aber gelehrt sein und mehr wissen, als ein Mann. Er selbst hatte die Volksschule gerade mal abgeschlossen, hatte aber die Aufnahmeprüfung für die Agrarfachschule nicht bestanden. Im Laufe seines Lebens hatte er seinen Hof und seine Familie auch ohne grosse Bildung durchbringen können, weshalb er Bildung, so lange sie nichts mit Bibel, Gott und der Kirche zu tun hatte, für unnötig hielt. Hatte die Bildung aber etwas mit der Religion zu tun, so war er hell begeistert davon. Er versuchte immer, seine älteren Töchter und seine Frau für den Gebetsverein zu begeistern. Er selbst war ein treues Mitglied. Die Frauen des Hauses nahmen zwar auch oft an den Treffen der Gromadki (Gebetsverein) teil, aber sie folgten den Predigten nicht ganz so mit Inbrust, wie der Vater. Sie waren eher etwas dem weltlichen zugetan.
So entbrannte auch jedes Jahr um Weihnachten erneut ein Streit zwischen der Mutter und dem Vater. Die Mutter wollte für das Weihnachtsfest einen geschmückten Tannenbaum in die gute Stube stellen, der Vater wollte von diesem heidnischen Brauch nichts wissen. Er meinte, sie könne zur Dekoration ja ein paar Tannenäste hinlegen, aber das ganze gebastel und die ganzen Girlanden und sowieso der Baum mit den Kerzen und Äpfeln sei überflüssig.
Bis jetzt hatte sich bei diesem alljährlich wiederkommenden Streit die Mutter immer durchgesetzt. Doch der Vater weigerte sich ab diesem Moment jedes Jahr sich in irgend einer Form an den Weihnachtsvorbereitungen zu beteiligen. Doch das störte die Frauen und den Opa nicht, denn so konnten sie ohne ständiges gemecker irgendetwas was sie taten seie unchristlich, die Vorbereitungen richtig geniessen.
Nun war der 3. Advent herangekommen und die Vorbereitungen gingen langsam ins Endstadium über. Eigentlich war alles schon parat nur der umstrittene Baum fehlte noch.
Montag, 23. Februar 2009
Kapitel 29: Wie im Fluge
Die Wochen flogen nur so dahin. Auguste hatte viel zu tun. Morgens hatte sie Schule, nachmittags ging sie zur Nachhilfe zum Lehrer und abends musste sie vor dem Abendessen noch ihre Arbeiten auf dem Bauernhof erledigen. Dabei halfen ihr Harry und Opa so gut es ging. Um Olaf zu besuchen hatte sie einfach noch keine Zeit gehabt. Mit seinem Unsichtbarstein kam er ab und zu zu besuch und sie machten zusammen mit ihm in Opas Kammer Sprachunterricht. Für Auguste gab es keine Freizeit mehr. Ohne dass sie es merkte ging der Sommer vorüber und der Winter begann. Nicht irgendein Winter, nein ein besonders harter Winter. In Masuren sind alle Winter hart, aber dieser schien besonders hart zu werden. Schon im Oktober kam der erste Schnee und nicht einfach ein wenig Schnee sondern gleich ein ganzer Meter. Es wurde immer schwieriger für Auguste in die Schule zu gehen und auch wieder nach Hause zu kommen. Morgens wurde sie im Pferdeschlitten gefahren. Aber abends musste sie alleine zurücklaufen, da der Pferdeschlitten schon Mittags von den Besorgungen in der Stadt oder von anderen Angelegenheiten zurückfuhr, da auf dem Hof trotzdem noch viel Arbeit war. Deshalb beschloss der Lehrer, dass ihre Nachhilfe beendet sei und dass sie genug gelernt hätte um beim Unterricht folgen zu können. Dies war sogar noch untertrieben. In den letzten paar Monaten hatte sie so viel gelernt, dass sie schon fast eine Klasse hätte überspringen können. Durch die gestrichene Nachhilfe konnte Auguste mittags mit dem Schlitten zurückfahren und hatte nun plötzlich viel Zeit am Nachmittag. Doch vom Hof weg konnte sie nicht. Denn durch den hohen Schnee sah man überall ihre Spuren. Und man hätte auch Spuren von kommenden Menschen oder Wesen gesehen. Deshalb konnte auch Olaf nicht auf Besuch kommen.
Es war eine verzwickte Situation. Obwohl sie jetzt Zeit gehabt hätte, konnte Auguste Olaf nicht besuchen. Stattdessen sass sie mit Opa und Harry bei heissem Tee in der Stube und sie vertrieben sich die Zeit mit Spielchen und Rätseln. Immer wenn jemand hereinkam, verhielt sich Harry muksmäuschenstill, so dass ihn niemand bemerkte.
Doch sowohl für Opa, als auch für Auguste war diese Situation unaushaltbar. Es musste sich etwas ändern. Der Drang Olaf zu besuchen wurde immer grösser. Doch ihnen fiel einfach nicht ein, wie sie das anstellen sollten.
Es war eine verzwickte Situation. Obwohl sie jetzt Zeit gehabt hätte, konnte Auguste Olaf nicht besuchen. Stattdessen sass sie mit Opa und Harry bei heissem Tee in der Stube und sie vertrieben sich die Zeit mit Spielchen und Rätseln. Immer wenn jemand hereinkam, verhielt sich Harry muksmäuschenstill, so dass ihn niemand bemerkte.
Doch sowohl für Opa, als auch für Auguste war diese Situation unaushaltbar. Es musste sich etwas ändern. Der Drang Olaf zu besuchen wurde immer grösser. Doch ihnen fiel einfach nicht ein, wie sie das anstellen sollten.
Sonntag, 15. Februar 2009
Kapitel 28: Der Alltag beginnt
Beim Träumen blieb es allerdings. Denn bevor Auguste noch mehr sagen konnte, kam Augustes Mutter angelaufen. "Auguste! Wo bleibst Du denn? Du solltest schon lange ins Bett! Morgen musst Du wieder in die Schule! Der Lehrer wird Dich sicher rannehmen. Er ist im Sommer einmal vorbei gekommen und meinte, dass er Dich nicht in die nächste Klasse aufstegenlassen wollte. Ich konnte Ihn nur mit Mühe überreden. Jetzt musst Du ihm aber auch beweisen, dass Du wirklich so klug und fleissig bist, wie ich ihm gesagt habe. Du wirst einen Monat Zeit haben, um den verpassten Stoff aufzuholen. Und Deine Aufgaben auf dem Hof musst Du auch ausüben. Deine Schwestern wollen nicht länger zuschauen, dass Du als einzige fast nichts tun musst. Sie meinten, wenn Du gross genug bist, um in die Weite Welt zu reisen, dann bist Du auch gross genug um zu arbeiten." Auguste schaute die Mutter verwundert an. Von was sprach diese Frau? Ja die Schule, ach ja, daran hatte Auguste nicht mehr gedacht. Und arbeiten? Was für Arbeit denn?
Die Mutter drehte sich um und Auguste folgte ihr mit hängendem Kopf. Schnell winkte sie Olaf zu, der mitlerweile wieder unsichtbar war und gab Harry beim vorbeigehen einen Zwick, damit er auch mitkommen sollte. Die Mutter bemerkte beides und schaute verwundert ein paar mal um sich herum. Dann fragte sie Auguste, wem sie denn zugewunken hätte. Auguste überlegte kurz und sagte dann: "Ich habe meiner Kindheut zum Abschied gewunken." Da war die Mutter baff. "Wieso denn Deiner Kindheit?" Du bist doch schon lange in der Schule und dir war doch schon lange klar, dass Du nicht ewig nur herumspielen kannst."- "Ja, aber du hast gefragt, drum habe ich geantwortet." erwiederte Auguste. Sie plauderten noch eine Weile weiter, denn die Mutter schien doch etwas schockiert zu sein, dass ihre jüngste Tochter so plötzlich von ihrer Kindheit abschied zu nehmen schien, welcher sie doch schon spätestens mit ihrer grossen Reise entflohen war. Und es bedrückte sie auch, dass ihre Tochter dies so klar sagen konnte. Sie selbst hatte den Übergang von der Kindheit ins Jugendlichenalter und schliesslich ins Erwachsenendasein gar nicht bemerkt. Es war einfach gekommen. Und ohne dass sie etwas überlegt hatte, war sie immer wieder langsam in einer neuen Lebensphase gewesen. Jaja, ihre Tochter schien viel mehr ein Kopfmensch zu sein. Sie hatte wohl recht gehabt sie zu verteidigen und den Entschluss gefasst zu haben, für die Bildung ihrer jüngsten Tochter zu kämpfen. Zur Nacht küsste sie ihre Tochter auf die Stirn und sagte ihr, dass sie morgen pünklich an die Tür klopfen würde.
Auguste lag in ihrem Bett und konnte nicht einschlafen. Morgen würde sie ihre Schulkameraden wieder sehen und den Lehrer auch. Und warum hatte sich ihre Mutter so für sie eingesetzt und den Lehrer überredet, ihr eine Chance zu geben? Sie durfte ihre Mutter nicht enttäuschen.
Am nächsten morgen wurde sie durch das Klopfen ihrer Mutter geweckt. Sofort war sie hellwach sprang auf und machte sich in Windeseile bereit. Gierig schlang sie das Frühstück herunter, gab Harry einen kurzen von anderen unbemerkten Knuff, griff nach ihrem Ranzen und eilte los. Fröhlich singend hüpfte sie entlang ihres alten Schulweges. Vorbei an dem kleinen Wäldchen über das Brückchen über den kleinen Bach und hinein ins Dorf. Sie schaute auf die Kirchenuhr. Sie war viel zu früh. Also beschloss sie, noch schnell in die Kirche zu gehen. Dort war sie ja auch schon lange nicht mehr gewesen. Dann, nach einem kurzen Dankesgebet, dass sie unbeschadet von der Reise zurückgekommen war, macht sie sich auf zum Lehrer. Da das Klassenzimmer noch nicht geöffnet war, klopfte sie an der Wohnungstür des Lehrers. Er öffnete ihr erfreut und bat sie herein. Zuerst fragte er sie bis ins kleinste Detail über die Reise und über Berlin aus. Er selbst war noch nie dort gewesen und war deshalb besonders neugierig. Gespannt hörte er ihren Erzählungen zu sah dann auf die Uhr und unterbrach sie. "Kannst Du nicht nach der Schule nocheinmal zu mir kommen und mir alles weitererzählen? Dann kann ich Dir auch helfen, den verpassten Schulstoff nachzuholen. Aber jetzt müssen wir gehen."
Im Unterricht gab sich Auguste alle erdenkliche Mühe, zu fogen und konzentriert mitzuarbeiten. Aber es wollte ihr nicht so recht gelingen. Immer wieder dachte sie an Olaf, Harry, den Stein und natürlich an ihre Reise. Dieses kleine schäbige Schulzimmer und dieser verstaubte Lehrer kamen ihr so unreal und unwichtig vor, dass sie am liebsten davon gelaufen wäre. Was konnte ihr schon ein Mann erzählen, der noch nie weiter weg gewesen war, als in der Bezirkshauptstadt? Nicht einmal in Olsztyn /Allenstein wer er schon gewesen. Das hatte er ihr soeben verraten. Und die Sagen der Germanen kannte er auch nicht. Das hatte sie auch gemerkt, als sie bei ihren Erzählungen von einer dieser Sagenfiguren erzählt hatte, um die Erläuterungen des Professors von Berlin etwas auszuschmücken. Dieser Mann würde sie nicht weiterbringen.
Während dieser vier Unterrrichtstunden fasste Auguste einen Entschluss für ihr Leben. Sie würde so schnell wie möglich das gesammte Wissen des Lehrers aufsaugen, damit sie so schnell wie möglich in die Provinzhauptstadt an eine weiterführende Schule könnte. Dort würde sie vielleicht auch wirklich interessante Dinge lernen können.
Nach dem Unterricht ging sie mit dem Lehrer in die Wohnung und wurde gleich zum Mittagessen eingeladen. Sie unterhielten sich und der Lehrer begann auch gleich mit dem Nachhilfe Unterricht. Draussen begann es schon zu dämmern. Auguste wurde langsam unruhig, denn sie wollte nach Hause. Das merkte der Lehrer. Trotz der vorgerückten Stunde gab er ihr viele Hausaufgaben mit. Unter der Last der Bücher konnte Auguste den Heimweg nicht wie gewohnt zurückhüpfen, sondern sie schleppte sich mühsam ab.
So vor sich hinkeuchend merkte sie, wie ihre Bücher plötzlich leichter wurden. Zwar sah sie niemanden aber intuitiv wusste sie, dass Olaf ihr half. Erfreut begrüsste sie ihn. Er blieb unsichtbar, doch gab sich durch eine Antwort zu erkennen. Sie plauderten so gut es ging und er lud sie für Sonntag Nachmittag zum Kaffetrinken zu sich in die Hütte ein. Auguste freute sich, sagte ihm aber auch, dass es wahrscheinlich schwierig werden würde. Denn Sonntagvormittag gingen sie mit der ganzen Familie in die Kirche, wo sich das ganze Dorf traf. Das hiess, dass es nach der Kirche noch ein wildes Geschnatter gab und wenn sich die Leute langsam vertstreuten, dann hiess es noch Kaffetrinken auf dem Hof. Meist kam noch Besuch und dann würde es besonders schwierig werden, sich davon zu schleichen. Aber sie versprach, dass sie sich alle Mühe geben würde.
Sie plauderten weiter und weiter, bis sie am Hof ankamen. Olaf verabschiedete sich und Auguste bog in den Hof ab, wo sie schon von ihrer grossen Schwester Henriette erwartet wurde, welche ihr mitteilte, dass sie ihre gesammte Arbeit für heute noch nicht er ledigt hätte! "Welche Arbeit?" fragte Auguste? Ihr war zwar mitgeteilt worden, dass sie mehr mit anpacken sollte, aber konkret hatte sich noch niemand geäussert. Das merkte jetzt auch Henriette und darum beschloss sie mit Auguste vor dem Arbeitsessen noch einen genauen Arbeitsplan auszuarbeiten.
Die Mutter drehte sich um und Auguste folgte ihr mit hängendem Kopf. Schnell winkte sie Olaf zu, der mitlerweile wieder unsichtbar war und gab Harry beim vorbeigehen einen Zwick, damit er auch mitkommen sollte. Die Mutter bemerkte beides und schaute verwundert ein paar mal um sich herum. Dann fragte sie Auguste, wem sie denn zugewunken hätte. Auguste überlegte kurz und sagte dann: "Ich habe meiner Kindheut zum Abschied gewunken." Da war die Mutter baff. "Wieso denn Deiner Kindheit?" Du bist doch schon lange in der Schule und dir war doch schon lange klar, dass Du nicht ewig nur herumspielen kannst."- "Ja, aber du hast gefragt, drum habe ich geantwortet." erwiederte Auguste. Sie plauderten noch eine Weile weiter, denn die Mutter schien doch etwas schockiert zu sein, dass ihre jüngste Tochter so plötzlich von ihrer Kindheit abschied zu nehmen schien, welcher sie doch schon spätestens mit ihrer grossen Reise entflohen war. Und es bedrückte sie auch, dass ihre Tochter dies so klar sagen konnte. Sie selbst hatte den Übergang von der Kindheit ins Jugendlichenalter und schliesslich ins Erwachsenendasein gar nicht bemerkt. Es war einfach gekommen. Und ohne dass sie etwas überlegt hatte, war sie immer wieder langsam in einer neuen Lebensphase gewesen. Jaja, ihre Tochter schien viel mehr ein Kopfmensch zu sein. Sie hatte wohl recht gehabt sie zu verteidigen und den Entschluss gefasst zu haben, für die Bildung ihrer jüngsten Tochter zu kämpfen. Zur Nacht küsste sie ihre Tochter auf die Stirn und sagte ihr, dass sie morgen pünklich an die Tür klopfen würde.
Auguste lag in ihrem Bett und konnte nicht einschlafen. Morgen würde sie ihre Schulkameraden wieder sehen und den Lehrer auch. Und warum hatte sich ihre Mutter so für sie eingesetzt und den Lehrer überredet, ihr eine Chance zu geben? Sie durfte ihre Mutter nicht enttäuschen.
Am nächsten morgen wurde sie durch das Klopfen ihrer Mutter geweckt. Sofort war sie hellwach sprang auf und machte sich in Windeseile bereit. Gierig schlang sie das Frühstück herunter, gab Harry einen kurzen von anderen unbemerkten Knuff, griff nach ihrem Ranzen und eilte los. Fröhlich singend hüpfte sie entlang ihres alten Schulweges. Vorbei an dem kleinen Wäldchen über das Brückchen über den kleinen Bach und hinein ins Dorf. Sie schaute auf die Kirchenuhr. Sie war viel zu früh. Also beschloss sie, noch schnell in die Kirche zu gehen. Dort war sie ja auch schon lange nicht mehr gewesen. Dann, nach einem kurzen Dankesgebet, dass sie unbeschadet von der Reise zurückgekommen war, macht sie sich auf zum Lehrer. Da das Klassenzimmer noch nicht geöffnet war, klopfte sie an der Wohnungstür des Lehrers. Er öffnete ihr erfreut und bat sie herein. Zuerst fragte er sie bis ins kleinste Detail über die Reise und über Berlin aus. Er selbst war noch nie dort gewesen und war deshalb besonders neugierig. Gespannt hörte er ihren Erzählungen zu sah dann auf die Uhr und unterbrach sie. "Kannst Du nicht nach der Schule nocheinmal zu mir kommen und mir alles weitererzählen? Dann kann ich Dir auch helfen, den verpassten Schulstoff nachzuholen. Aber jetzt müssen wir gehen."
Im Unterricht gab sich Auguste alle erdenkliche Mühe, zu fogen und konzentriert mitzuarbeiten. Aber es wollte ihr nicht so recht gelingen. Immer wieder dachte sie an Olaf, Harry, den Stein und natürlich an ihre Reise. Dieses kleine schäbige Schulzimmer und dieser verstaubte Lehrer kamen ihr so unreal und unwichtig vor, dass sie am liebsten davon gelaufen wäre. Was konnte ihr schon ein Mann erzählen, der noch nie weiter weg gewesen war, als in der Bezirkshauptstadt? Nicht einmal in Olsztyn /Allenstein wer er schon gewesen. Das hatte er ihr soeben verraten. Und die Sagen der Germanen kannte er auch nicht. Das hatte sie auch gemerkt, als sie bei ihren Erzählungen von einer dieser Sagenfiguren erzählt hatte, um die Erläuterungen des Professors von Berlin etwas auszuschmücken. Dieser Mann würde sie nicht weiterbringen.
Während dieser vier Unterrrichtstunden fasste Auguste einen Entschluss für ihr Leben. Sie würde so schnell wie möglich das gesammte Wissen des Lehrers aufsaugen, damit sie so schnell wie möglich in die Provinzhauptstadt an eine weiterführende Schule könnte. Dort würde sie vielleicht auch wirklich interessante Dinge lernen können.
Nach dem Unterricht ging sie mit dem Lehrer in die Wohnung und wurde gleich zum Mittagessen eingeladen. Sie unterhielten sich und der Lehrer begann auch gleich mit dem Nachhilfe Unterricht. Draussen begann es schon zu dämmern. Auguste wurde langsam unruhig, denn sie wollte nach Hause. Das merkte der Lehrer. Trotz der vorgerückten Stunde gab er ihr viele Hausaufgaben mit. Unter der Last der Bücher konnte Auguste den Heimweg nicht wie gewohnt zurückhüpfen, sondern sie schleppte sich mühsam ab.
So vor sich hinkeuchend merkte sie, wie ihre Bücher plötzlich leichter wurden. Zwar sah sie niemanden aber intuitiv wusste sie, dass Olaf ihr half. Erfreut begrüsste sie ihn. Er blieb unsichtbar, doch gab sich durch eine Antwort zu erkennen. Sie plauderten so gut es ging und er lud sie für Sonntag Nachmittag zum Kaffetrinken zu sich in die Hütte ein. Auguste freute sich, sagte ihm aber auch, dass es wahrscheinlich schwierig werden würde. Denn Sonntagvormittag gingen sie mit der ganzen Familie in die Kirche, wo sich das ganze Dorf traf. Das hiess, dass es nach der Kirche noch ein wildes Geschnatter gab und wenn sich die Leute langsam vertstreuten, dann hiess es noch Kaffetrinken auf dem Hof. Meist kam noch Besuch und dann würde es besonders schwierig werden, sich davon zu schleichen. Aber sie versprach, dass sie sich alle Mühe geben würde.
Sie plauderten weiter und weiter, bis sie am Hof ankamen. Olaf verabschiedete sich und Auguste bog in den Hof ab, wo sie schon von ihrer grossen Schwester Henriette erwartet wurde, welche ihr mitteilte, dass sie ihre gesammte Arbeit für heute noch nicht er ledigt hätte! "Welche Arbeit?" fragte Auguste? Ihr war zwar mitgeteilt worden, dass sie mehr mit anpacken sollte, aber konkret hatte sich noch niemand geäussert. Das merkte jetzt auch Henriette und darum beschloss sie mit Auguste vor dem Arbeitsessen noch einen genauen Arbeitsplan auszuarbeiten.
Montag, 9. Februar 2009
Kapitel 27: Der Stein
Plötzlich kitzelte etwas an Augustes Schienbein. Und dann zog etwa in Richtung hinter dem Haus. Zuerst wollte Auguste ausrufen, dass Harry doch den Blödsinn seinlassen solle. Doch bei einem kurzen Seitenblick auf Harry, bemerkte sie, dass dieser ganz unbeteiligt neben ihr sass und in die Luft starrte. Auguste stockte. Wenn es Harry nicht war, wer war es dann, der da gerade wild an ihrer Socke zog? Sie beschloss, Harry nichts mitzuteilen und sagte so beiläufig wie möglich, dass sie einmal schnell auf Toilette müsste und dass sie in etwa 5 Minuten zurückkommen würde. Diese Zeitangabe machte sie, da sie ja nicht wusste, auf was sie sich einlassen würde. Wenn etwas nicht stimmen würde, käme Harry sie sicher nach spätestens einer viertel Stunde suchen.
Sich nichtsanmerken lassen schlenderte sie so unauffällig, dass es schon wieder auffällig war hinters Haus, genau dem unheimlichen Zerren nach. Kaum war sie um die Ecke, stand ihr plötzlich Olaf gegenüber, noch hielt er sich an ihrer Socke fest, liess aber die Hand schnell fallen, als er Augustes kritischen Blick bemerkte. Dann fielen sich beide in die Arme und begrüssten sich. Auguste erzählte von ihren Erlebnissen und wie froh sie war, Olaf wieder zu sehen. Zwar waren die Sprachschwierigkeiten nicht einfach aus dem Weg geräumt, abe rmit Zeichensprache kann man viel sagen. Und zu Augustes Überraschung hatte Olaf etwas masurisch gelernt und so hätte sich ihre ganze Reise eigentlich erübrigt, wären da nicht all die tollen Erlebnisse gewesen.
Und dann konnte Auguste nicht mehr warten und fragte wo Olaf und seine Frau denn jetzt wohnten und wie er denn so unsichtbar zu ihr gekommen sei. Da verriet Olaf ihr ein Geheimnis. Er zeigte ihr einen kleinen weissen Stein. Sobald er diesen in die Hand nahm, wurde er unsichtbar. Auguste war begeistert. Mit diesem Stein liessen sich viele Dinge unternehmen! Ach wie wunderbar würde doch dies sein! Sofort begann Auguste zu träumen, von kommenden Abenteuern, welche sie mit Hilfe eines solchen Steines unternehmen könnte.
Sich nichtsanmerken lassen schlenderte sie so unauffällig, dass es schon wieder auffällig war hinters Haus, genau dem unheimlichen Zerren nach. Kaum war sie um die Ecke, stand ihr plötzlich Olaf gegenüber, noch hielt er sich an ihrer Socke fest, liess aber die Hand schnell fallen, als er Augustes kritischen Blick bemerkte. Dann fielen sich beide in die Arme und begrüssten sich. Auguste erzählte von ihren Erlebnissen und wie froh sie war, Olaf wieder zu sehen. Zwar waren die Sprachschwierigkeiten nicht einfach aus dem Weg geräumt, abe rmit Zeichensprache kann man viel sagen. Und zu Augustes Überraschung hatte Olaf etwas masurisch gelernt und so hätte sich ihre ganze Reise eigentlich erübrigt, wären da nicht all die tollen Erlebnisse gewesen.
Und dann konnte Auguste nicht mehr warten und fragte wo Olaf und seine Frau denn jetzt wohnten und wie er denn so unsichtbar zu ihr gekommen sei. Da verriet Olaf ihr ein Geheimnis. Er zeigte ihr einen kleinen weissen Stein. Sobald er diesen in die Hand nahm, wurde er unsichtbar. Auguste war begeistert. Mit diesem Stein liessen sich viele Dinge unternehmen! Ach wie wunderbar würde doch dies sein! Sofort begann Auguste zu träumen, von kommenden Abenteuern, welche sie mit Hilfe eines solchen Steines unternehmen könnte.
Montag, 2. Februar 2009
Kapitel 26: Warten bis zum Sonnenuntergang
Sobald Auguste es geschafft hatte, sich in ihr Zimmer zurückzuziehen, half sie Harry, sich eine Ecke unter ihrem Bett so wohnlich wie möglich einzurichten. Das ganze musste sehr schnell gehen. Auguste hatte hier kein eigenes Zimmer, sondern teilte es mit ihren grossen Schwestern. Eine von ihnen konnte jederzeit hereinplatzen. Jedesmal wenn sie Schritte auf der Treppe hörte, blieb beiden der Atem stehen, Auguste sprang in windeseile ins Bett und Harry machte einen Köpfler unter das Bett. Als sie diese Übung das dritte Mal durchgezogen hatten, konnte sich Auguste vor lachen kaum noch halten. "Sag mal Harry, warum machst Du das eigentlich? Morgen wirst Du viele blaue Flecken haben. Die anderen können Dich doch sowieso nicht sehen! Du könntest genausogut mitten im Raum stehen, wenn eine meiner Schwestern die Tür öffnen würde, sie hätten keine Ahnung, dass Du vor ihnen stehst." Harry schaute Auguste verdutzt an. Daran hatte er gar nicht gedacht und nun schämte er sich, dass er sich vor dem kleinen Mädchen so blamiert hatte, dass sie schallend über ihn lachte.
Schnell vergass er die Peinlichkeiten und stürzte sich eifrig in die Arbeit. Denn schliesslich ging es ja um sein neues Zuhause. Nach etwa einer halben Stunde mit Unterbrüchen hatten sie es geschafft. Auguste fiel erschöpft ins Bett und Harry verkroch sich in seinem Schlupfwinkel. Und kaum lagen beide, da schliefen sie auch schon fest. So fest, dass keiner von ihnen gewahrte, dass sie diese Nacht mehrmals Besuch erhielten.
Der erste Besuch war Augustes Mutter. Nachdem sie ihre Jüngste so lange nicht mehr gesehen hatte, wollte sie einfach nocheinmal nach ihr schauen. Leise schlich sie ans Bett, strich ihrer schlafenden Tochter über die Haare und staunte darüber, wie sich das Mädchen über den Sommer verändert hatte. Aber sie war auch stolz auf ihre Tochter. Dieses kleine Mädchen war schon weiter in der Welt herumgekommen, als die eigene Mutter. Bevor Auguste ins Bett gegangen war, hatte sie allen wie ein Wasserfall von der Reise und den vielen Erlebnissen Berichtet. Sie hatte auch erwähnt, dass sie wie die kluge Frau, bei der sie hatte wohnen dürfen, studieren wollte. Der Vater hatte natürlich sofort die Nase gerümpft. Er war Bauer und seine Töchter sollten auch einmal Bauern heiraten. Geld für ein Studium war nicht vorhanden. Die Mutter hatte ihm beigepflichtet, doch wie sie jetzt ihre Tochter betrachtete, nahm sie sich vor, alles zu unternehmen, ihrer Tochter ein Studium zu finanzieren, sollte sie in der Schule gute Leistungen erbringen. Sie wusste, dass es schwer werden würde, aber sie selbst hatte nie Bäuerin werden wollen. So wollte sie versuchen, wenigstens ihrer jüngsten Tochter zu ermöglichen ein Leben zu führen, wie sie es sich wünschte. Sie stellte sich vor, wie schlimm es wohl für Augustchen sein würde, wenn sie ihr Lebenlang in dem kleinen Dorf verbringen müsste, nachdem sie jetzt schon so viel von der Welt gesehen hatte! Nein, sie wollte, dass ihre Tochter eine Weltenbürgerin würde. Vielleicht würde sie so auch einen reichen, intelligenten Mann finden und ein glückliches Leben ohne viel Arbeit un Mühe führen können.
Nachdem die Mutter so nachgedacht hatte, verliess sie schweren Herzens das Zimmer. Was würde wohl das Leben ihrer Tochter in Zukunft bringen? Würde sie glücklich werden? Sie war so ganz anders, als die zwei grossen Schwestern. Und klug! Sie schien klüger zu sein, als ihre Schwestern. Gedankenverloren stieg die Mutter die Treppe hinunter und ging ebenfalls schlafen.
Kurze Zeit später kamen die zwei grossen Schwestern und gingen ebenfalls ins Bett. Sie waren ein wenig neidisch, dass ihre kleine Schwester nicht hatte bei der Heuernte helfen müssen und stattdessen so viel erlebt hatte. Doch sie waren auch froh, dass Auguste wieder hier war. Denn ohne den kleinen Zwirbel war es ihnen manchmal etwas langweilig geworden.
Kaum waren auch die Schwestern eingeschlafen, huschte ein Schatten durchs Fenster. Hätten die Schwestern ihn wahrgenommen, sie hätten geglaubt sich zu täuschen. Eine seltsame dunkle Figur näherte sich Augustes Bett, legte einen Brief unter ihr Kopfkissen und entfernte sich wieder. Nach weniger als zwei Sekunden war alles vorüber und man hätte meinen können, es sei nie passiert.
Am nächsten Morgen wurde Auguste durch das kitzeln der Sonne auf der Nase wach. Sie schlug die Augen auf und wusste im ersten Moment nicht, wo sie war. Wie roch es denn hier? So nach Kühen und Pferden? Wieso summten hier so viele Fliegen herum? Was war das für ein Lärm da draussen? Verwirrt richtete sie sich auf. Und dann viel ihr alles wieder ein. Sie war wieder zuhause, nicht mehr in einer anderen Stadt! Schnell wie der Blitz zog sie sich eines ihrer alten Arbeitskleider an und sprang die Treppe hinunter in die Küche, wo für sie ein Frühstück parat stand. Ausser Opa waren alle schon an der Arbeit. Alleine wollte sie nicht essen, also hüpfte sie nocheinmal die Treppen hinauf und weckte ihren Opa. Gemeinsam frühstückten sie und besprachen die vergangen Wochen und die Zukunft. Es wurde Auguste schmerzlich bewusst, dass sie spätestens morgen wieder zur Schule gehen müsste. Und darauf hatte sie nun also gar keine Lust! Sie hatte sich er viel Unterrichtsstoff verpasst und würde nun alles mühsam nachholen müssen. Opa versprach ihr dabei zu helfen. Er übernahm es auch Harry etwas zu Essen hochzubringen. Denn Auguste zog es hinaus in den Garten, auf die Felder und natürlich zum Wäldchen, wo sie sich zuletzt mit Olaf getroffen hatte. Freudig singend schlenderte sie durch die Vertraute Landschaft. Ja, nun war sie wieder zuhause, hier kannte sie jeden Stein, jeden Baum, jedes Haus.
Nachdem sie eine Weile wild herumgetollt war, nahm sie ihren Mut zusammen und ging zu Olafs Haus. Doch wie gross war die Enttäuschtung. Das Haus war leer und es schien, als sei es ein wenig zerfallen. "Das heisst, dass Olaf und seine Frau den Ort schon vor geraumer Zeit verlassen haben! Hoffentlich sind sie nicht weggezogen!" dachte Auguste bestürzt. Traurig wanderte sie nach Hause. Dort ging sie in ihr Zimmer, um nach Harry ausschau zu halten. Wenigstens einen Freund hatte sie noch, wenn Olaf sie schon im Stich gelassen hatte.
Harry war zuhause schon dabei den Brief zu entziffern, der in der Nacht vobreigebracht worden war. Es war in Olafs Sprache geschrieben. Doch Auguste und Harry schafften es, ihn mit Hilfe der Unterlagen aus Breslau zu entziffern. Die Freude Augustes war gross. Olaf hatte ihre einen Brief geschrieben. Er teilte ihr mit, dass er noch in der Gegend wohnte, aber das Haus hatte verlassen müssen, da ihn jemand bedroht hatte. Den neuen Aufenthaltsort konnte er nicht aufschreiben und auch keinen Treffpunkt abmachen, da er befürchte, dass dieser Brief vielleicht in falsche Hände geraten würde. Aber er würde alles Menschenmögliche und etwas mehr tun, damit sie sich wieder treffen könnten.
Harry und Auguste warteten beide gespannt den ganzen Nachmittag im Hof. Sie erwarteten, dass Olaf jeden Augenblick hinter irgend einer Ecke hervorlugen würde und ihnen zuwinken würde. Doch die Sonne stieg höher und wieder tiefer und die gute Laune von Auguste und Harry machte die gleiche Bewegung. Sie wurden immer ungeduldiger, getrauten sich aber nicht, ins Haus zu gehen, da sie annahmen, dass Olaf sie sonst nicht kontaktieren könnte. Also warteten sie weiter und verkürzten sich die Zeit mit Rätselspielen.
Schnell vergass er die Peinlichkeiten und stürzte sich eifrig in die Arbeit. Denn schliesslich ging es ja um sein neues Zuhause. Nach etwa einer halben Stunde mit Unterbrüchen hatten sie es geschafft. Auguste fiel erschöpft ins Bett und Harry verkroch sich in seinem Schlupfwinkel. Und kaum lagen beide, da schliefen sie auch schon fest. So fest, dass keiner von ihnen gewahrte, dass sie diese Nacht mehrmals Besuch erhielten.
Der erste Besuch war Augustes Mutter. Nachdem sie ihre Jüngste so lange nicht mehr gesehen hatte, wollte sie einfach nocheinmal nach ihr schauen. Leise schlich sie ans Bett, strich ihrer schlafenden Tochter über die Haare und staunte darüber, wie sich das Mädchen über den Sommer verändert hatte. Aber sie war auch stolz auf ihre Tochter. Dieses kleine Mädchen war schon weiter in der Welt herumgekommen, als die eigene Mutter. Bevor Auguste ins Bett gegangen war, hatte sie allen wie ein Wasserfall von der Reise und den vielen Erlebnissen Berichtet. Sie hatte auch erwähnt, dass sie wie die kluge Frau, bei der sie hatte wohnen dürfen, studieren wollte. Der Vater hatte natürlich sofort die Nase gerümpft. Er war Bauer und seine Töchter sollten auch einmal Bauern heiraten. Geld für ein Studium war nicht vorhanden. Die Mutter hatte ihm beigepflichtet, doch wie sie jetzt ihre Tochter betrachtete, nahm sie sich vor, alles zu unternehmen, ihrer Tochter ein Studium zu finanzieren, sollte sie in der Schule gute Leistungen erbringen. Sie wusste, dass es schwer werden würde, aber sie selbst hatte nie Bäuerin werden wollen. So wollte sie versuchen, wenigstens ihrer jüngsten Tochter zu ermöglichen ein Leben zu führen, wie sie es sich wünschte. Sie stellte sich vor, wie schlimm es wohl für Augustchen sein würde, wenn sie ihr Lebenlang in dem kleinen Dorf verbringen müsste, nachdem sie jetzt schon so viel von der Welt gesehen hatte! Nein, sie wollte, dass ihre Tochter eine Weltenbürgerin würde. Vielleicht würde sie so auch einen reichen, intelligenten Mann finden und ein glückliches Leben ohne viel Arbeit un Mühe führen können.
Nachdem die Mutter so nachgedacht hatte, verliess sie schweren Herzens das Zimmer. Was würde wohl das Leben ihrer Tochter in Zukunft bringen? Würde sie glücklich werden? Sie war so ganz anders, als die zwei grossen Schwestern. Und klug! Sie schien klüger zu sein, als ihre Schwestern. Gedankenverloren stieg die Mutter die Treppe hinunter und ging ebenfalls schlafen.
Kurze Zeit später kamen die zwei grossen Schwestern und gingen ebenfalls ins Bett. Sie waren ein wenig neidisch, dass ihre kleine Schwester nicht hatte bei der Heuernte helfen müssen und stattdessen so viel erlebt hatte. Doch sie waren auch froh, dass Auguste wieder hier war. Denn ohne den kleinen Zwirbel war es ihnen manchmal etwas langweilig geworden.
Kaum waren auch die Schwestern eingeschlafen, huschte ein Schatten durchs Fenster. Hätten die Schwestern ihn wahrgenommen, sie hätten geglaubt sich zu täuschen. Eine seltsame dunkle Figur näherte sich Augustes Bett, legte einen Brief unter ihr Kopfkissen und entfernte sich wieder. Nach weniger als zwei Sekunden war alles vorüber und man hätte meinen können, es sei nie passiert.
Am nächsten Morgen wurde Auguste durch das kitzeln der Sonne auf der Nase wach. Sie schlug die Augen auf und wusste im ersten Moment nicht, wo sie war. Wie roch es denn hier? So nach Kühen und Pferden? Wieso summten hier so viele Fliegen herum? Was war das für ein Lärm da draussen? Verwirrt richtete sie sich auf. Und dann viel ihr alles wieder ein. Sie war wieder zuhause, nicht mehr in einer anderen Stadt! Schnell wie der Blitz zog sie sich eines ihrer alten Arbeitskleider an und sprang die Treppe hinunter in die Küche, wo für sie ein Frühstück parat stand. Ausser Opa waren alle schon an der Arbeit. Alleine wollte sie nicht essen, also hüpfte sie nocheinmal die Treppen hinauf und weckte ihren Opa. Gemeinsam frühstückten sie und besprachen die vergangen Wochen und die Zukunft. Es wurde Auguste schmerzlich bewusst, dass sie spätestens morgen wieder zur Schule gehen müsste. Und darauf hatte sie nun also gar keine Lust! Sie hatte sich er viel Unterrichtsstoff verpasst und würde nun alles mühsam nachholen müssen. Opa versprach ihr dabei zu helfen. Er übernahm es auch Harry etwas zu Essen hochzubringen. Denn Auguste zog es hinaus in den Garten, auf die Felder und natürlich zum Wäldchen, wo sie sich zuletzt mit Olaf getroffen hatte. Freudig singend schlenderte sie durch die Vertraute Landschaft. Ja, nun war sie wieder zuhause, hier kannte sie jeden Stein, jeden Baum, jedes Haus.
Nachdem sie eine Weile wild herumgetollt war, nahm sie ihren Mut zusammen und ging zu Olafs Haus. Doch wie gross war die Enttäuschtung. Das Haus war leer und es schien, als sei es ein wenig zerfallen. "Das heisst, dass Olaf und seine Frau den Ort schon vor geraumer Zeit verlassen haben! Hoffentlich sind sie nicht weggezogen!" dachte Auguste bestürzt. Traurig wanderte sie nach Hause. Dort ging sie in ihr Zimmer, um nach Harry ausschau zu halten. Wenigstens einen Freund hatte sie noch, wenn Olaf sie schon im Stich gelassen hatte.
Harry war zuhause schon dabei den Brief zu entziffern, der in der Nacht vobreigebracht worden war. Es war in Olafs Sprache geschrieben. Doch Auguste und Harry schafften es, ihn mit Hilfe der Unterlagen aus Breslau zu entziffern. Die Freude Augustes war gross. Olaf hatte ihre einen Brief geschrieben. Er teilte ihr mit, dass er noch in der Gegend wohnte, aber das Haus hatte verlassen müssen, da ihn jemand bedroht hatte. Den neuen Aufenthaltsort konnte er nicht aufschreiben und auch keinen Treffpunkt abmachen, da er befürchte, dass dieser Brief vielleicht in falsche Hände geraten würde. Aber er würde alles Menschenmögliche und etwas mehr tun, damit sie sich wieder treffen könnten.
Harry und Auguste warteten beide gespannt den ganzen Nachmittag im Hof. Sie erwarteten, dass Olaf jeden Augenblick hinter irgend einer Ecke hervorlugen würde und ihnen zuwinken würde. Doch die Sonne stieg höher und wieder tiefer und die gute Laune von Auguste und Harry machte die gleiche Bewegung. Sie wurden immer ungeduldiger, getrauten sich aber nicht, ins Haus zu gehen, da sie annahmen, dass Olaf sie sonst nicht kontaktieren könnte. Also warteten sie weiter und verkürzten sich die Zeit mit Rätselspielen.
Sonntag, 2. November 2008
Kapitel 25: Ankunft Zuhaus
Nach einer langen und mühsamen Reise mit vielen Unterbrüchen und unerwarteten Ereignissen kamen Auguste, Opa und Harry nach drei Tagen endlich in Lyck /Elk an. Sie waren alle ziemlich erschöpft, denn es war eine anstrengende Reise gewesen. Opa hatte zum Glück trotz allem noch genügend Geld, um eine Kutschfahrt zu ihrem Hof zu bezahlen. Sie hielten sich nicht lange in dem Städtchen auf, sondern suchten den erstbesten Kutscher. Nun wollten sie nichts anderes mehr, als so schnell wie möglich nach Hause zu kommen und in das eigene Bett zu liegen und sich zu erholen. Sie waren fast 3 Monate unterwegs gewesen! Wie schön war es, wieder die vertraute Landschaft zu sehen. Für Harry war natürlich alles neu und unbekannt, doch auch er freute sich darauf, endlich das Zuhause von Opa und Auguste kennen zulernen und vielleicht sogar bald Olaf und seine Frau!
Sie hatten Pech und kaum hatten sie die Stadt verlassen, begann es in Strömen zu regnen. Sie hatten eine offene Kutschte genommen, weil dies billiger gewesen war. Und nun wurden sie völlig durchnässt. Auguste begann zu frieren. Es würde noch etwa 3 Stunden dauern, bis sie beim Hof ankommen würden. Sicher würden sie sich erkälten!
Als sie in die Hofeinfahrt bogen, hörten sie Henriette laut schreien: "Sie sind wieder da!". Und innerhalb von wenigen Minuten füllte sich der Hof. Mutter und Vater, die Schwestern und die Angestellten und natürlich auch der Hofhund, alle eilten herbei um Opa und Auguste zu begrüssen. Da sie so lange nichts von den beiden gehört hatten, hatten sie schon befürchtet gehabt, dass etwas passiert sei. Denn Opa hatte nicht von drei Monaten sondern von drei Wochen gesprochen. Eigentlich hatten die zwei gesagt, dass sie zur Heuernte wieder zuhause sein würden. Nun war die Heuernte schon lange vorbei.
Alle quatschten durcheinander. Alle waren neugierig. Doch Auguste und Opa waren viel zu erschöpft und froren auch weil sie total durchnässt waren und verschoben die Erzählstunde auf den nächsten Tag. Erstmal wollten beide sich trockene Sachen anziehen und dann ins Bett gehen.
Sie hatten Pech und kaum hatten sie die Stadt verlassen, begann es in Strömen zu regnen. Sie hatten eine offene Kutschte genommen, weil dies billiger gewesen war. Und nun wurden sie völlig durchnässt. Auguste begann zu frieren. Es würde noch etwa 3 Stunden dauern, bis sie beim Hof ankommen würden. Sicher würden sie sich erkälten!
Als sie in die Hofeinfahrt bogen, hörten sie Henriette laut schreien: "Sie sind wieder da!". Und innerhalb von wenigen Minuten füllte sich der Hof. Mutter und Vater, die Schwestern und die Angestellten und natürlich auch der Hofhund, alle eilten herbei um Opa und Auguste zu begrüssen. Da sie so lange nichts von den beiden gehört hatten, hatten sie schon befürchtet gehabt, dass etwas passiert sei. Denn Opa hatte nicht von drei Monaten sondern von drei Wochen gesprochen. Eigentlich hatten die zwei gesagt, dass sie zur Heuernte wieder zuhause sein würden. Nun war die Heuernte schon lange vorbei.
Alle quatschten durcheinander. Alle waren neugierig. Doch Auguste und Opa waren viel zu erschöpft und froren auch weil sie total durchnässt waren und verschoben die Erzählstunde auf den nächsten Tag. Erstmal wollten beide sich trockene Sachen anziehen und dann ins Bett gehen.
Kapitel 24: Verabschiedung von Tara
Nach geraumer Zeit kamen Auguste und Opa wieder aus der Universität heraus. Sofort bestürmte Harry sie und wollte wissen, ob sie erfolg gehabt hätten. Doch beide schwiegen. Opa lächelte still vor sich hin, während Augustes Gesicht ausdrückte, dass in ihrem Kopf ein Haufen Fragen hin und her eilten, sich überkreuzten und nach Antworten suchten, diese aber im allgemeinen Gewirr nicht finden konnten. Harry war doch ein wenig verwundert über seine zwei Mitreisenden. Das hatte er noch nie erlebt, dass weder Opa noch Auguste etwas sagten. Was war wohl im Büro des Professors geschehen? Er merkte, dass es im Augenblick zwecklos war, die beiden darauf anzusprechen, aber wollte versuchen im Laufe des Tages mehr zu erfahren. Für's erste wechselte er das Thema. "Wo wollt ihr denn jetzt hin? Tara muss bald zurück in den Zirkus, denn am Nachmittag finden noch die Proben für die Vorstellung statt. Und wenn dann ihr Fehlen bemerkt wird, bekommt Tara Probleme." Auguste meinte, dass sie dann doch am besten alle zum Zirkus gehen sollten. Sie wollte sowieso mal in einen Zirkusvorstellung. Dann könnten sie Tara beim Zirkus abliefern, Karten für die Abendvorstellung kaufen und dann zum Bahnhof gehen und die Zugreise für den nächsten Tag vorbereiten. Jetzt seien sie schliesslich lange genug unterwegs gewesen und der Sommer sei auch bald zuende. Und um ehrlich zu sein, Auguste sehnte sich auch nach ihrem Zuhause. Sie hatte schon so viel erlebt in dieser kurzen Zeit! Jetzt brauchte sie ersteinmal ein wenig Ruhe und ihr gewohntes Umfeld. Und in der Schule musste sie auch viel nachholen. Denn schliesslich wollte sie später einmal studieren und da konnte sie nicht schon die zweite Klasse wiederholen!
Gesagt getan. Unter gejohle von den Zuschauern stiegen Auguste und Opa mit der Hilfe eines Mäuerchens wieder auf Taras Rücken. Begleitet von all den Menschen marschierten sie in Richtung Zirkus. Als sie dort ankamen, hatten noch andere den Einfall gehabt ebenfalls ein Ticket für die Abendforstellung zu ergattern. Innerhalb von wenigen Minuten war die Vorstellung ausverkauft. Der benachrichtigte Zirkusdirektor eilte herbei um zu schauen, was denn auf einmal los sei. Als ihm seine Kassendame berichtet hatte, was sich gerade ereignet hatte, begab er sich zu Auguste und Opa und dankte ihnen für die gelungene Werbeaktion. Auguste und Opa waren überrascht. Sie hatten ja gar nichts geplant gehabt! Doch was blieb ihnen anderes übrig, als nett zu nicken und zu meinen, dass sie das gerne gemacht hätten.
Als Auguste endlich an der Kasse ankam, um Tickets zu kaufen, waren schon alle weg. Enttäuscht ging sie zurück zu Tara, Harry und Opa.
"Tja, da lässt sich nichts machen!" meinte Opa. "Wenn wir jedoch schon nicht bei der Abendvorstellung dabei sein können, so fragen wir doch am Besten, ob wir bei den Nachmittagsproben mitmachen können." - "Oja!" rief Auguste begeistert. Und da der Zirkusdirektor ihnen für ihre unbeabsichtigte PR-Aktion so dankbar war, liess er sie ohne Zögern gewähren. Auguste genoss es, einmal backstage in einem Zirkus zu sein. Obwohl sie nicht besonders atletisch war, kam sie sich fast vor, wie eine Artistion. Und zu ihrem Glück hatte der Domteur von Tara den Einfall, dass Auguste heute Abend bei der Nummer mitwirken können. Sie hatten noch etwas 2 Stunden zeit, um eine kleine Nummer einzustudieren. Strahlend und voller Eifer bemühte sich Auguste ihr bestes zu Geben.
Als dann die ersten Gäste eintraffen und Auguste sie hinter dem Vorhang beäugte, begann sie nervös zu werden. Was wenn sie die Nummer verpatzen würde? Zwar war Harry immer bei ihr und konnte mit Tara reden und ihr sagen, was sie machen sollte, doch sicher fühlte sich Auguste deswegen nicht. Und dann, dann kam ihr Auftritt. Der Vorhang ging auf, sie sass auf Tara und im Scheinwerferlicht schritten sie langsam in die Manege. Das Publikum tobte und applaudierte begeistert. Darauf hatten alle gewartet. Plötzlich wurde es ruhig im Saal. Auguste hatte begonnen aufzustehen. Die Zuschauer starrten gebannt auf die Manege. Keiner konnte wissen, dass Auguste mit Tara durch die Hilfe von Harry kommunizieren konnte. Zum anderen fürchteten fast alle dieses riesige, wilde Tier. Und dieses kleine Mädchen wagte sich ganz alleine dort hinauf und begann jetzt auch noch darauf herumzuklettern. Die Stille war so gross, dass man jeden Pups hätte hören können.
Nach Vollendung der Nummer applaudierte das Publikum wieder und gab sogar standing ovation! Auguste fühlte sich super! All diese Menschen applaudierten ihr. Ihr ganz alleine. Als die Vorstellung zu Ende war, hiess es Abschied von Tara zu nehmen. Denn sie würden früh Morgens in Richtung Olsztyn aufbrechen müssen. Auguste weinte ein wenig. Zwar kannte sie Tara noch nichteinmal 24 Stunden, aber sie hatte sich schon sehr an sie gewöhnt. Sich hoffte, dass der Zirkus auch einmal nach Elk/ Lyck kommen würde und dass sie sich dann wieder treffen könnten. Doch wer wusste schon, was in der Zukunft werden würde? Vielleicht würde sie in ihrem Leben nie wieder einen Elefanten zu Gesicht bekommen? Und schon gar nicht Tara.
Gesagt getan. Unter gejohle von den Zuschauern stiegen Auguste und Opa mit der Hilfe eines Mäuerchens wieder auf Taras Rücken. Begleitet von all den Menschen marschierten sie in Richtung Zirkus. Als sie dort ankamen, hatten noch andere den Einfall gehabt ebenfalls ein Ticket für die Abendforstellung zu ergattern. Innerhalb von wenigen Minuten war die Vorstellung ausverkauft. Der benachrichtigte Zirkusdirektor eilte herbei um zu schauen, was denn auf einmal los sei. Als ihm seine Kassendame berichtet hatte, was sich gerade ereignet hatte, begab er sich zu Auguste und Opa und dankte ihnen für die gelungene Werbeaktion. Auguste und Opa waren überrascht. Sie hatten ja gar nichts geplant gehabt! Doch was blieb ihnen anderes übrig, als nett zu nicken und zu meinen, dass sie das gerne gemacht hätten.
Als Auguste endlich an der Kasse ankam, um Tickets zu kaufen, waren schon alle weg. Enttäuscht ging sie zurück zu Tara, Harry und Opa.
"Tja, da lässt sich nichts machen!" meinte Opa. "Wenn wir jedoch schon nicht bei der Abendvorstellung dabei sein können, so fragen wir doch am Besten, ob wir bei den Nachmittagsproben mitmachen können." - "Oja!" rief Auguste begeistert. Und da der Zirkusdirektor ihnen für ihre unbeabsichtigte PR-Aktion so dankbar war, liess er sie ohne Zögern gewähren. Auguste genoss es, einmal backstage in einem Zirkus zu sein. Obwohl sie nicht besonders atletisch war, kam sie sich fast vor, wie eine Artistion. Und zu ihrem Glück hatte der Domteur von Tara den Einfall, dass Auguste heute Abend bei der Nummer mitwirken können. Sie hatten noch etwas 2 Stunden zeit, um eine kleine Nummer einzustudieren. Strahlend und voller Eifer bemühte sich Auguste ihr bestes zu Geben.
Als dann die ersten Gäste eintraffen und Auguste sie hinter dem Vorhang beäugte, begann sie nervös zu werden. Was wenn sie die Nummer verpatzen würde? Zwar war Harry immer bei ihr und konnte mit Tara reden und ihr sagen, was sie machen sollte, doch sicher fühlte sich Auguste deswegen nicht. Und dann, dann kam ihr Auftritt. Der Vorhang ging auf, sie sass auf Tara und im Scheinwerferlicht schritten sie langsam in die Manege. Das Publikum tobte und applaudierte begeistert. Darauf hatten alle gewartet. Plötzlich wurde es ruhig im Saal. Auguste hatte begonnen aufzustehen. Die Zuschauer starrten gebannt auf die Manege. Keiner konnte wissen, dass Auguste mit Tara durch die Hilfe von Harry kommunizieren konnte. Zum anderen fürchteten fast alle dieses riesige, wilde Tier. Und dieses kleine Mädchen wagte sich ganz alleine dort hinauf und begann jetzt auch noch darauf herumzuklettern. Die Stille war so gross, dass man jeden Pups hätte hören können.
Nach Vollendung der Nummer applaudierte das Publikum wieder und gab sogar standing ovation! Auguste fühlte sich super! All diese Menschen applaudierten ihr. Ihr ganz alleine. Als die Vorstellung zu Ende war, hiess es Abschied von Tara zu nehmen. Denn sie würden früh Morgens in Richtung Olsztyn aufbrechen müssen. Auguste weinte ein wenig. Zwar kannte sie Tara noch nichteinmal 24 Stunden, aber sie hatte sich schon sehr an sie gewöhnt. Sich hoffte, dass der Zirkus auch einmal nach Elk/ Lyck kommen würde und dass sie sich dann wieder treffen könnten. Doch wer wusste schon, was in der Zukunft werden würde? Vielleicht würde sie in ihrem Leben nie wieder einen Elefanten zu Gesicht bekommen? Und schon gar nicht Tara.
Dienstag, 14. Oktober 2008
Kapitel 23: Professor Otto Schrader
Am Morgen machten sich alle drei auf, die einst blühende Handelsstadt Breslau mit ihren knapp 500'000 Einwohnern zu besichtigen. Breslau, berühmt für seine vielen Brücken beeindruckte alle. Auguste hatte noch nie so viele Brücken so nahe beieinander gesehen. Opa war vorallem beeindruckt, dass es so viele neue, moderne Gebäude gab und dass es schien, das ständig weitere gebaut wurden. Eine lebende Stadt, in der die Zeit trotzd des Niedergangs der Bedeutung des Handels, die Zeit nicht stehengeblieben war. Zu all dem schien die Sonne. Es war heiss, aber nicht schwül. Auguste trug ein kurzes, weitgeschwungenes Faltenröckchen, welches beim Gehen munter hin und her schwang. Sie war aufgeregt. Fast hüpfenden Schrittes bewegte sie sich auf der Strasse. Opa und Harry konnten ihr kaum folgen. Doch Auguste war viel zu ungeduldig, um auf den älteren Herrn rücksicht zu nehmen. Mehrmals mahnte sie ihren Opa, er solle doch etwas schneller gehen, denn schliesslich wollten sie noch vor dem Mittagessen bei dem Herrn Professor Schrader eintreffen. Der werte Herr Professor hatte auf das Telegram aus Berlin nicht geantwortet gehabt. Das heisst, entweder hatte er kein Interesse, oder er war so beschäftigt, dass ihr Telegram untergangen war. Auguste hoffte inbrünstig, dass letzteres zutreffen würde. Denn dann bestünde wenigstens eine klitzekleine Chance, dass er ihnen zumindest beim Übersetzten würde helfen können.
Zielstrebig marschierte die kleine Gruppe in Richtung der Universität. Dort erwarteten sie, Otto Schrader am ehesten anzutreffen. Während Auguste so vor sich hinträumte, rief Opa plötzlich, sie solle anhalten. Verwirrt schaute sie auf. "Was ist denn?! Wir müssen uns doch beeilen!" stiess sie hervor. Opa schaute sich mehrmals um. "Harry ist nicht mehr bei uns. Wir haben ihn wohl verloren. Mit unseren langen Beinen sind wir wohl etwas zu schnell für ihn gelaufen." Oh nein! schoss es Auguste durch den Kopf. Dass Harry auch ausgerechnet jetzt verloren gehen musste. Also hiess es nochmals zurück zu gehen und zu schauen, wo er stecken könnte. Wie sollten sie ihn in dieser riesigen Stadt nur finden? Er konnte überall sein. Als sie Harry nach einer halben Stunde immer noch nicht gefunden hatten, war Auguste verzweifelt. Was sollten sie denn jetzt machen? Opa nahm das ganz viel gelassener und schlug vor, im nächsten Kaffe ein wenig die Sonne zu geniessen und einen Snack einzunehmen. Was er wusste, Auguste aber nicht, war, dass Harry eine Art Sensor an Augustes Schuhen befestigt hatte. Dieser Sensor ermöglichte es ihm, Auguste immer und überall wiederzufinden. Opa wusste davon, da er sich mit Harry darüber unterhalten hatte. Auguste hatte den Sensor noch nicht bemerkt. Das wusste allerdings Opa nicht, weshalb er ihn nicht erwähnte, da er annahm, dass Auguste davon wusste. Eine vertrackste Angelegenheit. Doch zumindest schmeckten die heisse Schokolade und der Pfannkuchen mit Marmelade vorzüglich, welchen sie im Kaffe am Ring bestellten. Auguste beruhigte sich langsam und es gelang ihr entspannt in der Sonne zu sitzen und über den Vorplatz zu schauen. Es kam ihr vor, als wäre vor ihrer Nase ein Theater inszeniert worden. Marktfrauen eilten mit gefüllten Körben vorbei. Kutschen mit ungeduldigen Kutschern und bockigen Pferden rollten vorüber. Kinder spielten mit einem Ball. Unter einem Baum sass ein älterer Mann mit seinem Enkelkind und über ihm zwitscherten die Vögel. Das ganze gab ein friedliches, ja fast romantisches Schauspiel ab. Doch irgendwie fehlte ein wenig Abwechslung darin. Die ganze Szenerie schien auf ein Ereigniss vorbereitet zu sein, welches aber auf sich warten liess. Für den Zuschauer stieg die Spannung, da er nicht wusste, was geschehen würde, während die Beteiligten ohne nachzudenken ihren täglichen Routinen nachkamen.
So hatte Auguste noch nie einen belebten Platz beobachtet. Sie teilte Opa ihre Gedanken mit. Zu ihrer Überraschung war er gar nicht erstaunt. Er fügte nur an: "Ja ja Augustchen, da hast du wieder einmal etwas gelernt. Die Welt ist eine riesige Bühne und wir sind Schauspieler darauf." Augustchen konnte den Sinn dieser Aussage nicht ganz verstehen, aber es war ihr auch egal. Denn plötzlich änderte sich etwas in den sich immer wiederholenden Bewegungen auf dem Platz. Die Kinder schrien, die Marktfrauen stoben auseinander und die Pferde flohen mit einem Angstverzerrten Wiehern. Gebannt schauten Opa und Auguste auf die Strassenecke, auf die auch alle andern starrten. Die Spannung in der Luft war förmlich spürbar. Es würde nicht mehr viel benötigen und es gäbe eine riesige Explosion. So geladen war die Luft. Auguste hielt den Atem an. Sie zählte leise vor sich hin. Eins, zwei, drei, vier, fünf.... und da, plötzlich, lugte ein kleines graues etwas um die Ecke, dass von Sekunde zu Sekunde grösser wurde. Gemächlich und Majestätisch schritt ein Elefantenweibchen auf den Platz. Auguste klappte die Kinnlade herunter. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit einem Elefanten. Der war wohl aus dem Zirkus ausgebrochen, welcher zurzeit gerade in der Stadt weilte. Sie wollte schon ängstlich zurückweichen, da man ja nie wusste, zu was solch riesige Tiere fähig waren, als sie auf dem Hals des Elefanten etwas gewahrte. War das nicht? Ja genau, da oben sass Harry und plauderte gemütlich mit dem Elefanten. Der Elefant steurte genau auf das Kaffe zu. Der Elefant kam sie abholen!!! Auguste freute sich. Sie hatte schon immer mal auf einem Elefanten reiten wollen. Sie hatte in der Schule gelernt, dass in Indien die Menschen auf den Elefanten reiten würden. Indien war weit weg und daher hatte sie nicht gedacht, dass sie je die Möglichkeit dazu haben würde. Aber Harry sei Dank, bekam sie nun diese Chance.
Als der Elefant beim Kaffe anhielt, lugten von überall Augen um Häuserecken und unter Tischen hervor. Ausser Auguste und Opa waren alle geflohen. Nun beobachten die Menschen gespannte, was der Elefant vorhatte. Auguste trat auf ihn zu. Und jetzt? Wie sollte sie denn aufsteigen? Und wie sollte Opa erst auf so einen hohen Elefant kommen? Um die Zeit zu überbrücken tätschelte sie den Elefanten am Rüssel. Doch Harry bemerkte das Problem und steuerte den Elefanten quer zu einem Tisch. So konnten Opa und Auguste bequem vom Tisch aus hinaufklettern. Opa hatte etwas Schwierigkeiten, aber mit Harrys und Augustes Hilfe schaffte auch er es hinauf.
Auguste staunte Harry an. Sie hatte so viele Fragen und wusste gar nicht, welche sie zuerst stellen sollte. Harry erkannte, was ihr auf der Zunge lag und fasste alles kurz zusammen. Er hatte gedacht, dass sie wohl keinen grossen Erfolg hätten, wenn sie einfach beim Professor vorbeischauen würden. Wieso sollte e ihnen Zeit widmen? Sie seien niemand wichtiges. Und so ein wichtiger und vielbeschäftigter Mann könne sich doch nicht Zeit für jedes dahergelaufene Mädchen vom Land nehmen. Also musste man einen guten Auftritt inszenieren, um vom Professor als interessant eingestuft zu werden. Dafür war Harry weggelaufen. Er konnte mit Elefanten reden und das nütze er aus und überredete Tara, die Elefantin des Zirkusses, mit ihm mitzukommen.
Gesagt getan. Gefolgt von hunderten von Schaulustigen machten sie sich auf zur Universität. Der Zug wurde immer länger. Als sie bei der Universität ankamen hatten sie eine ganze Prozession hinter sich. Die Professoren und Studenten schauten zum Fenster heraus um herauszufinden, was da draussen vor sich ging. Sie staunten nicht schlecht, als sie die Menschenmassen und den grauen Elefanten sahen. Und auf dem Elefant sass ein kleines Mädchen und ein alter Mann. Was diese beiden wohl vorhatten? Sofort fragte man sie nach ihrem Ziel. Und als Auguste sagte, sie seien von weit her angereist, um mit Professor Schrader zu sprechen, so kam dieser sogleich herbeigeeilt. Er hatte weisse Haare und einen kurzen Bart. Seiner Gangart sah man sein Alter an. Er ging etwas gebückt. Aber das nahm nichts von der Würde, die er ausstrahlte. Er wirkte so weise, dass man ihm wohl alles geglaubt hätte.
Harry wartete draussen und kümmerte sich um Tara, während Opa und Auguste dem Herrn Professor ins Gebäude folgten. Harry hatte alle Hände voll zu tun, denn es drängten sich immer mehr Schaulustige um Tara. Doch da sie glaubten, Tara stehe alleine dort, hielten sie zum Glück genügend Sicherheitsabstand ein.
Zielstrebig marschierte die kleine Gruppe in Richtung der Universität. Dort erwarteten sie, Otto Schrader am ehesten anzutreffen. Während Auguste so vor sich hinträumte, rief Opa plötzlich, sie solle anhalten. Verwirrt schaute sie auf. "Was ist denn?! Wir müssen uns doch beeilen!" stiess sie hervor. Opa schaute sich mehrmals um. "Harry ist nicht mehr bei uns. Wir haben ihn wohl verloren. Mit unseren langen Beinen sind wir wohl etwas zu schnell für ihn gelaufen." Oh nein! schoss es Auguste durch den Kopf. Dass Harry auch ausgerechnet jetzt verloren gehen musste. Also hiess es nochmals zurück zu gehen und zu schauen, wo er stecken könnte. Wie sollten sie ihn in dieser riesigen Stadt nur finden? Er konnte überall sein. Als sie Harry nach einer halben Stunde immer noch nicht gefunden hatten, war Auguste verzweifelt. Was sollten sie denn jetzt machen? Opa nahm das ganz viel gelassener und schlug vor, im nächsten Kaffe ein wenig die Sonne zu geniessen und einen Snack einzunehmen. Was er wusste, Auguste aber nicht, war, dass Harry eine Art Sensor an Augustes Schuhen befestigt hatte. Dieser Sensor ermöglichte es ihm, Auguste immer und überall wiederzufinden. Opa wusste davon, da er sich mit Harry darüber unterhalten hatte. Auguste hatte den Sensor noch nicht bemerkt. Das wusste allerdings Opa nicht, weshalb er ihn nicht erwähnte, da er annahm, dass Auguste davon wusste. Eine vertrackste Angelegenheit. Doch zumindest schmeckten die heisse Schokolade und der Pfannkuchen mit Marmelade vorzüglich, welchen sie im Kaffe am Ring bestellten. Auguste beruhigte sich langsam und es gelang ihr entspannt in der Sonne zu sitzen und über den Vorplatz zu schauen. Es kam ihr vor, als wäre vor ihrer Nase ein Theater inszeniert worden. Marktfrauen eilten mit gefüllten Körben vorbei. Kutschen mit ungeduldigen Kutschern und bockigen Pferden rollten vorüber. Kinder spielten mit einem Ball. Unter einem Baum sass ein älterer Mann mit seinem Enkelkind und über ihm zwitscherten die Vögel. Das ganze gab ein friedliches, ja fast romantisches Schauspiel ab. Doch irgendwie fehlte ein wenig Abwechslung darin. Die ganze Szenerie schien auf ein Ereigniss vorbereitet zu sein, welches aber auf sich warten liess. Für den Zuschauer stieg die Spannung, da er nicht wusste, was geschehen würde, während die Beteiligten ohne nachzudenken ihren täglichen Routinen nachkamen.
So hatte Auguste noch nie einen belebten Platz beobachtet. Sie teilte Opa ihre Gedanken mit. Zu ihrer Überraschung war er gar nicht erstaunt. Er fügte nur an: "Ja ja Augustchen, da hast du wieder einmal etwas gelernt. Die Welt ist eine riesige Bühne und wir sind Schauspieler darauf." Augustchen konnte den Sinn dieser Aussage nicht ganz verstehen, aber es war ihr auch egal. Denn plötzlich änderte sich etwas in den sich immer wiederholenden Bewegungen auf dem Platz. Die Kinder schrien, die Marktfrauen stoben auseinander und die Pferde flohen mit einem Angstverzerrten Wiehern. Gebannt schauten Opa und Auguste auf die Strassenecke, auf die auch alle andern starrten. Die Spannung in der Luft war förmlich spürbar. Es würde nicht mehr viel benötigen und es gäbe eine riesige Explosion. So geladen war die Luft. Auguste hielt den Atem an. Sie zählte leise vor sich hin. Eins, zwei, drei, vier, fünf.... und da, plötzlich, lugte ein kleines graues etwas um die Ecke, dass von Sekunde zu Sekunde grösser wurde. Gemächlich und Majestätisch schritt ein Elefantenweibchen auf den Platz. Auguste klappte die Kinnlade herunter. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht mit einem Elefanten. Der war wohl aus dem Zirkus ausgebrochen, welcher zurzeit gerade in der Stadt weilte. Sie wollte schon ängstlich zurückweichen, da man ja nie wusste, zu was solch riesige Tiere fähig waren, als sie auf dem Hals des Elefanten etwas gewahrte. War das nicht? Ja genau, da oben sass Harry und plauderte gemütlich mit dem Elefanten. Der Elefant steurte genau auf das Kaffe zu. Der Elefant kam sie abholen!!! Auguste freute sich. Sie hatte schon immer mal auf einem Elefanten reiten wollen. Sie hatte in der Schule gelernt, dass in Indien die Menschen auf den Elefanten reiten würden. Indien war weit weg und daher hatte sie nicht gedacht, dass sie je die Möglichkeit dazu haben würde. Aber Harry sei Dank, bekam sie nun diese Chance.
Als der Elefant beim Kaffe anhielt, lugten von überall Augen um Häuserecken und unter Tischen hervor. Ausser Auguste und Opa waren alle geflohen. Nun beobachten die Menschen gespannte, was der Elefant vorhatte. Auguste trat auf ihn zu. Und jetzt? Wie sollte sie denn aufsteigen? Und wie sollte Opa erst auf so einen hohen Elefant kommen? Um die Zeit zu überbrücken tätschelte sie den Elefanten am Rüssel. Doch Harry bemerkte das Problem und steuerte den Elefanten quer zu einem Tisch. So konnten Opa und Auguste bequem vom Tisch aus hinaufklettern. Opa hatte etwas Schwierigkeiten, aber mit Harrys und Augustes Hilfe schaffte auch er es hinauf.
Auguste staunte Harry an. Sie hatte so viele Fragen und wusste gar nicht, welche sie zuerst stellen sollte. Harry erkannte, was ihr auf der Zunge lag und fasste alles kurz zusammen. Er hatte gedacht, dass sie wohl keinen grossen Erfolg hätten, wenn sie einfach beim Professor vorbeischauen würden. Wieso sollte e ihnen Zeit widmen? Sie seien niemand wichtiges. Und so ein wichtiger und vielbeschäftigter Mann könne sich doch nicht Zeit für jedes dahergelaufene Mädchen vom Land nehmen. Also musste man einen guten Auftritt inszenieren, um vom Professor als interessant eingestuft zu werden. Dafür war Harry weggelaufen. Er konnte mit Elefanten reden und das nütze er aus und überredete Tara, die Elefantin des Zirkusses, mit ihm mitzukommen.
Gesagt getan. Gefolgt von hunderten von Schaulustigen machten sie sich auf zur Universität. Der Zug wurde immer länger. Als sie bei der Universität ankamen hatten sie eine ganze Prozession hinter sich. Die Professoren und Studenten schauten zum Fenster heraus um herauszufinden, was da draussen vor sich ging. Sie staunten nicht schlecht, als sie die Menschenmassen und den grauen Elefanten sahen. Und auf dem Elefant sass ein kleines Mädchen und ein alter Mann. Was diese beiden wohl vorhatten? Sofort fragte man sie nach ihrem Ziel. Und als Auguste sagte, sie seien von weit her angereist, um mit Professor Schrader zu sprechen, so kam dieser sogleich herbeigeeilt. Er hatte weisse Haare und einen kurzen Bart. Seiner Gangart sah man sein Alter an. Er ging etwas gebückt. Aber das nahm nichts von der Würde, die er ausstrahlte. Er wirkte so weise, dass man ihm wohl alles geglaubt hätte.
Harry wartete draussen und kümmerte sich um Tara, während Opa und Auguste dem Herrn Professor ins Gebäude folgten. Harry hatte alle Hände voll zu tun, denn es drängten sich immer mehr Schaulustige um Tara. Doch da sie glaubten, Tara stehe alleine dort, hielten sie zum Glück genügend Sicherheitsabstand ein.
Sonntag, 28. September 2008
Kapitel 22: nette Reisebegleitung
Doch lange konnte Auguste nicht dösen. Denn wenige Augenblicke später räusperte sich jemand sehr stark. Zuerst wollte sie dem Räuspern keine Beachtung schenken, da sie dachte, dass es ihr Opa sei. Doch irgendetwas am Räuspern war seltsam. Vorsichtig öffnete sie die Augen und stiess beinahe einen Freudenschrei aus. Auf dem Sitz neben ihr sass Harry und lächelte sie verschmitzt an. "Na, damit hättest Du wohl nicht gerechnet, oder?" fragte er. Sie antwortete ehrlich und beichtete ihm, dass sie schon gedacht hatte, dass sie ihn wohl nie wieder sehen würde. Bei dem Trubel heute morgen, hatte sie einfach keine Zeit gefunden, nach ihm zu sehen. Harry hatte ihr längst verziehen. Er hatte sich in der Nacht überlegt, dass so eine Reise seinem Leben etwas Spannung verleihen könnte. Und wenn es ihm in Masuren nicht gefallen sollte, so konnte er einfach zurückreisen. Die meisten Menschen konnten ihn ja nicht sehen. Deshalb konnte er unbemerkt in jeden Zug hüpfen und mitfahren.
Durch die Unterhaltung der beiden war Opa aufmerksam geworden. Und oh Wunder, er konnte Harry auch sehen. Er war darüber sehr verwundert. Ein Weilchen beobachtete er die beiden still. Doch dann gewahrte er, dass sich auf dem Korridor der Kontrolleur näherte. Er machte Auguste und Harry darauf aufmerksam, dass es nicht so ratsam sei, den Zugschaffner auf ein unsichtbares Wesen aufmerksam zu machen. Beide verstummten sofort. Dann wendete sich Auguste Opa zu und fragte ihn erstaunt, ob er denn Harry sehen könnte. Opa nickte. Nun war auch Harry überrascht. Jahrelang hatte ihn niemand sehen können und jetzt sass er gleich mit zwei Menschen im Abteil, vor denen er sich nicht verstecken konnte.
Als der Kontrolleur weitergegangen war unterhielten sich die drei prächtig. Sie assen die Mitgebrachten Brote und Äpfel und genossen die Reise sichtlich. Die Zeit verging wie im Flug und bald kam der Zug in Breslau, ihrem vorläufigen Zwischenziel, an. Auch Breslau war eine riesige und wundervolle Stadt. Doch Auguste war mittlerweile von grossen Häusern nicht mehr so phasziniert, wie sie es noch am Anfang ihrer Reise in Olsztyn gewesen war. Sie dachte zurück. Es waren nur wenige Wochen vergangen, seit sie mit Opa von ihrem Dorf aufgebrochen waren. Doch Auguste kam es vor, als sei sie schon Jahre unterwegs. Sie fühlte sich auch um einiges erfahrener und klüger. Eine Grossstadt wie Breslau machte ihr keine Angst mehr. Als sie in Berlin angekommen waren, war sie froh gewesen, dass Opa alles organisierte. Nun war Opa noch nicht vollständig von seiner Augenoperation genesen. Deshalb übernahm sie die Führung. Und sie war richtig stolz auf sich, dass sie so rational vorgehen konnte. Sie schritt auf dem Vorplatz zur nächsten Kutsche und erklärte dem Kutscher, dass sie ein billiges Hotel in der Nähe der Universität suchten. Sie verhandelte mit ihm einen Fahrpreis, holte Opa, Harry und das Gepäck und los ging die Kutschenfahrt. Unterwegs sahen sie noch einige Sehenswürdigkeiten. Der Hauptbahnhof, an dem sie angekommen waren, lag etwas ausserhalb des Stadtzentrums. Breslau war mit seinen halben Million Einwohner für Auguste riesig. Und sie genoss es, dass der Kutscher noch ein wenig in der Stadt herumfuhr. So konnten sie die Domkirche, das alte Rathaus mit dem eindrücklichen Giebel und vieles mehr sehen. Auch and der Universität, die wie der Kutscher Auguste erzählte 1702 gegründet worden war. Es war ein herrlicher, riesiger Prachtsbau. Noch während alle dem Gebäude nachstaunten, hielt die Kutsche vor einem kleinen Hotel. Zufrieden stiegen aller herab und begaben sich an die Rezeption. Sie hatten Glück und es war gerade noch ein Zimmer frei.
Nachdem sie sich eingerichtet hatten, beschlossen sie, heute nicht mehr viel zu unternehmen, sondern einfach noch Abendbrot essen zu gehen. Morgen sei auch noch ein Tag und dann könne man den Professor suchen gehen. Es sei sowieso nicht sicher, dass er sie empfangen würde, hatte er doch nie auf das Telegram geantwortet.
Durch die Unterhaltung der beiden war Opa aufmerksam geworden. Und oh Wunder, er konnte Harry auch sehen. Er war darüber sehr verwundert. Ein Weilchen beobachtete er die beiden still. Doch dann gewahrte er, dass sich auf dem Korridor der Kontrolleur näherte. Er machte Auguste und Harry darauf aufmerksam, dass es nicht so ratsam sei, den Zugschaffner auf ein unsichtbares Wesen aufmerksam zu machen. Beide verstummten sofort. Dann wendete sich Auguste Opa zu und fragte ihn erstaunt, ob er denn Harry sehen könnte. Opa nickte. Nun war auch Harry überrascht. Jahrelang hatte ihn niemand sehen können und jetzt sass er gleich mit zwei Menschen im Abteil, vor denen er sich nicht verstecken konnte.
Als der Kontrolleur weitergegangen war unterhielten sich die drei prächtig. Sie assen die Mitgebrachten Brote und Äpfel und genossen die Reise sichtlich. Die Zeit verging wie im Flug und bald kam der Zug in Breslau, ihrem vorläufigen Zwischenziel, an. Auch Breslau war eine riesige und wundervolle Stadt. Doch Auguste war mittlerweile von grossen Häusern nicht mehr so phasziniert, wie sie es noch am Anfang ihrer Reise in Olsztyn gewesen war. Sie dachte zurück. Es waren nur wenige Wochen vergangen, seit sie mit Opa von ihrem Dorf aufgebrochen waren. Doch Auguste kam es vor, als sei sie schon Jahre unterwegs. Sie fühlte sich auch um einiges erfahrener und klüger. Eine Grossstadt wie Breslau machte ihr keine Angst mehr. Als sie in Berlin angekommen waren, war sie froh gewesen, dass Opa alles organisierte. Nun war Opa noch nicht vollständig von seiner Augenoperation genesen. Deshalb übernahm sie die Führung. Und sie war richtig stolz auf sich, dass sie so rational vorgehen konnte. Sie schritt auf dem Vorplatz zur nächsten Kutsche und erklärte dem Kutscher, dass sie ein billiges Hotel in der Nähe der Universität suchten. Sie verhandelte mit ihm einen Fahrpreis, holte Opa, Harry und das Gepäck und los ging die Kutschenfahrt. Unterwegs sahen sie noch einige Sehenswürdigkeiten. Der Hauptbahnhof, an dem sie angekommen waren, lag etwas ausserhalb des Stadtzentrums. Breslau war mit seinen halben Million Einwohner für Auguste riesig. Und sie genoss es, dass der Kutscher noch ein wenig in der Stadt herumfuhr. So konnten sie die Domkirche, das alte Rathaus mit dem eindrücklichen Giebel und vieles mehr sehen. Auch and der Universität, die wie der Kutscher Auguste erzählte 1702 gegründet worden war. Es war ein herrlicher, riesiger Prachtsbau. Noch während alle dem Gebäude nachstaunten, hielt die Kutsche vor einem kleinen Hotel. Zufrieden stiegen aller herab und begaben sich an die Rezeption. Sie hatten Glück und es war gerade noch ein Zimmer frei.
Nachdem sie sich eingerichtet hatten, beschlossen sie, heute nicht mehr viel zu unternehmen, sondern einfach noch Abendbrot essen zu gehen. Morgen sei auch noch ein Tag und dann könne man den Professor suchen gehen. Es sei sowieso nicht sicher, dass er sie empfangen würde, hatte er doch nie auf das Telegram geantwortet.
Sonntag, 21. September 2008
Kapitel 21: Die Truhe
Gespannt machten sich beide auf, um auf den Dachboden zu klettern. Wie sich herausstellte war schon seit Ewigkeiten niemand mehr dort oben gewesen. Die alte, morsche Holzleiter war schon ganz verstaubt. Als die beiden Frauen sie mühsam angeschleppt hatten und parat gestellt hatten, bemerkten sie schon das erste Problem. Da schon so lange niemand mehr auf dem Dachboden gewesen war, schienen die Scharniere eingerostet zu sein. Denn weder Auguste noch Maria konnten aus eigener Kraft die Lucke aufschieben. Zusammen konnten sie nicht drücken, denn jemand musste die Leiter halten. Da sah Auguste, dass Harry ihnen aus einer Ecke amüsiert zuschaute. Sie winkte ihm möglich unauffällig, so dass Maria es nicht merken sollte und sagte zu Maria, dass sie es noch einmal versuchen wollte. Und tatsächlich, mit Harrys Hilfe gelang es. Maria staunte nicht schlecht, dass dieses kleine Mädchen mehr Kraft besass, als sie selbst, begründete es dann aber mit der harten Landarbeit, die dieses Kind wohl zuhause verrichten musste. Etwas zögerlich folgte sie Auguste und Harry, von dem sie allerdings nicht wusste, dass er auch dort oben war.
Oben angekommen suchte Maria alles gründlich durch. Aber in dem dämmrigen Licht und unter all den Staubschichten und Spinnennetzen war beim besten Willen nichts zu erkennen. Und Maria hatte auch gar keine Lust, den Dingen zu Nahe zukommen. Wer weiss, vielleicht versteckte sich unter irgedeiner Kiste noch eine Maus oder gar eine Ratte. Und überall waren Spinnen. Diese mochte sie auch nicht. Auguste machte das ganze nichts aus. Für sie war es ein Abenteuer. Sie liebte es fremde Dachböden zu durchstöbern, da sich dort oft unverhofte Schätze finden liessen. Sie packte daher viel beherzter als Maria zu und räumte Kiste um Kiste weg, schob Möbel herum und hob Leintücher, welche Dinge verhängten. Doch auch ihr gelang es nicht, die Truhe von Marias Oma ausfindig zu machen. Nachdem die drei etwa 2 Stunden gesucht hatten, beschlossen sie erschöpft, die Suche abzubrechen. Auguste musste noch für die morgige Reise packen und alle würden früh aufstehen müssen, weshalb es gut wäre, nicht allzu spät ins Bett zu kommen. Also verliessen sie den Dachboden, verschlossen ihn wieder sorgfälltig und machten sich parat für's Bett. Maria war ein wenig traurig. Gerne hätte sie ihrer neu gewonnnen Freundin zum Abschied noch eine Freude bereitet. Aber anscheinend war die Truhe nicht mehr auf dem Dachboden. Wo sie wohl sein mochte?
Auguste ging in ihr Zimmer, packte und legte sich ins Bett. Maria schaute noch einmal herein, ob alles in Ordnung sei. Als sie gegangen war, rief Auguste nach Harry. "Harry, weisst Du, morgen werde ich abreisen. Möchtest Du mit mir kommen?" Harry lugte zweifelnd unter dem Bett hervor. "Was soll ich denn mit Dir mitkommen? Gibt es bei euch auch Meinesgleichen? Oder soll ich dann ganz alleine hausen? Jetzt wohne ich zwar auch alleine, aber ab und zu treffe ich Freunde auf einen Drink in einer Kneipe. Das kann ich bei euch ja wohl kaum." Auguste gestand ihm, dass sie gar nicht wusste, ob es nicht vielleicht noch andere Wichtel in ihrem Dorf gäbe. Aber falls nicht, so würde sie sich bestimmt um ihn kümmern und Olaf sei ja auch noch da. "Ja, aber mit Olaf kann ich mich ja nicht verständigen. Der spricht ja eine andere Sprache!" Darauf meinte Auguste, dass das schon irgendwie gehen würde. Und Harry meinte, dass er sich das ganze bis morgen früh nocheinmal durch den Kopf gehen lassen müsste.
Schon wollte er Auguste gute Nacht wünschen, als ihm nocheinmal einfiel, dass er eigentlich hatte fragen wollen, nach was die beiden vorher auf dem Dachboden gesucht hatten. Auguste erzählte ihm von der Truhe. Harry staunte sie an, tauchte unters Bett und stand eine Minute später mit einer kleinen silbernen Truhe wieder vor Auguste. "Meinst du diese?" Auguste wusste nicht, ob es die gesuchte Truhe war, denn Maria hatte nicht erzählt, wie sie ausgesehen hatte. Harry überlegte kurz und meinte dann, dass er Auguste den Inhalt jetzt nicht zeigen wolle. Aber falls er morgen mitreisen würde, so nähme er die Truhe auf jeden Fall mit, denn die Oma hätte sie nicht Maria sondern ihm vermacht.
Vor lauter Neugierde konnte Auguste fast nicht einschlafen. Doch irgendwann war sie wohl doch eingedämmert, denn plötzlich war es Morgen und eine grosse Eile war angesagt. Maria kam herein, half Auguste sich fertig zu machen, schnappte den Koffer und los ging es. Auguste hatte gar keine Zeit mehr, Harry zu fragen, ob er jetzt mit komme. Und es blieb auch keine Zeit, sich von ihm zu verabschieden. Eigentlich wollte sie so das Haus nicht verlassen, aber sie hatte gar keine andere Wahl.
Zusammen mit Maria holten sie Opa ab und fuhren zum Bahnhof. Dort angekommen, fuhr schon der Zug nach Breslau ein. Mit Tränen verabschiedeten sich alle und los ging die Reise. Als der Zug den Bahnhof verliess winkte Auguste noch lange aus dem Fenster. Und auch Maria stand mit erhobenem Arm auf dem Peron und schaute dem Zug sehnsüchtig nach. Würden sie sich wohl je wieder sehen? Und wenn, wie würde das werden? Auguste heulte wie ein Schlosshund. Es war so eine schöne Zeit gewesen. Wahrscheinlich würde sie Maria nie mehr sehen! Und sicher würde sie nie mehr bei Maria wohnen können. Und Harry, ja den würde sie wohl auch nie mehr zu Gesicht bekommen. Denn er war bestimmt sauer, dass sie sich gar nicht von ihm verabschiedet hatte.
Opa versuchte Augustchen so gut es ging zu trösten. Der Zug war nicht sehr voll und die beiden hatten zum Glück ein eigenes Abteil ergattern können. Deshalb getraute sich Augstea auch, Opa von Harry zu erzählen. Opa hörte ihr mit grossen Augen zu und fragte Auguste dann, ob sie denke, dass er Harry sehen könne. Auguste wusste es nicht. Aber es tat ihr gut, dass Opa ihr glaubte und sie nicht für verrückt erklärte. Darum hatte sie es ihm auch erzählt, denn er hatte ihr schon einmal geglaubt, als sie von Olaf erzählt hatte. Als sie sich etwas beruhigt hatte, fragte sie Opa, warum er eigentlich an all diese seltsamen Geschöpfe glaubte, die sie immer wieder antraf. Und da fing Opa an zu erzählen.
"Weisst Du Augustchen, als ich noch ein kleiner Junge war, da erzählte mir meine Uroma, dass als ihre Oma noch gelebt hatte, die Welt nicht nur von Menschen, Tieren und Pflanzen bewohnt gewesen war, sondern noch von allerlei anderen Gestalten. Es gab Geschöpfe mit magischen Fähigkeiten, Geschöpfe die unsichtbar waren, Geschöpfe die riesig oder unglaublich kleinwaren und vieles mehr. Sie erzählte so lebhaft von einer wunderbaren Welt, die die Menschen heute nicht mehr wahrnehmen können, dass ich das ganze vor mir sah. Ich hatte Bilder von Elfen, Trollen und Wichteln aber auch von bösen Zauberern und Drachen vor meinen Augen. Meine Uroma meinte, dass sie selbst nur ein einziges Mal einem Wichtel begegnet sei, aber sie hätte nicht die Chance gehabt mit ihm zu reden. Doch sie beschrieb ihn so genau, dass ich genau wusste, wie er ausgesehen haben musste. Und dann begann ich an diese Welt zu glauben, konnte sie aber nie selbst erleben oder spüren. Daher finde ich es so wundervoll, dass ich durch Deine Augen wieder in diese Welt meiner Kindheitsträume eintauchen kann. Ach wie hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichten meiner Uroma wahr waren, aber alle anderen Erwachsenen redeten mir ein, dass ich Uroma nicht glauben sollte, denn sie sei schon etwas alt und nicht mehr so ganz bei Sinnen. Ich konnte also niemanden mehr von dieser Welt erzählen, ohne Gefahr zu laufen, dass sie mich für Verrückt hieltn. Und nun hast Du meine kleine Auguste Uromas Fähigkeiten geerbt und kannst auch in diese Welt eintauchen. So beweisst Du mir auch gleichzeitig, dass Uroma nicht geistig umnachtet war, wie alle meinten, sondern noch ganz klar bei Verstand. Nur hatte sie eine Begabung, die niemand der anderen Nachfühlen konnte."
Aufmerksam hatte Auguste zugehört. Hatte sie wirklich eine spezielle Begabung? Sie hatte sich eigentlich noch nie überlegt, von wem sie Abstammte und was ihre Ahnen wohl alles gekonnt hatten. Aber nun plötzlich fand sie es extrem spannend und hätte gerne mehr über ihre Vorfahren erfahren. Nicht nur über die Uroma, sondern über alle einzelnen. Was hatten die wohl alle für Fähigkeiten und Begabungen gehabt? Was hatte sie davon wohl alles geerbt oder nicht geerbt? Mit einem Schlag wurde ihr bewusst, wie wichtig es eigentlich war zu wissen, von wem man abstammte. Klar, die Herkunft gab keine Auskunft über die eigene Persönlichkeit. Denn offensichtlich besassen ihre Schwestern nicht die Begabung in eine andere Welt eintauchen zu können. Aber die Herkunft liess einen wenigstens erahnen, nach was für einer Art Talente man Aussichthalten sollte.
Das gleichmässig Rattern des Zuges liess sie müde werden. An Opa gelehnt fühlte sie sich sicher und geborgen und dachte über ihre Vergangenheit und das Leben und die Welt nach. Und gab es wohl wirklich eine Welt, die nicht alle wahrnehmen konnten?
Oben angekommen suchte Maria alles gründlich durch. Aber in dem dämmrigen Licht und unter all den Staubschichten und Spinnennetzen war beim besten Willen nichts zu erkennen. Und Maria hatte auch gar keine Lust, den Dingen zu Nahe zukommen. Wer weiss, vielleicht versteckte sich unter irgedeiner Kiste noch eine Maus oder gar eine Ratte. Und überall waren Spinnen. Diese mochte sie auch nicht. Auguste machte das ganze nichts aus. Für sie war es ein Abenteuer. Sie liebte es fremde Dachböden zu durchstöbern, da sich dort oft unverhofte Schätze finden liessen. Sie packte daher viel beherzter als Maria zu und räumte Kiste um Kiste weg, schob Möbel herum und hob Leintücher, welche Dinge verhängten. Doch auch ihr gelang es nicht, die Truhe von Marias Oma ausfindig zu machen. Nachdem die drei etwa 2 Stunden gesucht hatten, beschlossen sie erschöpft, die Suche abzubrechen. Auguste musste noch für die morgige Reise packen und alle würden früh aufstehen müssen, weshalb es gut wäre, nicht allzu spät ins Bett zu kommen. Also verliessen sie den Dachboden, verschlossen ihn wieder sorgfälltig und machten sich parat für's Bett. Maria war ein wenig traurig. Gerne hätte sie ihrer neu gewonnnen Freundin zum Abschied noch eine Freude bereitet. Aber anscheinend war die Truhe nicht mehr auf dem Dachboden. Wo sie wohl sein mochte?
Auguste ging in ihr Zimmer, packte und legte sich ins Bett. Maria schaute noch einmal herein, ob alles in Ordnung sei. Als sie gegangen war, rief Auguste nach Harry. "Harry, weisst Du, morgen werde ich abreisen. Möchtest Du mit mir kommen?" Harry lugte zweifelnd unter dem Bett hervor. "Was soll ich denn mit Dir mitkommen? Gibt es bei euch auch Meinesgleichen? Oder soll ich dann ganz alleine hausen? Jetzt wohne ich zwar auch alleine, aber ab und zu treffe ich Freunde auf einen Drink in einer Kneipe. Das kann ich bei euch ja wohl kaum." Auguste gestand ihm, dass sie gar nicht wusste, ob es nicht vielleicht noch andere Wichtel in ihrem Dorf gäbe. Aber falls nicht, so würde sie sich bestimmt um ihn kümmern und Olaf sei ja auch noch da. "Ja, aber mit Olaf kann ich mich ja nicht verständigen. Der spricht ja eine andere Sprache!" Darauf meinte Auguste, dass das schon irgendwie gehen würde. Und Harry meinte, dass er sich das ganze bis morgen früh nocheinmal durch den Kopf gehen lassen müsste.
Schon wollte er Auguste gute Nacht wünschen, als ihm nocheinmal einfiel, dass er eigentlich hatte fragen wollen, nach was die beiden vorher auf dem Dachboden gesucht hatten. Auguste erzählte ihm von der Truhe. Harry staunte sie an, tauchte unters Bett und stand eine Minute später mit einer kleinen silbernen Truhe wieder vor Auguste. "Meinst du diese?" Auguste wusste nicht, ob es die gesuchte Truhe war, denn Maria hatte nicht erzählt, wie sie ausgesehen hatte. Harry überlegte kurz und meinte dann, dass er Auguste den Inhalt jetzt nicht zeigen wolle. Aber falls er morgen mitreisen würde, so nähme er die Truhe auf jeden Fall mit, denn die Oma hätte sie nicht Maria sondern ihm vermacht.
Vor lauter Neugierde konnte Auguste fast nicht einschlafen. Doch irgendwann war sie wohl doch eingedämmert, denn plötzlich war es Morgen und eine grosse Eile war angesagt. Maria kam herein, half Auguste sich fertig zu machen, schnappte den Koffer und los ging es. Auguste hatte gar keine Zeit mehr, Harry zu fragen, ob er jetzt mit komme. Und es blieb auch keine Zeit, sich von ihm zu verabschieden. Eigentlich wollte sie so das Haus nicht verlassen, aber sie hatte gar keine andere Wahl.
Zusammen mit Maria holten sie Opa ab und fuhren zum Bahnhof. Dort angekommen, fuhr schon der Zug nach Breslau ein. Mit Tränen verabschiedeten sich alle und los ging die Reise. Als der Zug den Bahnhof verliess winkte Auguste noch lange aus dem Fenster. Und auch Maria stand mit erhobenem Arm auf dem Peron und schaute dem Zug sehnsüchtig nach. Würden sie sich wohl je wieder sehen? Und wenn, wie würde das werden? Auguste heulte wie ein Schlosshund. Es war so eine schöne Zeit gewesen. Wahrscheinlich würde sie Maria nie mehr sehen! Und sicher würde sie nie mehr bei Maria wohnen können. Und Harry, ja den würde sie wohl auch nie mehr zu Gesicht bekommen. Denn er war bestimmt sauer, dass sie sich gar nicht von ihm verabschiedet hatte.
Opa versuchte Augustchen so gut es ging zu trösten. Der Zug war nicht sehr voll und die beiden hatten zum Glück ein eigenes Abteil ergattern können. Deshalb getraute sich Augstea auch, Opa von Harry zu erzählen. Opa hörte ihr mit grossen Augen zu und fragte Auguste dann, ob sie denke, dass er Harry sehen könne. Auguste wusste es nicht. Aber es tat ihr gut, dass Opa ihr glaubte und sie nicht für verrückt erklärte. Darum hatte sie es ihm auch erzählt, denn er hatte ihr schon einmal geglaubt, als sie von Olaf erzählt hatte. Als sie sich etwas beruhigt hatte, fragte sie Opa, warum er eigentlich an all diese seltsamen Geschöpfe glaubte, die sie immer wieder antraf. Und da fing Opa an zu erzählen.
"Weisst Du Augustchen, als ich noch ein kleiner Junge war, da erzählte mir meine Uroma, dass als ihre Oma noch gelebt hatte, die Welt nicht nur von Menschen, Tieren und Pflanzen bewohnt gewesen war, sondern noch von allerlei anderen Gestalten. Es gab Geschöpfe mit magischen Fähigkeiten, Geschöpfe die unsichtbar waren, Geschöpfe die riesig oder unglaublich kleinwaren und vieles mehr. Sie erzählte so lebhaft von einer wunderbaren Welt, die die Menschen heute nicht mehr wahrnehmen können, dass ich das ganze vor mir sah. Ich hatte Bilder von Elfen, Trollen und Wichteln aber auch von bösen Zauberern und Drachen vor meinen Augen. Meine Uroma meinte, dass sie selbst nur ein einziges Mal einem Wichtel begegnet sei, aber sie hätte nicht die Chance gehabt mit ihm zu reden. Doch sie beschrieb ihn so genau, dass ich genau wusste, wie er ausgesehen haben musste. Und dann begann ich an diese Welt zu glauben, konnte sie aber nie selbst erleben oder spüren. Daher finde ich es so wundervoll, dass ich durch Deine Augen wieder in diese Welt meiner Kindheitsträume eintauchen kann. Ach wie hätte ich mir gewünscht, dass die Geschichten meiner Uroma wahr waren, aber alle anderen Erwachsenen redeten mir ein, dass ich Uroma nicht glauben sollte, denn sie sei schon etwas alt und nicht mehr so ganz bei Sinnen. Ich konnte also niemanden mehr von dieser Welt erzählen, ohne Gefahr zu laufen, dass sie mich für Verrückt hieltn. Und nun hast Du meine kleine Auguste Uromas Fähigkeiten geerbt und kannst auch in diese Welt eintauchen. So beweisst Du mir auch gleichzeitig, dass Uroma nicht geistig umnachtet war, wie alle meinten, sondern noch ganz klar bei Verstand. Nur hatte sie eine Begabung, die niemand der anderen Nachfühlen konnte."
Aufmerksam hatte Auguste zugehört. Hatte sie wirklich eine spezielle Begabung? Sie hatte sich eigentlich noch nie überlegt, von wem sie Abstammte und was ihre Ahnen wohl alles gekonnt hatten. Aber nun plötzlich fand sie es extrem spannend und hätte gerne mehr über ihre Vorfahren erfahren. Nicht nur über die Uroma, sondern über alle einzelnen. Was hatten die wohl alle für Fähigkeiten und Begabungen gehabt? Was hatte sie davon wohl alles geerbt oder nicht geerbt? Mit einem Schlag wurde ihr bewusst, wie wichtig es eigentlich war zu wissen, von wem man abstammte. Klar, die Herkunft gab keine Auskunft über die eigene Persönlichkeit. Denn offensichtlich besassen ihre Schwestern nicht die Begabung in eine andere Welt eintauchen zu können. Aber die Herkunft liess einen wenigstens erahnen, nach was für einer Art Talente man Aussichthalten sollte.
Das gleichmässig Rattern des Zuges liess sie müde werden. An Opa gelehnt fühlte sie sich sicher und geborgen und dachte über ihre Vergangenheit und das Leben und die Welt nach. Und gab es wohl wirklich eine Welt, die nicht alle wahrnehmen konnten?
Sonntag, 14. September 2008
Kapitel 20: Opa ist wieder gesund
Am nächsten Morgen wurde Auguste durch ein Klopfen an ihrer Tür geweckt. Gereade überlegte sie noch, wer das wohl sei, als auch schon Maria den Kopf zur Tür herein steckte und ihr freudestrahlend mitteilte, dass sie heute morgen Nachricht vom Krankenhaus bekommen hätte. Opa würde am nächsten Tag entlassen werden. Auguste konnte es kaum glauben. Sie hatte Opa in dem ganzen Trubel fast schon ein wenig vergessen. Nun hatte sie ein schlechtes Gewissen. Um dies wieder gut zu machen, beeilte sie sich freudig aus dem Bett zu springen und meinte dass sie sofort mit den Reisevorbereitungen anfangen müssten. Denn wenn Opa aus dem Krankenhaus komt, ist wohl das Geld, was er angespart hat bald aufgebraucht.
Beim Frühstück begannen die beiden Frauen gemeinsam zu planen. Von Breslau war noch keine Antwort gekommen. D.h. auf der Rückreise wollte Auguste sicher einige Tage in Breslau verbringen. Vielleicht würde der Professor sie ja empfangen. Maria meinte, dass sie wohl am besten nach dem Frühstück gleich zum Bahnhof gingen und zwei Fahrkarten von Berlin nach Breslau und dann für drei Tage später zwei Karten von Breslau zurück nach Elk (Lyck) kaufen sollten. Auguste war damit einverstanden. Gemacht getan. Nach erledigter Arbeit besuchten sie Opa im Krankenhaus und erzählten ihm von den Reisevorbereitungen. Opa rechnete sein Geld zusammen und meinte, dass der Rest gerade noch für drei Übernachtungen in Breslau und eine Kutsche von Elk zurück in ihr Dorf reichen müsste. Sie müssten sich unterwegs einfach billig ernähren.
Nach dem alles geklärt war, verabschiedeten sich Auguste und Maria von Opa und versprachen am nächsten Morgen um punkt 9 Uhr beim Krankenhaus zu sein. Der Zug würde um kurz vor 11 abfahren. Dann bliebe noch genügend Zeit, um Opa beim Packen zu helfen und alle zusammen zum Bahnhof zu fahren. Maria schlug vor, dass sie nach Hause fahren sollten. Es regnete schon den ganzen Vormittag und das Wetter schien sich nicht in absehbarer Zeit zu bessern. Die beiden Frauen hatten noch den ganzen Nachmittag Zeit. Da es Augustes letzter Nachmittag in Berlin war, wollte Maria ihr noch etwas mitgeben, dass sie später immer wieder an Berlin erinnern würde. Zuerst wusste Maria nicht so recht was, aber nach einer Weile beschloss sie, Auguste zu zeigen, wie man eine Marzipantorte machte. Denn Königsberg war nicht weit von Masuren entfernt und so würde Auguste sicher irgendwie an Marzipan kommen können. Auguste war sofort begeistert. So ein feines Gebäck hatte sie noch nie gegessen. Sie hatte schon ein paar Mal an speziellen Anlässen solche Torten gesehen, aber da hatte es immer geheissen, das sei nichts für Kinder. Nun würde sie das erste Mal selbst so eine Köstlichkeit herstellen lernen. Und dann würde sie sicher auch etwas davon essen dürfen. Wie herrlich! Schon auf dem Heimweg vom Krankenhaus konnte Auguste vor Vorfreude kaum stillsitzen. Als sie dann in dem grossen Lebensmittel Geschäft standen, das so gross war, wie Auguste es noch nie in ihrem Leben gesehen hatte, da hüpfte ihr Herz wie ein Pingpongball und sie hätte schreien und tanzen können. Doch sie nahm sich zusammen und genoss es, die herrlichen und kostbaren Auslagen in dem Geschäft zu betrachten. Es gab neben Mehl und Zucker und Brot und allerlei Gemüsen und Früchten und sonstigem alltäglichen auch eine Ecke mit Kolonialwaren. Die war für Auguste besonders spannend. Denn bis nach Masuren kamen selten exotische Früchte und Waren. Höchstens einmal an Weihnachten gab es eine Orange oder eine Tafel Schokolade. Hier im Geschäft war alles gleich Kiloweise aufgetürmt. Die Verlockung ein kleines Stückchen mitgehen zu lassen war gross. Denn es würde ja sowieso niemand merken, dachte Auguste. Doch sie tat es nicht. Denn sie hätte sich gegenüber Maria sehr geschämt, falls es doch jemand bemerkt hätte.
Noch bevor Auguste richtig aus dem Staunen herausgekommen war, hatte Maria ihre Einkäufe schon erledigt und eilte schon in Richtung Ausgang. Erst draussen merkte Maria, dass Auguste wohl noch im Laden sein musst, drehte sich nocheinmal um und rief ungeduldig nach ihr. Wenn sie nach dem Tortebacken auch noch etwas Zeit zum Spielen und Erzählen haben wollten, dann mussten sie sich beeilen.
Das Backen der Torte nahm wirklich fast den ganzen Nachmittag in Anspruch. Denn Auguste wollte alles möglichst genau sehen, damit sie es zuhause nachahmen könnte. Sie schrieb sich jeden Fertigungsschritt schön säuberlich auf und malte auch noch Skizzen dazu, damit sie sich auf jeden Fall wieder erinnern könnte. Doch die beiden schafften es trotzdem rechtzeitig zur Kafffetrinkzeit eine Torte dahergezaubert zu haben. Genüsslich tranken sie dann Kaffe und assen Torte. Auguste schlug mächtig zu und verdrückte 3 Stück. Soviel hatte sie noch nie in ihrem Leben gegessen, aber es schmeckte einfach zu lecker.
Während sie so assen, begann Maria von ihrer Oma zu erzählen. Sie holte auch alte Fotos, welche Auguste bestaunte. Und je mehr sie im Gespräch vertieft waren, desto mehr erfuhr Auguste über diese Oma. Plötzlich kam Maria auf die Idee, dass ihre Oma ihr ja eine Geheimtruhe vermacht hatte. In dieser Truhe befand sich allerlei kleinkram aber auch einige Dinge, aus denen Maria nie ganz schlau geworden war. Auguste wollte diese Truhe unbedingt sehen und so begaben sich Maria und Auguste auf den Dachboden, um nach dieser Truhe zu suchen.
Beim Frühstück begannen die beiden Frauen gemeinsam zu planen. Von Breslau war noch keine Antwort gekommen. D.h. auf der Rückreise wollte Auguste sicher einige Tage in Breslau verbringen. Vielleicht würde der Professor sie ja empfangen. Maria meinte, dass sie wohl am besten nach dem Frühstück gleich zum Bahnhof gingen und zwei Fahrkarten von Berlin nach Breslau und dann für drei Tage später zwei Karten von Breslau zurück nach Elk (Lyck) kaufen sollten. Auguste war damit einverstanden. Gemacht getan. Nach erledigter Arbeit besuchten sie Opa im Krankenhaus und erzählten ihm von den Reisevorbereitungen. Opa rechnete sein Geld zusammen und meinte, dass der Rest gerade noch für drei Übernachtungen in Breslau und eine Kutsche von Elk zurück in ihr Dorf reichen müsste. Sie müssten sich unterwegs einfach billig ernähren.
Nach dem alles geklärt war, verabschiedeten sich Auguste und Maria von Opa und versprachen am nächsten Morgen um punkt 9 Uhr beim Krankenhaus zu sein. Der Zug würde um kurz vor 11 abfahren. Dann bliebe noch genügend Zeit, um Opa beim Packen zu helfen und alle zusammen zum Bahnhof zu fahren. Maria schlug vor, dass sie nach Hause fahren sollten. Es regnete schon den ganzen Vormittag und das Wetter schien sich nicht in absehbarer Zeit zu bessern. Die beiden Frauen hatten noch den ganzen Nachmittag Zeit. Da es Augustes letzter Nachmittag in Berlin war, wollte Maria ihr noch etwas mitgeben, dass sie später immer wieder an Berlin erinnern würde. Zuerst wusste Maria nicht so recht was, aber nach einer Weile beschloss sie, Auguste zu zeigen, wie man eine Marzipantorte machte. Denn Königsberg war nicht weit von Masuren entfernt und so würde Auguste sicher irgendwie an Marzipan kommen können. Auguste war sofort begeistert. So ein feines Gebäck hatte sie noch nie gegessen. Sie hatte schon ein paar Mal an speziellen Anlässen solche Torten gesehen, aber da hatte es immer geheissen, das sei nichts für Kinder. Nun würde sie das erste Mal selbst so eine Köstlichkeit herstellen lernen. Und dann würde sie sicher auch etwas davon essen dürfen. Wie herrlich! Schon auf dem Heimweg vom Krankenhaus konnte Auguste vor Vorfreude kaum stillsitzen. Als sie dann in dem grossen Lebensmittel Geschäft standen, das so gross war, wie Auguste es noch nie in ihrem Leben gesehen hatte, da hüpfte ihr Herz wie ein Pingpongball und sie hätte schreien und tanzen können. Doch sie nahm sich zusammen und genoss es, die herrlichen und kostbaren Auslagen in dem Geschäft zu betrachten. Es gab neben Mehl und Zucker und Brot und allerlei Gemüsen und Früchten und sonstigem alltäglichen auch eine Ecke mit Kolonialwaren. Die war für Auguste besonders spannend. Denn bis nach Masuren kamen selten exotische Früchte und Waren. Höchstens einmal an Weihnachten gab es eine Orange oder eine Tafel Schokolade. Hier im Geschäft war alles gleich Kiloweise aufgetürmt. Die Verlockung ein kleines Stückchen mitgehen zu lassen war gross. Denn es würde ja sowieso niemand merken, dachte Auguste. Doch sie tat es nicht. Denn sie hätte sich gegenüber Maria sehr geschämt, falls es doch jemand bemerkt hätte.
Noch bevor Auguste richtig aus dem Staunen herausgekommen war, hatte Maria ihre Einkäufe schon erledigt und eilte schon in Richtung Ausgang. Erst draussen merkte Maria, dass Auguste wohl noch im Laden sein musst, drehte sich nocheinmal um und rief ungeduldig nach ihr. Wenn sie nach dem Tortebacken auch noch etwas Zeit zum Spielen und Erzählen haben wollten, dann mussten sie sich beeilen.
Das Backen der Torte nahm wirklich fast den ganzen Nachmittag in Anspruch. Denn Auguste wollte alles möglichst genau sehen, damit sie es zuhause nachahmen könnte. Sie schrieb sich jeden Fertigungsschritt schön säuberlich auf und malte auch noch Skizzen dazu, damit sie sich auf jeden Fall wieder erinnern könnte. Doch die beiden schafften es trotzdem rechtzeitig zur Kafffetrinkzeit eine Torte dahergezaubert zu haben. Genüsslich tranken sie dann Kaffe und assen Torte. Auguste schlug mächtig zu und verdrückte 3 Stück. Soviel hatte sie noch nie in ihrem Leben gegessen, aber es schmeckte einfach zu lecker.
Während sie so assen, begann Maria von ihrer Oma zu erzählen. Sie holte auch alte Fotos, welche Auguste bestaunte. Und je mehr sie im Gespräch vertieft waren, desto mehr erfuhr Auguste über diese Oma. Plötzlich kam Maria auf die Idee, dass ihre Oma ihr ja eine Geheimtruhe vermacht hatte. In dieser Truhe befand sich allerlei kleinkram aber auch einige Dinge, aus denen Maria nie ganz schlau geworden war. Auguste wollte diese Truhe unbedingt sehen und so begaben sich Maria und Auguste auf den Dachboden, um nach dieser Truhe zu suchen.
Dienstag, 26. August 2008
Kapitel 19: Harry
Auguste konnte es kaum erwarten. Kaum hatte sie fertig gegessen verabschiedete sie sich von Maria und wünschte gute Nacht. Maria war sichtlich enttäuscht, hatte sie doch gehofft, einen vergnüglichen Abend mit dem Mädchen aus Masuren zu verbringen. Denn diese Mädchen konnte so wunderbar von ihrer Heimat erzählen und Maria konnte so, ohne einen Zug zu nehmen in dieses ferne Masuren reisen. Zusammen mit Auguste wanderte sie durch Dörfer und Wälder, über Wiesen, Felder und Kuhweiden. Und ganz besonders liebte sie den knutschblauen Himmel und die wunderschönen weissen Schäfchenwolken. Sogar das Geräusch, wenn der Wind durch die Roggenfelder strich konnte sie sich schon lebhaft vorstellen, obwohl sie selbst noch nie auf dem Land gewesen war. Sie war in der Stadt mit den Vorgärten und Parks und mit vielen Büchern aufgewachsen. Doch die wilde Natur, wie Auguste sie beschreiben konnte, die kannte sie nicht. Und seit dieses Mädchen ihr so lebhaft von der Heimat erzählt hatte, packte Maria die Sehnsucht und sie konnte sich kaum satt hören an den Erzählungen und kaum satt träumen an den wunderschönen Bildern, die durch ihren Kopf zogen. Am liebsten würde sie auf dem Rücken eines Trakhener Hengstes zusammen mit Auguste im wilden Galop durch die tiefen, dunkel grünen Wälder reiten, in den vielen kleinen Seen baden und auch einmal einen Sumpf besuchen, von denen es in Masuren noch einige zu geben schien. Doch daraus wurde anscheinend nichts. Augustchen schien müde zu sein. Und nach all den vielen Eindrücken und Erlebnissen des heutigen Tages konnte Maria es ihr kaum verdenken. Also verbarg sie ihre Enttäuschung so gut es ging und wünschte Auguste eine gute Nacht, welche überraschend flink die Treppe hoch wieselte.
Auguste hatte die Enttäuschung Marias wohl bemerkt. Doch momentan war ihr das ganz egal. Sie wollte nur eines und zwar sich mit Harry unterhalten. Zurück in ihrem Zimmer vergewisserte sie sich, dass niemand ihr gefolgt war. Sie liess die Tür hinter sich ins Schloss fallen und flüsterte in das Zimmer hinein: "Harry, wo bist Du? Ich muss dringend mit Dir reden!" Aufmerksam horchte sie in den Raum. Doch es war nichts zu hören, noch etwas zu sehen. Auguste hatte mit allem gerechnet, doch nicht, damit, dass Harry nicht da sein könnte. Ernüchtert machte sie sich daran, wirklich ins Bett zu gehen. Während sie langsam ihr Pyjama anzog und ihre Zähne putzte, wusste sie noch nicht, wie gut sie daran tat. Keine 10 Minuten später, als sie gerade unter die Decke geschlüpft war, öffnete sich nocheinmal die Zimmertüre und Maria lugte herein. Befriedigt sah sie, dass Auguste schon im Bett war, wünschte ihr nocheinmal eine gute Nacht und stieg wieder in die Stube hinunter. Erlöst von der Anspannung des ganzen Tages und zufrieden darüber, dass sie Maria nicht etwas vorgespielt hatte und wirklich schon im Bett war, streckte sie sich aus und drückte ihren Kopf tief in das Kissen. Es wäre gar nicht auszudenken gewesen, was für Konsequenzen es möglicherweise hätte haben können, wenn Maria sie mit Harry schwatzend vorgefunden hätte.
Auguste war tatsächlich müde und döste vor sich hin. Der Schlaf wollte sie schon fast überwältigen, als sie gewahr wurde, dass Harry zum Fenster hinein kam. Er schien ein wenig betrunken zu sein, denn er torkelte ein wenig. Sofort war Auguste wieder hellwach und setzte sich im Bett auf. Harry begrüsste sie und wollte sich schon unter das Bett in sein eigenes Schlafgemach verziehen, als Augste ihn an der Hand packte und festhielt. "Geh nicht! Ich muss Dich noch etwas wichtiges fragen!" Doch durch die berührung mit Auguste war Harry wie zu Stein erstarrt. Erst nach einigen Augenblicken löste er sich wieder und verschwand so schnell er konnte unter dem Bett. Nach einer Weile kam seine rote Zipfelmütze wieder zum Vorschein und aus sicherer Entfernung fragte er Auguste, was sie ihn denn wichtiges fragen wollte. Froh darüber, dass Harry doch mit ihr zu reden schien, beschränkte sich Auguste zuerst auf eine Frage, anstatt Harry gleich über seine Familiengeschichte auszufragen. Viel wichtiger war es, ob Harry die Sprache der Trolle kannte. Also hielt sie ihm das Stück Papier unter die Nase, auf der ihr Olaf eine Botschaft geschrieben hatte. Zu ihrem Erstaunen las Harry das Geschriebene sofort vor: "Trolmands hus er hemlighed." Dann schaute er Auguste fragend an und erkundigte sich, was sie ihm damit sagen wollte. Die Hoffnung, dass Harry ihr weiterhelfen könnte, schwand sofort. "Weisst Du nicht, was da drauf steht?" fragte sie den Zwerg. Dieser schüttelte den Kopf. Er erkundigte sich, wer das geschrieben habe und warum Auguste ihm diesen Wisch unter die Nase hielt. Nachdem Auguste alles erzählt hatte, erklärte er sich bereit, bei seinen Bekannten zu fragen, ob jemand sich mit der Sprachwissenschaft auskenne. Auguste schrieb ihm eine Kopie der Nachricht von Olaf und dann legten sich beide schlafen. Heute konnte Auguste ruhig und schnell einschlafen. Zwar hatten schon zwei Wissenschaftler ihre Hilfe verweigert, doch einer würde evt. immer noch helfen und vielleicht würde sich eine weitere Tür öffnen, bevor alle geschlossen waren, wenn Harry jemanden ausfindig machen könnte, der Olaf verstehen würde.
Auguste hatte die Enttäuschung Marias wohl bemerkt. Doch momentan war ihr das ganz egal. Sie wollte nur eines und zwar sich mit Harry unterhalten. Zurück in ihrem Zimmer vergewisserte sie sich, dass niemand ihr gefolgt war. Sie liess die Tür hinter sich ins Schloss fallen und flüsterte in das Zimmer hinein: "Harry, wo bist Du? Ich muss dringend mit Dir reden!" Aufmerksam horchte sie in den Raum. Doch es war nichts zu hören, noch etwas zu sehen. Auguste hatte mit allem gerechnet, doch nicht, damit, dass Harry nicht da sein könnte. Ernüchtert machte sie sich daran, wirklich ins Bett zu gehen. Während sie langsam ihr Pyjama anzog und ihre Zähne putzte, wusste sie noch nicht, wie gut sie daran tat. Keine 10 Minuten später, als sie gerade unter die Decke geschlüpft war, öffnete sich nocheinmal die Zimmertüre und Maria lugte herein. Befriedigt sah sie, dass Auguste schon im Bett war, wünschte ihr nocheinmal eine gute Nacht und stieg wieder in die Stube hinunter. Erlöst von der Anspannung des ganzen Tages und zufrieden darüber, dass sie Maria nicht etwas vorgespielt hatte und wirklich schon im Bett war, streckte sie sich aus und drückte ihren Kopf tief in das Kissen. Es wäre gar nicht auszudenken gewesen, was für Konsequenzen es möglicherweise hätte haben können, wenn Maria sie mit Harry schwatzend vorgefunden hätte.
Auguste war tatsächlich müde und döste vor sich hin. Der Schlaf wollte sie schon fast überwältigen, als sie gewahr wurde, dass Harry zum Fenster hinein kam. Er schien ein wenig betrunken zu sein, denn er torkelte ein wenig. Sofort war Auguste wieder hellwach und setzte sich im Bett auf. Harry begrüsste sie und wollte sich schon unter das Bett in sein eigenes Schlafgemach verziehen, als Augste ihn an der Hand packte und festhielt. "Geh nicht! Ich muss Dich noch etwas wichtiges fragen!" Doch durch die berührung mit Auguste war Harry wie zu Stein erstarrt. Erst nach einigen Augenblicken löste er sich wieder und verschwand so schnell er konnte unter dem Bett. Nach einer Weile kam seine rote Zipfelmütze wieder zum Vorschein und aus sicherer Entfernung fragte er Auguste, was sie ihn denn wichtiges fragen wollte. Froh darüber, dass Harry doch mit ihr zu reden schien, beschränkte sich Auguste zuerst auf eine Frage, anstatt Harry gleich über seine Familiengeschichte auszufragen. Viel wichtiger war es, ob Harry die Sprache der Trolle kannte. Also hielt sie ihm das Stück Papier unter die Nase, auf der ihr Olaf eine Botschaft geschrieben hatte. Zu ihrem Erstaunen las Harry das Geschriebene sofort vor: "Trolmands hus er hemlighed." Dann schaute er Auguste fragend an und erkundigte sich, was sie ihm damit sagen wollte. Die Hoffnung, dass Harry ihr weiterhelfen könnte, schwand sofort. "Weisst Du nicht, was da drauf steht?" fragte sie den Zwerg. Dieser schüttelte den Kopf. Er erkundigte sich, wer das geschrieben habe und warum Auguste ihm diesen Wisch unter die Nase hielt. Nachdem Auguste alles erzählt hatte, erklärte er sich bereit, bei seinen Bekannten zu fragen, ob jemand sich mit der Sprachwissenschaft auskenne. Auguste schrieb ihm eine Kopie der Nachricht von Olaf und dann legten sich beide schlafen. Heute konnte Auguste ruhig und schnell einschlafen. Zwar hatten schon zwei Wissenschaftler ihre Hilfe verweigert, doch einer würde evt. immer noch helfen und vielleicht würde sich eine weitere Tür öffnen, bevor alle geschlossen waren, wenn Harry jemanden ausfindig machen könnte, der Olaf verstehen würde.
Kapitel 18: Auf dem Telegraphenamt
Auguste zuckte zusammen. Sie hatte nicht erwartet, dass jemand ins Zimmer kommen würde und hatte Maria auch nicht gehört! Maria merkte, dass sie Auguste erschreckte hatte und entschuldigte sich. "Tut mir leid, ich wollte Dich nicht erschrecken! Ich hatte Stimmen bei Dir gehört und gedacht, dass Du schon wach sein musst." Schnell sprang Auguste aus dem Bett, und Maria verliess das Zimmer wieder. Angekleidet und gekämmt eilte Auguste die Treppe hinunter zu Maria, die bereits am gedeckten Frühstückstisch auf sie wartete. Sie schlemmten ein herrliches Mahl und als beide propen Satt waren, brachen sie auf. Beide waren aufgeregt. Denn nun war es doch langsam Zeit, dass einer der Herren antworteten würde.
Und tatsächlich. Im Postamt warteten zwei Telegramme. Maria las sie hastig durch, und noch bevor sie etwas sagen konnte, wusste Auguste, anhand ihres Gesichtsausdruckes, dass es zwei negative Antworten sein mussten. Und genau das hörte sie auch wenige Sekunden später. Der Sprachwissenschaftler aus Kopenhagen, konnte nicht weiterhelfen und jener aus Zürich wollte nicht weiterhelfen. Jetzt blieb nur noch die Hoffnung, dass jener aus Breslau sie auf ihrer Rückreise empfangen wollte. Sowohl Maria als auch Auguste waren enttäuscht! Die Bitterkeit über die Überheblichkeit dieser Herren wuchs in Auguste und sie beschloss, dass falls sie mal eine grosse Wissenschaftlerin werden würde, allen, die etwas von ihr wissen wollten, helfen würde.
Mit hängenden Köpfen fuhren sie zu Opa ins Krankenhaus. Zu ihrer Erleichterung und Aufheiterung ging es ihm wieder sehr gut und er wartete darauf opperiert zu werden. Als dann der Chirurg kam, verabschiedeten sich die beiden Frauen wieder und spazierten etwas durch die Stadt. Da beide nicht so recht wussten, was sie machen sollten, schlug Maria vor, dass sie doch zusammen eine Schiffsfahrt machen könnten. Auguste war Feuer und Flamme. Sie war in ihrem ganzen Leben noch nie Schiff gefahren. Zwar war Masuren berühmt für die grossen Seen und dort verkehrten auch Passagierschiffe, doch ihr Dorf lag nicht sehr Nahe an einem dieser grossen Sehen, weshalb es ihr in ihrem bisherigen Leben noch nicht vergönnt gewesen war.
Sie hatten Glück mit dem Wetter, es war wunderschön und so konnten sie sich ganz vorne hinsetzten und sich den Fahrtwind durch die Haare streichen lassen. Da Maria in einer guten Stimmung zu sein schien, wagte Auguste es, sie auf Harry anzusprechen. Nicht direkt natürlich. sie erwähnte weder seinen Namen, noch was sie alles von ihm wusste. Sie fragte lediglich, ob sich Maria vorstellen könne, dass es Zwerge gibt. Maria schaute zuerst ein wenig verblüfft, denn da sie nicht wusste, was Auguste heute morgen erlebt hatte, kam für sie dieser Gedankenzug völlig unerwartet. Prüfend schaute sie Auguste an und wollte schon sagen, dass es natürlich keine Zwerge gäbe, dass dies doch alles Märchengeschichten seien. Doch sie hielt inne und überlegte, dass Auguste ja noch ein ganz kleines Mädchen war. Also holte sie lange aus, erzählte, dass es wohl in Wirklichkeit keine Zwerge gäbe, aber dass sie schon viele Geschichten über Zwerge gehört hatte und vieles mehr. Nach einer Weile erklärte sie sich sogar bereit, Auguste einige Zwergengeschichten ihrer Kindheit zu erzählen, welche ihre Oma ihr immer erzählt hatte.
Auguste strahlte. Denn je mehr Maria erzählte, desto sicherer war sie, dass Marias Oma Geschichten von Harrys Familie erzählt hatte. So erfuhr sie sehr viel über Harry, ohne dass Maria auch nur wusste, dass ein Körnchen Wahrheit in den alten Erzählungen steckte. Sie beschloss, dass sie am Abend Harry suchen würde, und ihn genauer über alles ausfragen wollte. Vielleicht könnte ihr auch Harry helfen, Olafs Sprache zu entziffern. Denn wenn es stimmte, was Maria erzählte, so waren einige Vorfahren von Harry sehr weit herumgereist und sehr gelehrt gewesen. Und Maria erzählte sogar, dass die Urururvorfahren von den hier lebenden Zwergen aus dem hohen Norden gekommen waren. Hatte nicht der Professor, den Maria besucht hatte, gesagt, dass es sich bei einigen der Sätze, die sie von Olaf hatten, um eine nordische Sprache handeln würde?
Und tatsächlich. Im Postamt warteten zwei Telegramme. Maria las sie hastig durch, und noch bevor sie etwas sagen konnte, wusste Auguste, anhand ihres Gesichtsausdruckes, dass es zwei negative Antworten sein mussten. Und genau das hörte sie auch wenige Sekunden später. Der Sprachwissenschaftler aus Kopenhagen, konnte nicht weiterhelfen und jener aus Zürich wollte nicht weiterhelfen. Jetzt blieb nur noch die Hoffnung, dass jener aus Breslau sie auf ihrer Rückreise empfangen wollte. Sowohl Maria als auch Auguste waren enttäuscht! Die Bitterkeit über die Überheblichkeit dieser Herren wuchs in Auguste und sie beschloss, dass falls sie mal eine grosse Wissenschaftlerin werden würde, allen, die etwas von ihr wissen wollten, helfen würde.
Mit hängenden Köpfen fuhren sie zu Opa ins Krankenhaus. Zu ihrer Erleichterung und Aufheiterung ging es ihm wieder sehr gut und er wartete darauf opperiert zu werden. Als dann der Chirurg kam, verabschiedeten sich die beiden Frauen wieder und spazierten etwas durch die Stadt. Da beide nicht so recht wussten, was sie machen sollten, schlug Maria vor, dass sie doch zusammen eine Schiffsfahrt machen könnten. Auguste war Feuer und Flamme. Sie war in ihrem ganzen Leben noch nie Schiff gefahren. Zwar war Masuren berühmt für die grossen Seen und dort verkehrten auch Passagierschiffe, doch ihr Dorf lag nicht sehr Nahe an einem dieser grossen Sehen, weshalb es ihr in ihrem bisherigen Leben noch nicht vergönnt gewesen war.
Sie hatten Glück mit dem Wetter, es war wunderschön und so konnten sie sich ganz vorne hinsetzten und sich den Fahrtwind durch die Haare streichen lassen. Da Maria in einer guten Stimmung zu sein schien, wagte Auguste es, sie auf Harry anzusprechen. Nicht direkt natürlich. sie erwähnte weder seinen Namen, noch was sie alles von ihm wusste. Sie fragte lediglich, ob sich Maria vorstellen könne, dass es Zwerge gibt. Maria schaute zuerst ein wenig verblüfft, denn da sie nicht wusste, was Auguste heute morgen erlebt hatte, kam für sie dieser Gedankenzug völlig unerwartet. Prüfend schaute sie Auguste an und wollte schon sagen, dass es natürlich keine Zwerge gäbe, dass dies doch alles Märchengeschichten seien. Doch sie hielt inne und überlegte, dass Auguste ja noch ein ganz kleines Mädchen war. Also holte sie lange aus, erzählte, dass es wohl in Wirklichkeit keine Zwerge gäbe, aber dass sie schon viele Geschichten über Zwerge gehört hatte und vieles mehr. Nach einer Weile erklärte sie sich sogar bereit, Auguste einige Zwergengeschichten ihrer Kindheit zu erzählen, welche ihre Oma ihr immer erzählt hatte.
Auguste strahlte. Denn je mehr Maria erzählte, desto sicherer war sie, dass Marias Oma Geschichten von Harrys Familie erzählt hatte. So erfuhr sie sehr viel über Harry, ohne dass Maria auch nur wusste, dass ein Körnchen Wahrheit in den alten Erzählungen steckte. Sie beschloss, dass sie am Abend Harry suchen würde, und ihn genauer über alles ausfragen wollte. Vielleicht könnte ihr auch Harry helfen, Olafs Sprache zu entziffern. Denn wenn es stimmte, was Maria erzählte, so waren einige Vorfahren von Harry sehr weit herumgereist und sehr gelehrt gewesen. Und Maria erzählte sogar, dass die Urururvorfahren von den hier lebenden Zwergen aus dem hohen Norden gekommen waren. Hatte nicht der Professor, den Maria besucht hatte, gesagt, dass es sich bei einigen der Sätze, die sie von Olaf hatten, um eine nordische Sprache handeln würde?
Dienstag, 19. August 2008
Kapitel 17: nächtlicher Besuch
Am nächsten Morgen regnete es in Strömen. Draussen war es noch dunkel, doch durch das Donnern und die Blitze des starken Gewitters, welches über Berlin durchzog, war Auguste schon hellwach. Sie hatte keine Uhr und wusste nicht wie spät es war. Da es jedoch noch so dunkel war, beschloss sie, anzunehmen, dass es noch nacht sein musste und wollte wieder einschlafen. Doch das gelang ihr nicht. Warum auch immer, sie konnte es sich nicht erklären, aber plötzlich war sie hell wach. War da nicht ein Geräusch in der Ecke gewesen? Es war viel zu dunkel im Zimmer, als dass sie etwas hätte erkennen können. Doch nun konzentrierte sich ihre ganze Aufmerksamkeit auf die hintere Ecke, dort wo der grosse Schrank stand. Auguste bekam es mit der Angst zu tun. Was, wenn dort jemand war? Ein Einbrecher vielleicht? Gestern abend hatte sie das Fenster offen gelassen, da es so schwül gewesen war. Es wäre ein leichtes für jemanden gewesen in der Nacht durch das Fenster einzusteigen, ohne dass irgendjemand im Haus es gemerkt hätte. Vielleicht war es ein Mörder? Hier war sie ja in Berlin. Bei sich in der warmen Stube hatte sie an langen Winterabenden schon manche grausigen Geschichten von der Grossstadt gehört. Und sie war so farlässig gewesen und hatte einfach wie zuhause auf dem Dorf das Fenster aufgelassen.
- Rums- abrupt stoppten Augustes Gedanken, ihr Herz setzte für einen Schlag aus und sie hielt die Luft an. Mit lautem gepolter waren einige Bücher vom Bücherregal gefallen, welches gegenüber des grossen Schrankes stand. Vergeblich versuchte sie in der Dunkelheit etwas zu erspähen oder gar zu erahnen. Doch sie hörte nur ein leises rascheln und kurz darauf schienen die Bücher wieder auf dem Gestell plaziert worden zu sein.
Auguste hielt es nicht mehr aus. Mit zittrigen Händen tastete sie sich auf dem Nachtisch entlang um mit einem Streichholz die Bettkerze anzuzünden. Vor lauter Aufregung dauerte es viel zu lange. Sie vernahm erneut ein Rascheln, diesmal aber viel näher bei ihrem Bett. Auguste brachte ihre ganze Willensstärke auf, um nicht laut aufzuschreien. Denn schliesslich war sie zu Besuch in einem fremden Haus und konnte doch nicht alle aufwecken, ohne dass vielleicht ein Grund dafür bestand. Wenn sie Licht hätte und sehen würde, was ihr so einen Schrecken versetzt hatte, wäre im Notfall immer noch genügend Zeit um zu schrein.
Endlich hatte sie es geschafft die kleine Flamme in gang zu bringen. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an das Licht und sie späte im Zimmer herum. "Ah!" stiess sie einen kurzen Schrei hervor, schlug sich aber zugleich mit der Hand vor den Mund. Vor ihr stand ein kleines Wesen mit einer roten Zipfelmütze. Es hatte eine menschliche Gestalt, doch war nur gerade so gross wie ihr Fuss. Was auch immer das sein mochte, böse sah dieses Wesen nicht aus. Es erinnerte sie an die Erzählungen von Heinzelmännchen, welche sie zuhause oft gehört hatte.
Nachdem sich die beiden etwa 2 Minuten ohne etwas zusagen und beide zu Tode erschreckt angeschaut hatten, wagte Auguste den Versuch, das Wesen ihr gegenüber anzusprechen. "Wer bist Du den?" -"Das gleiche könnte ich Dich fragen!" antwortet der Wichtel. Als ich vor einer Woche in die Ferien fuhr, war diese Zimmer noch leer. Und nun liegt plötzlich ein fremdes Mädchen in diesem Bett. Das Zimmer wurde seit mindestens 10 Jahren nicht mehr benutzt. Es war das Zimmer meiner Herrin, doch als sie starb, räumte man ihre persönlichen Sachen weg und liess es einfach sein. Ab und zu kam die Putzfrau und machte sauber, aber sonst kam hier nie jemand herein."- "Deine Herrin?" fragte Auguste verwundert? "Meine Herrin war die Mutter der jetztigen Hausherrin. Sie hatte ein gutes Herz und gab mir Arbeit, da ich sonst nicht gewusst hätte, wo ich hin sollt." - "Weiss jemand dass Du noch hier bist?" fragte Auguste. Der Wichtel verneinte. Ja er erklärte sogar, dass ihn ausser seiner Herrin noch kein Bewohner dieses Hauses jemals zu Gesicht bekommen hatte. Sie sei die erste. Und sie könne ihn auch nur sehen, weil sie eine Besondere Gabe habe. Die meisten Menschen würden ihn nicht sehen können, auch wenn er direkt vor ihnen stünde.
So unterhielten sich Auguste und der Wichtel eine Weile und schliesslich stellten sie sich auch einander vor. Es stellte sich heraus, dass die Vorfahren des Wichtels, welcher übrigens Harry hiess, schon seit Jahrhunderten an diesem Ort gewohnt hatten. Dann waren Menschen gekommen, hatten Häuser gebaut und viele Wichtel verdrängt. Die cleveren hatten sich Arbeit bei den Menschen gesucht, doch dass wurde immer schwieriger, da die Menschen mit der Zeit die Fähigkeit verloren, die Wichtel wahrzunehmen. So hatten viele Wichtel angefangen, sich ein Leben zwischen den Menschen einzurichten. Er erzählte Auguste auch, dass er viele Freunde hatte. In Berlin wohne in fast jedem Haus ein Wichtel. Doch die Bewohner glaubten heute nicht mehr an die Existenz von Wichteln und so merke niemand etwas von ihrer Existenz.
Auguste war begeistert. Sie hätte nie erwartet in Berlin auf Wichtel zu treffen. Bis vor weniger als einer Stunde hatte sie noch nicht einmal gewusst, dass Wichtel existierten. Und da kam ihr plötzlich der Gedanke, dass Olaf vielleicht gar kein Troll sei, sondern ein grosser Wichtel. Sofort sprach sie die Idee aus. Doch Harry meinte, dass Olaf nach ihrer Beschreibung sicher kein Wichtel sei. Mit einer geheimnisvollen Mine fügte er hinzu, dass es auf dieser Welt noch vieles für ein Mädchen mit dieser speziellen Gabe, wie Auguste sie offensichtlich besass, zu entdecken gäbe. "Die Welt ist nicht ganz so einfach und linear, wie sie von Menschen oft dargestellt wird." Neben den Menschen, Tieren, Bäumen und Pflanzen leben nach Heerscharen von anderen Lebewesen, die in der Welt der Menschen als Mythen abgetan werden. Wenn Du Deine Augen offen hällst Augustchen, wirst Du viele Freunde finden können, aber auch einige Feinde. Also sei auf der Hut! Es gibt nette und böse Wesen, und es ist nicht immer ganz einfach zu unterscheiden."
Sie plauderten und plauderten. Plötzlich wurde Harry nervös, sprang unters Bett und wurde unsichtbar. Im selben Augenblick ging die Tür auf und Maria kam zur Tür herein.
"Guten Morgen Augustchen, wollen wir frühstücken und dann zum Postamt gehen und sehen, ob ein Telegramm gekommen is?"
- Rums- abrupt stoppten Augustes Gedanken, ihr Herz setzte für einen Schlag aus und sie hielt die Luft an. Mit lautem gepolter waren einige Bücher vom Bücherregal gefallen, welches gegenüber des grossen Schrankes stand. Vergeblich versuchte sie in der Dunkelheit etwas zu erspähen oder gar zu erahnen. Doch sie hörte nur ein leises rascheln und kurz darauf schienen die Bücher wieder auf dem Gestell plaziert worden zu sein.
Auguste hielt es nicht mehr aus. Mit zittrigen Händen tastete sie sich auf dem Nachtisch entlang um mit einem Streichholz die Bettkerze anzuzünden. Vor lauter Aufregung dauerte es viel zu lange. Sie vernahm erneut ein Rascheln, diesmal aber viel näher bei ihrem Bett. Auguste brachte ihre ganze Willensstärke auf, um nicht laut aufzuschreien. Denn schliesslich war sie zu Besuch in einem fremden Haus und konnte doch nicht alle aufwecken, ohne dass vielleicht ein Grund dafür bestand. Wenn sie Licht hätte und sehen würde, was ihr so einen Schrecken versetzt hatte, wäre im Notfall immer noch genügend Zeit um zu schrein.
Endlich hatte sie es geschafft die kleine Flamme in gang zu bringen. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an das Licht und sie späte im Zimmer herum. "Ah!" stiess sie einen kurzen Schrei hervor, schlug sich aber zugleich mit der Hand vor den Mund. Vor ihr stand ein kleines Wesen mit einer roten Zipfelmütze. Es hatte eine menschliche Gestalt, doch war nur gerade so gross wie ihr Fuss. Was auch immer das sein mochte, böse sah dieses Wesen nicht aus. Es erinnerte sie an die Erzählungen von Heinzelmännchen, welche sie zuhause oft gehört hatte.
Nachdem sich die beiden etwa 2 Minuten ohne etwas zusagen und beide zu Tode erschreckt angeschaut hatten, wagte Auguste den Versuch, das Wesen ihr gegenüber anzusprechen. "Wer bist Du den?" -"Das gleiche könnte ich Dich fragen!" antwortet der Wichtel. Als ich vor einer Woche in die Ferien fuhr, war diese Zimmer noch leer. Und nun liegt plötzlich ein fremdes Mädchen in diesem Bett. Das Zimmer wurde seit mindestens 10 Jahren nicht mehr benutzt. Es war das Zimmer meiner Herrin, doch als sie starb, räumte man ihre persönlichen Sachen weg und liess es einfach sein. Ab und zu kam die Putzfrau und machte sauber, aber sonst kam hier nie jemand herein."- "Deine Herrin?" fragte Auguste verwundert? "Meine Herrin war die Mutter der jetztigen Hausherrin. Sie hatte ein gutes Herz und gab mir Arbeit, da ich sonst nicht gewusst hätte, wo ich hin sollt." - "Weiss jemand dass Du noch hier bist?" fragte Auguste. Der Wichtel verneinte. Ja er erklärte sogar, dass ihn ausser seiner Herrin noch kein Bewohner dieses Hauses jemals zu Gesicht bekommen hatte. Sie sei die erste. Und sie könne ihn auch nur sehen, weil sie eine Besondere Gabe habe. Die meisten Menschen würden ihn nicht sehen können, auch wenn er direkt vor ihnen stünde.
So unterhielten sich Auguste und der Wichtel eine Weile und schliesslich stellten sie sich auch einander vor. Es stellte sich heraus, dass die Vorfahren des Wichtels, welcher übrigens Harry hiess, schon seit Jahrhunderten an diesem Ort gewohnt hatten. Dann waren Menschen gekommen, hatten Häuser gebaut und viele Wichtel verdrängt. Die cleveren hatten sich Arbeit bei den Menschen gesucht, doch dass wurde immer schwieriger, da die Menschen mit der Zeit die Fähigkeit verloren, die Wichtel wahrzunehmen. So hatten viele Wichtel angefangen, sich ein Leben zwischen den Menschen einzurichten. Er erzählte Auguste auch, dass er viele Freunde hatte. In Berlin wohne in fast jedem Haus ein Wichtel. Doch die Bewohner glaubten heute nicht mehr an die Existenz von Wichteln und so merke niemand etwas von ihrer Existenz.
Auguste war begeistert. Sie hätte nie erwartet in Berlin auf Wichtel zu treffen. Bis vor weniger als einer Stunde hatte sie noch nicht einmal gewusst, dass Wichtel existierten. Und da kam ihr plötzlich der Gedanke, dass Olaf vielleicht gar kein Troll sei, sondern ein grosser Wichtel. Sofort sprach sie die Idee aus. Doch Harry meinte, dass Olaf nach ihrer Beschreibung sicher kein Wichtel sei. Mit einer geheimnisvollen Mine fügte er hinzu, dass es auf dieser Welt noch vieles für ein Mädchen mit dieser speziellen Gabe, wie Auguste sie offensichtlich besass, zu entdecken gäbe. "Die Welt ist nicht ganz so einfach und linear, wie sie von Menschen oft dargestellt wird." Neben den Menschen, Tieren, Bäumen und Pflanzen leben nach Heerscharen von anderen Lebewesen, die in der Welt der Menschen als Mythen abgetan werden. Wenn Du Deine Augen offen hällst Augustchen, wirst Du viele Freunde finden können, aber auch einige Feinde. Also sei auf der Hut! Es gibt nette und böse Wesen, und es ist nicht immer ganz einfach zu unterscheiden."
Sie plauderten und plauderten. Plötzlich wurde Harry nervös, sprang unters Bett und wurde unsichtbar. Im selben Augenblick ging die Tür auf und Maria kam zur Tür herein.
"Guten Morgen Augustchen, wollen wir frühstücken und dann zum Postamt gehen und sehen, ob ein Telegramm gekommen is?"
Sonntag, 10. August 2008
Kapitel 16: smaragdgrüner Samt
Die Sonne blinzelte mit ihren ersten Strahlen durch die Scheibe, genau auf das Kopfkissen von Auguste. Wenige Augenblicke nur brauchte sie um aufzuwachen. Und sofort waren ihre Gedanken klar. Heute, heute! Ja heute würde sich vielleicht ihr Leben ändern. "Opa!" rief sie ungeduldig zum anderen Bett hinüber. Doch Opa rührte sich nicht. Auguste wurde ungeduldig. Wie konnte es sein, dass Opa diesen wichtigen Tag verschlafen konnte? Etwas lauter und energischer rief sie noch einmal: "Opa, Opa wach auf! Die Sonne scheint schon!" Doch Opa schien sie immer noch nicht zu hören. Also sprang Auguste mit einem Satz aus dem Bett und war auch schon an Opas Seite. Vorsichtig schüttelte sie ihn. Doch was war das? Er reagierte überhaupt nicht! Oh nein! Was war mit Opa?! Er konnte sie doch jetzt nicht alleine lassen! Er war schon alt, ja, das hatte sie gewusst, als sie die Reise angetreten hatten. Doch er durfte nun auf keinen Fall sterben. Nicht so kurz vor der Lösung ihres Geheimnisses! Verzweifelt versuchte sie Opa wach zu schütteln. Doch es half nichts. Sie eilte hinunter zur Rezeption. Dort bestellte man sofort einen Artzt. Auguste lief zurück zu Opa. Ganz schwach konnte sie seinen Atem wahrnehmen! Erleichtert setzte sie sich neben ihn. Er war nicht tot! Zumindest noch nicht! Hoffentlich würde dieser Arzt bald kommen! Die Sekunden verstrichen wie Stunden. Auguste hilet Opas Hand gedrückt. Sie wollte ihm von sich aus Kraft übermitteln. Etwas anderes konnte sie sowieso nicht tun.
Endlich, nach etwa einer halben Stunde, die Auguste wie eine Ewigkeit erschienen war, betrat der Arzt mit ernster Miene das Zimmer. "Na dann wollen wir mal schauen, was der alte Herr hat." meinte er nüchtern. Er schickte Auguste aus dem Zimmer. Doch diese wich keinen Millimeter von ihrem Opa. Schliesslich gab der Arzt mit einem Schulterzucken auf und begann mit der Untersuchung, obwohl ihn dieses aufdringliche Mädchen störte. Kinder gehörten nun einmal nicht zu einer ärztlichen Untersuchung.
Neugierig und aufmerksam beobachtete Auguste alles was der Arzt tat. Er schien überhaupt nicht besorgt, was auf Auguste sehr beruhigend wirkte. Nach wenigen Minuten kam er zum Schluss, dass dieser alte Herr nicht bei Bewusstsein sei und ins Krankenhaus müsse, denn er könne nicht viel tun. Und selbst wenn er den Herrn wieder zu Bewusstsein bringen würde, bedürfe er ärztlicher Überwachung. Er bestellte bei der Rezeption zwei Sanitäter mit eine Bahre und so wurde Opa in das nächstgelegene Hospital gebracht. Dicht gefolgt von Auguste. Denn schliesslich wollte sie wissen, wo ihr Opa sein würde, wenn sie ihn brauchte. Im Krankenhaus setzte sie sich auf die Bettkante und beobachtet wieder interessiert die Schwestern und den Arzt, die verschiedene Dinge unternahmen um Opa aufzuwecken. Es war schon beinahe Zeit für das Mittagessen, als Opa endlich wieder zu sich kam. Erleichtert erzählte Auguste dem etwas verwirrten Opa, was geschehen war. Der Arzt hatte gesagt, dass Opa mindestens eine Woche im Krankenhaus bleiben müsse. Bei der Gelegenheit könne man sich gleich seinem Augenleiden annehmen. Das koste allerdings einiges. Opa war bestürzt. Dieser Krankenhausaufenthalt war nicht in seinem Budget eingerechnet gewesen. Er konnte sich nicht Hotel und Krankenhaus leisten. Also beschlossen sie, dass Auguste zu ihm ins Krankenhaus ziehen sollte und dass sie des Nachts, wenn die Schwestern nicht mehr ständig zur Kontrolle kämen, das Bett teilen würden. Somit könnten sie die Hotelkosten sparen.
Auguste fand das gar keine schlechte Idee, denn sie hatte überhaupt keine Lust gehabt, alleine zurück in das Hotel zu gehen. Ein letztes Mal würde sie das nun tun müssen. Sofort machte sie sich auf den Weg. An der Rezeption meldete sie sich ab, bezahlte die wenigen Nächte und machte sich dann ans Packen. Mit dem ganzen Gepäck mühte sie sich ab, in die Eingangshalle zu kommen. Das eine Gepäckstück liess sie vorerst stehen und marschierte mit Opas Koffer los. Im Krankenhaus angekommen, machte sie sich sofort auf den Rückweg, um ihre Tasche zu holen und hinterliess dann für Maria an der Rezeption eine Nachricht.
Als alles erledigt war, zeigte die Uhr bereits 15.00 Uhr. Augustes Magen knurrte wie wild. Den ganzen Tag hatte sie noch nichts gegessen. Opa hatte zur Stärkung schon eine Mahlzeit bekommen, doch davon wollte sie ihm nichts wegessen. Denn schliesslich war er krank. Hungrig machte sie sich auf in die Krankenhauskantine. Dort gab es überraschend billige belegte Brötchen, von denen sie sich eines leistete. Ihr Hunger war noch nicht gestillt, aber sie wollte so wenig Geld wie möglich ausgeben, damit sich Opa die teure Operation leisten könne.
Als sie zurück ins Zimmer kam, erwartete Maria sie bereits dort. Sie hatte noch keine Nachricht von den Wissenschaftlern erhalten, aber man hatte ihr die Nachricht überbracht, dass Auguste und Opa aus dem Hotel ausgechecked hatten und das Opa im Spital sei. Und so war sie sofort hierhergeilt, um sich mit eigenen Augen ein Bild von der Situation zu machen. Kurz überlegt hatte sie mit Opa besprochen, dass Auguste eine Woche lang bei ihr wohnen könne, und dass sie jeden Tag bei Opa im Krankenhaus vorbeikommen könne. Denn sie fand es keine gute Idee, dass sich Auguste würde verstecken müssen, damit sie nicht von den Schwestern auf die Strasse gejagt würde.
Auguste hörte sich den Vorschlag von Maria an. Zuerst war sie hell begeistert. Sie, die kleine Auguste von einem masurischen Dorf, würde bei einer berühmten Wissenschaftlerin in einem grossen Haus in Berlin wohnen! Wie toll! Wenn sie das ihren Freundinnen erzählen wird, die werden bestimmt alle blass vor Neid werden! Doch schon einen Augenblick später veränderte sich ihre Mine. Angst kam in ihr hoch. Sie war noch nie bei fremden Leuten zu Gast gewesen. Wie sollte sie sich verhalten? Wie würde sich Opa so alleine fühlen? Warum war Maria so nett zu ihr? Würde sie nachher etwas von ihr verlangen, was sie ihr womöglich nicht geben könnte? Denn obwohl sie von einem Dorf kam, war sie nicht so naiv, wie man glauben mochte. Sie hatte an langen Winterabenden den Geschichten der Erwachsenen gelauscht und dabei so manches gelernt. Etwas, was sie gelernt hatte, war auch gewesen, dass man im Leben nie etwas geschenkt bekommt, zumindest nicht von fremden Leuten.
Opa hatte wohl bemerkt, was in Augustes Kopf vorging. Er nickte ihr aufmunternd zu. "Ich glaube das ist die beste Lösung für alle. Wenn du zu Maria gehst Augustchen, dann habe ich auch mehr Platz im Bett und kann besser schlafen! Und Maria verlangt auch nichts dafür, dass Du bei ihr schläfst. Das einzige, was möchte ist, dass Du eine Woche lang mit ihr etwas unternimmst, Berlin anschaust, mit ihr ins Caffee gehst, sie an die Universität begleitest und ihr überall Gesellschaft leistest. Sie ist nämich momentan etwas alleine, da ihr werter Vater auf einer Geschäftsreise ist." Auguste dankte Opa erleichtert. Wie gut es ist, Menschen um sich zu haben, die sofort erkennen, was einen bewegt, dachte sie. Ja, Gesellschaft leisten, das konnte sie. Auch wenn sie nicht so gelehrt war wie Maria, wusste sie immer etwas, worüber sie sich unterhalten konnte. Was Auguste an Wissen fehlte, ersetzte sie durch Phantasie.
Maria war etwas ungeduldig, denn sie musste noch einiges erledigen heute. Also verabschiedete sich Auguste etwas wehmütig von Opa und folgte ihrer Gastgeberin. Zuerst brachten sie Augustes Tasche in das Haus. Maria schaute immer wieder auf die Uhr. Sie wurede etwas ungeduldig. Denn sie musste noch ein neues Kleid vor Ladenschluss kaufen und diese Auguste war gar langsam. Man merkte, dass das Mädchen vom Land kam, wo es nicht auf Minuten darauf an kam. Hier in der Stadt war das eben ganz anders. Und in der Tat. Auguste verstand nicht, warum Maria so hetzte. Es war doch erst vier Uhr nachmittags. Es war Sommer und würde noch lange nicht dunkel werden. Gerne hätte sich Auguste das Haus etwas genauer angeschaut. Doch sie musste ja ihrer Gastgeberin gehorchen. Also beeilte sie sich. Und wenige Augenblicke später bereute sie es nicht mehr, dass sie nicht zuhaus geblieben waren. Zusammen hatten sie ein Kaufhaus betreten. So etwas in dieser Grösse hatte Auguste noch nie gesehen. Das Geschäft war voll von herrlichen Kleidern, Stoffen und Waren, die man sich gar nicht alle zu erträumen vermochte! Während Maria Kleider anprobierte, strolchte Auguste mit staunenenden Augen durch den Laden. Würde sie jemals so viel Geld besitzen, dass sie so ein prächtiges Kleidungstück erwerben könnte? Es gab hier ganz edle Stoffe. Strümpfe aus Seide und Röcke aus Samt mit Brokat Verzierungen. Auguste traute kaum ihren Augen und ihren Händen. So fein war hier alles. Bei ihrem Rundgang stiess sie wieder auf Maria und der Mund blieb ihr offen stehen. Maria lachte. "Was ist denn mit dir los Augustchen?" Auguste traute ihren Augen kaum. Maria probierte gerade ein smaragd grünes Kleid aus Samt und Satin. Es stand ihr hervorragend und wenn Auguste nicht gewusst hätte, wer vor ihr stand, sie hätte gedacht, es sie die Königin von England. Nachdem Auguste dieses Kleid offensichtlich zu gefallen schien, entschloss Maria sich, es zu kaufen. Gemütlich schlenderten sie nach Hause, wo bereits ein herrschafltiches Abendessen auf die beiden wartete. Danach war Auguste so müde von den Anstrengungen des Tages, dass sie sich sofort verabschiedete und ins Bett begab.
Ja, ihr Leben hatte sich heute geändert. Allerdings ganz anders, als sie es gestern Abend erwartet hatte. Aber gestern war bereits viele Ewigkeiten her!
Endlich, nach etwa einer halben Stunde, die Auguste wie eine Ewigkeit erschienen war, betrat der Arzt mit ernster Miene das Zimmer. "Na dann wollen wir mal schauen, was der alte Herr hat." meinte er nüchtern. Er schickte Auguste aus dem Zimmer. Doch diese wich keinen Millimeter von ihrem Opa. Schliesslich gab der Arzt mit einem Schulterzucken auf und begann mit der Untersuchung, obwohl ihn dieses aufdringliche Mädchen störte. Kinder gehörten nun einmal nicht zu einer ärztlichen Untersuchung.
Neugierig und aufmerksam beobachtete Auguste alles was der Arzt tat. Er schien überhaupt nicht besorgt, was auf Auguste sehr beruhigend wirkte. Nach wenigen Minuten kam er zum Schluss, dass dieser alte Herr nicht bei Bewusstsein sei und ins Krankenhaus müsse, denn er könne nicht viel tun. Und selbst wenn er den Herrn wieder zu Bewusstsein bringen würde, bedürfe er ärztlicher Überwachung. Er bestellte bei der Rezeption zwei Sanitäter mit eine Bahre und so wurde Opa in das nächstgelegene Hospital gebracht. Dicht gefolgt von Auguste. Denn schliesslich wollte sie wissen, wo ihr Opa sein würde, wenn sie ihn brauchte. Im Krankenhaus setzte sie sich auf die Bettkante und beobachtet wieder interessiert die Schwestern und den Arzt, die verschiedene Dinge unternahmen um Opa aufzuwecken. Es war schon beinahe Zeit für das Mittagessen, als Opa endlich wieder zu sich kam. Erleichtert erzählte Auguste dem etwas verwirrten Opa, was geschehen war. Der Arzt hatte gesagt, dass Opa mindestens eine Woche im Krankenhaus bleiben müsse. Bei der Gelegenheit könne man sich gleich seinem Augenleiden annehmen. Das koste allerdings einiges. Opa war bestürzt. Dieser Krankenhausaufenthalt war nicht in seinem Budget eingerechnet gewesen. Er konnte sich nicht Hotel und Krankenhaus leisten. Also beschlossen sie, dass Auguste zu ihm ins Krankenhaus ziehen sollte und dass sie des Nachts, wenn die Schwestern nicht mehr ständig zur Kontrolle kämen, das Bett teilen würden. Somit könnten sie die Hotelkosten sparen.
Auguste fand das gar keine schlechte Idee, denn sie hatte überhaupt keine Lust gehabt, alleine zurück in das Hotel zu gehen. Ein letztes Mal würde sie das nun tun müssen. Sofort machte sie sich auf den Weg. An der Rezeption meldete sie sich ab, bezahlte die wenigen Nächte und machte sich dann ans Packen. Mit dem ganzen Gepäck mühte sie sich ab, in die Eingangshalle zu kommen. Das eine Gepäckstück liess sie vorerst stehen und marschierte mit Opas Koffer los. Im Krankenhaus angekommen, machte sie sich sofort auf den Rückweg, um ihre Tasche zu holen und hinterliess dann für Maria an der Rezeption eine Nachricht.
Als alles erledigt war, zeigte die Uhr bereits 15.00 Uhr. Augustes Magen knurrte wie wild. Den ganzen Tag hatte sie noch nichts gegessen. Opa hatte zur Stärkung schon eine Mahlzeit bekommen, doch davon wollte sie ihm nichts wegessen. Denn schliesslich war er krank. Hungrig machte sie sich auf in die Krankenhauskantine. Dort gab es überraschend billige belegte Brötchen, von denen sie sich eines leistete. Ihr Hunger war noch nicht gestillt, aber sie wollte so wenig Geld wie möglich ausgeben, damit sich Opa die teure Operation leisten könne.
Als sie zurück ins Zimmer kam, erwartete Maria sie bereits dort. Sie hatte noch keine Nachricht von den Wissenschaftlern erhalten, aber man hatte ihr die Nachricht überbracht, dass Auguste und Opa aus dem Hotel ausgechecked hatten und das Opa im Spital sei. Und so war sie sofort hierhergeilt, um sich mit eigenen Augen ein Bild von der Situation zu machen. Kurz überlegt hatte sie mit Opa besprochen, dass Auguste eine Woche lang bei ihr wohnen könne, und dass sie jeden Tag bei Opa im Krankenhaus vorbeikommen könne. Denn sie fand es keine gute Idee, dass sich Auguste würde verstecken müssen, damit sie nicht von den Schwestern auf die Strasse gejagt würde.
Auguste hörte sich den Vorschlag von Maria an. Zuerst war sie hell begeistert. Sie, die kleine Auguste von einem masurischen Dorf, würde bei einer berühmten Wissenschaftlerin in einem grossen Haus in Berlin wohnen! Wie toll! Wenn sie das ihren Freundinnen erzählen wird, die werden bestimmt alle blass vor Neid werden! Doch schon einen Augenblick später veränderte sich ihre Mine. Angst kam in ihr hoch. Sie war noch nie bei fremden Leuten zu Gast gewesen. Wie sollte sie sich verhalten? Wie würde sich Opa so alleine fühlen? Warum war Maria so nett zu ihr? Würde sie nachher etwas von ihr verlangen, was sie ihr womöglich nicht geben könnte? Denn obwohl sie von einem Dorf kam, war sie nicht so naiv, wie man glauben mochte. Sie hatte an langen Winterabenden den Geschichten der Erwachsenen gelauscht und dabei so manches gelernt. Etwas, was sie gelernt hatte, war auch gewesen, dass man im Leben nie etwas geschenkt bekommt, zumindest nicht von fremden Leuten.
Opa hatte wohl bemerkt, was in Augustes Kopf vorging. Er nickte ihr aufmunternd zu. "Ich glaube das ist die beste Lösung für alle. Wenn du zu Maria gehst Augustchen, dann habe ich auch mehr Platz im Bett und kann besser schlafen! Und Maria verlangt auch nichts dafür, dass Du bei ihr schläfst. Das einzige, was möchte ist, dass Du eine Woche lang mit ihr etwas unternimmst, Berlin anschaust, mit ihr ins Caffee gehst, sie an die Universität begleitest und ihr überall Gesellschaft leistest. Sie ist nämich momentan etwas alleine, da ihr werter Vater auf einer Geschäftsreise ist." Auguste dankte Opa erleichtert. Wie gut es ist, Menschen um sich zu haben, die sofort erkennen, was einen bewegt, dachte sie. Ja, Gesellschaft leisten, das konnte sie. Auch wenn sie nicht so gelehrt war wie Maria, wusste sie immer etwas, worüber sie sich unterhalten konnte. Was Auguste an Wissen fehlte, ersetzte sie durch Phantasie.
Maria war etwas ungeduldig, denn sie musste noch einiges erledigen heute. Also verabschiedete sich Auguste etwas wehmütig von Opa und folgte ihrer Gastgeberin. Zuerst brachten sie Augustes Tasche in das Haus. Maria schaute immer wieder auf die Uhr. Sie wurede etwas ungeduldig. Denn sie musste noch ein neues Kleid vor Ladenschluss kaufen und diese Auguste war gar langsam. Man merkte, dass das Mädchen vom Land kam, wo es nicht auf Minuten darauf an kam. Hier in der Stadt war das eben ganz anders. Und in der Tat. Auguste verstand nicht, warum Maria so hetzte. Es war doch erst vier Uhr nachmittags. Es war Sommer und würde noch lange nicht dunkel werden. Gerne hätte sich Auguste das Haus etwas genauer angeschaut. Doch sie musste ja ihrer Gastgeberin gehorchen. Also beeilte sie sich. Und wenige Augenblicke später bereute sie es nicht mehr, dass sie nicht zuhaus geblieben waren. Zusammen hatten sie ein Kaufhaus betreten. So etwas in dieser Grösse hatte Auguste noch nie gesehen. Das Geschäft war voll von herrlichen Kleidern, Stoffen und Waren, die man sich gar nicht alle zu erträumen vermochte! Während Maria Kleider anprobierte, strolchte Auguste mit staunenenden Augen durch den Laden. Würde sie jemals so viel Geld besitzen, dass sie so ein prächtiges Kleidungstück erwerben könnte? Es gab hier ganz edle Stoffe. Strümpfe aus Seide und Röcke aus Samt mit Brokat Verzierungen. Auguste traute kaum ihren Augen und ihren Händen. So fein war hier alles. Bei ihrem Rundgang stiess sie wieder auf Maria und der Mund blieb ihr offen stehen. Maria lachte. "Was ist denn mit dir los Augustchen?" Auguste traute ihren Augen kaum. Maria probierte gerade ein smaragd grünes Kleid aus Samt und Satin. Es stand ihr hervorragend und wenn Auguste nicht gewusst hätte, wer vor ihr stand, sie hätte gedacht, es sie die Königin von England. Nachdem Auguste dieses Kleid offensichtlich zu gefallen schien, entschloss Maria sich, es zu kaufen. Gemütlich schlenderten sie nach Hause, wo bereits ein herrschafltiches Abendessen auf die beiden wartete. Danach war Auguste so müde von den Anstrengungen des Tages, dass sie sich sofort verabschiedete und ins Bett begab.
Ja, ihr Leben hatte sich heute geändert. Allerdings ganz anders, als sie es gestern Abend erwartet hatte. Aber gestern war bereits viele Ewigkeiten her!
Sonntag, 20. Juli 2008
Kapitel 15: Die Sprachwissenschaftler
Doch Maria hatte sich getäuscht. Auch für sie war es nicht so einfach, bei den Professoren ein wenig Zeit zu bekommen. Sie hatte zwar promoviert und war somit in den Kreis der Gelehrten aufgenommen worden, hatte jedoch mit Sprachwissenschaft nichts am Hut, weshalb man sie dort nicht richtig kannte. Man hatte zwar schon von dieser bemerkenswerten Dame gehört, welche so gelehrt zu sein schien, doch hatte sie ihren Titel wirklich wegen ihres Geistes oder doch wegen ihrer Schönheit erworben?
Doch mit etwas hartnäckigkeit gelang es Maria, zu Herrn Otto Dempwollf vorzustossen. Dieser empfing sie überraschend freundlich. Nachdem er die Sätze auf ihrem Papier eingehend untersucht hatte, zuckte er mit den Schultern und meinte entschuldigend, dass es sich weder um Austronesische noch Afrikanische Sprachen handle. Dies schien ihm mehr in Richtung indogermanisch zu gehen, wobei es sich aber um zwei verschiedene Sprachen handeln müsse. Aber obwohl er ihr nicht weiterhelfen konnte, nannte er ihr drei Namen von Professoren, die ihr vielleicht weiterhelfen konnten. Alle drei seien allerdings nicht in Berlin anzutreffen. Zum einen verstehe sich Vilhelm Ludwig Thomsen aus Kopenhagen auf indogermanische Sprachen, zum anderen könne er aber auch Otto Schrader aus Breslau und Eduart Schwyzer aus Zürich empfehlen. Er anerbot sich sogar, allen drei Herren ein Telegram zukommen zu lassen, mit je einem Satz aus einer der zwei Sprachen. Zusammen gingen sie zum Postamt um die Telegramme aufzugeben. Maria bezahlte dafür, denn schliesslich gab sich der Professor ja ihretwegen die Mühe. Nach getaner Arbeit verabschiedete sie sich von Professor Dempwolff und machte sich auf in die Richtung des Hotels, in dem Auguste und Opa wohnten.
Als sie dort ankam, waren die beiden allerdings nicht zuhause, denn es war ja auch erst früher Nachmittag. Sie beschloss, sich in das Restaurant des Hotels zu setzten und gemütlich einen Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Vielleicht würden die zwei bald kommen.
Und sie musste auch gar nicht lange warten. Schon bald, sie hatte unterdessen 3 Tassen Kaffe getrunken, kamen Auguste und Opa müde ins Hotel zurück. Schon wollten sie die Treppe zu ihrem Zimmer hochgehen, als Auguste gewahrte, dass Maria im Restaurant sass und las. Obwohl sie völlig erschöpft war, sie waren den ganzen Tag zu Fuss in Berlin herummarschiert, um Geld zu sparen, brachte Auguste die Kraft auf, um ihren Schritt noch einmal zu beschleunigen und zu Maria zu eilen. Opa keuchte hinter ihr her.
Maria erzählte ihnen, was sie herausgefunden hatte und dass sie jetzt auf die Antwort der drei Herren warten müssten. Sie hoffte, dass bis morgen oder übermorgen eine Antwort eintreffen würde, wusste aber auch nicht, wass sie machen sollten, falls keine käme. Dann wäre wohl der letzte Weg, selbst nach Kopenhagen, Zürich oder Breslau zu fahren. Opa meinte, dass Breslau sowieso auf dem Weg zurück nach Hause liege und dass es wohl kein Problem sein würde, dort ein zwei Tage zu bleiben. Doch für eine Reise nach Zürich oder Kopenhagen hätte er sicher nicht genügend Geld.
Aber eigentlich war es sinnlos, sich Gedanken über die Zukunft zu machen, bevor eine Antwort gekommen war. Als Maria sich verabschiedet hatte, diskutierten Opa und Auguste noch lange, was sie machen sollten. Beide waren sehr gespannt, ob einer der Herren zurück telegraphieren würde und ob sie überhaupt helfen könnten. Besonders Auguste war ganz aufgeregt. Noch nie war sie in ihrem Leben einem Wissenschaftler begegnet und nun stand sie indirekt gleich mit vier von ihnen in Kontakt, ganz zu Schweigen davon, dass sie mit einer Wissenschaftlerin schon zusammen Abendbrot gegessen hatte. Vor lauter Aufregung konnte Auguste gar nicht schlafen. Würde sich morgen ihr Leben ändern? Was würde geschehen? Irgendetwas musste doch geschehen! Wenn die angeschriebenen Wissenschaftler nicht würden helfen können, dann wäre ihre ganze Exkursion für nichts gewesen. Wenn sie nicht helfen wollten, auch. Doch wenn sie helfen würden, dann könnte sie so viel lernen.
In dieser Nacht beschloss Auguste, dass sie auch einmal Sprachwissenschaftlerin werden wollte. Aber da musste jetzt noch einige Jahre warten. Zuerst musste das aktuelle Problem gelöst werden. Hoffentlich würde Olaf bis zu ihrer Rückkehr warten, damit sie dann mit ihm sprechen könnten! Ach, alles schien ihr momentan so kompliziert. Doch morgen, morgen würde sich vielleicht alles ändern, oder vielleicht auch nicht. Was würde morgen geschehen?
(Fortsetztung folgt erst in zwei Wochen, da ich abwesend sein werde)
Doch mit etwas hartnäckigkeit gelang es Maria, zu Herrn Otto Dempwollf vorzustossen. Dieser empfing sie überraschend freundlich. Nachdem er die Sätze auf ihrem Papier eingehend untersucht hatte, zuckte er mit den Schultern und meinte entschuldigend, dass es sich weder um Austronesische noch Afrikanische Sprachen handle. Dies schien ihm mehr in Richtung indogermanisch zu gehen, wobei es sich aber um zwei verschiedene Sprachen handeln müsse. Aber obwohl er ihr nicht weiterhelfen konnte, nannte er ihr drei Namen von Professoren, die ihr vielleicht weiterhelfen konnten. Alle drei seien allerdings nicht in Berlin anzutreffen. Zum einen verstehe sich Vilhelm Ludwig Thomsen aus Kopenhagen auf indogermanische Sprachen, zum anderen könne er aber auch Otto Schrader aus Breslau und Eduart Schwyzer aus Zürich empfehlen. Er anerbot sich sogar, allen drei Herren ein Telegram zukommen zu lassen, mit je einem Satz aus einer der zwei Sprachen. Zusammen gingen sie zum Postamt um die Telegramme aufzugeben. Maria bezahlte dafür, denn schliesslich gab sich der Professor ja ihretwegen die Mühe. Nach getaner Arbeit verabschiedete sie sich von Professor Dempwolff und machte sich auf in die Richtung des Hotels, in dem Auguste und Opa wohnten.
Als sie dort ankam, waren die beiden allerdings nicht zuhause, denn es war ja auch erst früher Nachmittag. Sie beschloss, sich in das Restaurant des Hotels zu setzten und gemütlich einen Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Vielleicht würden die zwei bald kommen.
Und sie musste auch gar nicht lange warten. Schon bald, sie hatte unterdessen 3 Tassen Kaffe getrunken, kamen Auguste und Opa müde ins Hotel zurück. Schon wollten sie die Treppe zu ihrem Zimmer hochgehen, als Auguste gewahrte, dass Maria im Restaurant sass und las. Obwohl sie völlig erschöpft war, sie waren den ganzen Tag zu Fuss in Berlin herummarschiert, um Geld zu sparen, brachte Auguste die Kraft auf, um ihren Schritt noch einmal zu beschleunigen und zu Maria zu eilen. Opa keuchte hinter ihr her.
Maria erzählte ihnen, was sie herausgefunden hatte und dass sie jetzt auf die Antwort der drei Herren warten müssten. Sie hoffte, dass bis morgen oder übermorgen eine Antwort eintreffen würde, wusste aber auch nicht, wass sie machen sollten, falls keine käme. Dann wäre wohl der letzte Weg, selbst nach Kopenhagen, Zürich oder Breslau zu fahren. Opa meinte, dass Breslau sowieso auf dem Weg zurück nach Hause liege und dass es wohl kein Problem sein würde, dort ein zwei Tage zu bleiben. Doch für eine Reise nach Zürich oder Kopenhagen hätte er sicher nicht genügend Geld.
Aber eigentlich war es sinnlos, sich Gedanken über die Zukunft zu machen, bevor eine Antwort gekommen war. Als Maria sich verabschiedet hatte, diskutierten Opa und Auguste noch lange, was sie machen sollten. Beide waren sehr gespannt, ob einer der Herren zurück telegraphieren würde und ob sie überhaupt helfen könnten. Besonders Auguste war ganz aufgeregt. Noch nie war sie in ihrem Leben einem Wissenschaftler begegnet und nun stand sie indirekt gleich mit vier von ihnen in Kontakt, ganz zu Schweigen davon, dass sie mit einer Wissenschaftlerin schon zusammen Abendbrot gegessen hatte. Vor lauter Aufregung konnte Auguste gar nicht schlafen. Würde sich morgen ihr Leben ändern? Was würde geschehen? Irgendetwas musste doch geschehen! Wenn die angeschriebenen Wissenschaftler nicht würden helfen können, dann wäre ihre ganze Exkursion für nichts gewesen. Wenn sie nicht helfen wollten, auch. Doch wenn sie helfen würden, dann könnte sie so viel lernen.
In dieser Nacht beschloss Auguste, dass sie auch einmal Sprachwissenschaftlerin werden wollte. Aber da musste jetzt noch einige Jahre warten. Zuerst musste das aktuelle Problem gelöst werden. Hoffentlich würde Olaf bis zu ihrer Rückkehr warten, damit sie dann mit ihm sprechen könnten! Ach, alles schien ihr momentan so kompliziert. Doch morgen, morgen würde sich vielleicht alles ändern, oder vielleicht auch nicht. Was würde morgen geschehen?
(Fortsetztung folgt erst in zwei Wochen, da ich abwesend sein werde)
Kapitel 14: Maria Lüders
Wie sich herausstellte, sollte sie die Kutsche, welche sie wenig später abholte zu Maria Elisabeth Lüders bringen. Die Junge Dame, welche Anfang ihres dritten Jahrzehntes stand, hatte soeben als erste deutsche Frau an der Universität in Berlin promoviert. All dies erzählte der Kutscher Opa und Auguste, damit sich diese gebührend verhalten konnten. Auguste imponierte es wahnsinnig, dass sie zu so einer gebildeten Frau unterwegs waren und auch der Opa hatte etwas Ehrfurcht. Er selbst hatte nicht einmal das Gymnasium besucht, nur die Landwirtschaftliche Fachschule. Er hatte keine Ahnung, wie er sich einer ihm so überlegenen Frau gegenüber verhalten sollte. Zuhause war er gegenüber des weiblichen Geschlechts in Bezug auf die Bildung meilenweit voraus. Doch dieser jungen Dame, die nichteinmal halb so alt war wie er, konnte er bezüglich Bildung das Wasser nicht reichen. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Die Kutsche näherte sich bedrohlich ihrme Ziel. An Flucht war nicht zu denken. Und was würde auch Auguste denken, wenn ihr Opa, den sie so verehrte, plötzlich Angst vor einer Frau zu haben schien?! Nein, er durfte sich nichts anmerken lassen, denn offensichtlich freute sich Auguste diese Frau zu treffen.
Maria Lüders wartete bereits im Hauseingang, als die Kutsche vor dem Haus vorfuhr. Freudig winkte Auguste und kaum hatte die Kutsche angehalten, da war sie auch schon die Treppen bis zum Eingang heraufgehüpft. Was für ein herrschaftliches Haus und was für eine vornehme Dame. Auguste freute sich, dass es ihr gegönnt war, ein solches Haus von innen zu sehen. Der Opa kam etwas langsamer, schwerfällig die Treppen herauf. Aber als auch er freudig von Frau Lüders begrüsst wurde, schienen ihm fünf Tonnen Steine vom Herzen zu fallen und mit wesentlich leichterem Schritt folgte er den zwei Frauen ins Haus. Auch er staunte nicht schlecht über die Einrichtung, die er hier vorfand. Und an den Wänden hingen Bilder von offensichtlich wichtigen Persönlichkeiten. Aber zum Staunen blieb nicht lange Zeit, denn sie wurden sofort in den Salon geführt. Die Gastgeberin meinte entschuldigend, dass sie hungrig sei und sie deshalb sofort das Essen servieren lassen wolle. Dagegen hatten auch Auguste und Opa nichts, denn seit dem Mittagessen hatten beide nichts mehr zu sich genommen.
Während sie nun das köstliche Mahl zu sich nahmen, unterhielten sie sich angeregt mit Maria, mit welcher sie mitlerweile Duzies gemacht hatten. Maria hatte viel von ihrem Leben erzählt und auch Auguste und Opa hatten einiges berichtet. Maria hatte Auguste ermuntert, sich in der Schule ordentlich anzustrengen, damit sie später einmal das Gymnasium besuchen könne und vielleicht sogar studieren könne. Auguste hatte diesen Vorschlag begeistert aufgenommen, denn nachdem was sie alles von Maria über das Studieren gehört hatte, schien es ihr äusserst spannend zu sein. Nach dem sie so eine Weile geplaudert hatten, fragte Maria endlich, was sie eigentlich schon von Anfang an interessiert hatte, nämlich was zwei Landmenschen in Berlin wollten. Auguste schaute den Opa fragend an. Sie wusste nicht, ob sie ihr wahres Vorhaben hier preisgeben durfte, doch der Opa nickte, denn er sah hier eine Chance. Diese Frau hatte gerade promoviert. Da sie die erste Frau war, mussten sie wohl fast alle an der Universität kennen. Wenn sie ihnen helfen würde, hätten sie vielleicht eine Chance einen der berühmten Professoren um Hilfe zu fragen. Auguste überlegte nicht so weit, doch aufgemuntert durch Opa, begann sie nun ihre Geschichte zu erzählen. Sie erzählte allerdings nicht die ganze Geschichte. Sie liess weg, dass es sich bei der Person, welche die fremden Sprachen sprach um einen Troll handle und nicht um einen Menschen. Stattdessen sagte sie, dass ein Reisender bei ihnen vorbeigekommen sei und sich im Wald niedergelassen hatte. Da er in ihrer Nähe wohnte, wollten sie sich jetzt mit ihm verständigen. Auguste schien diese Version passender, als Maria zu erzählen, dass sie einen Troll getroffen habe. Denn dann, so schien es ihr, würde die Wissenschaftlerin wohl an Augustes Glaubwürdigkeit zweifeln. In der Welt der Wissenschaft gab es nämlich keine Trolle und unsichtbare Wesen. Sogar Auguste wusste, dass diese Wesen als Mythologien und Unwahrheiten verschrien waren und dass nur Kinder, Dumme und solche, die nicht ganz bei Verstand waren an sie glauben durften. Auguste wollte aber keinesfall als unreifes Kind erscheinen, welches man noch nicht ernst nimmt.
Und der Plan funktionierte. Maria glaubte die Geschichte, obwohl sie sich wunderte, dass ein einzelner Reisender plötzlich in einem Wäldchen von Masuren hausen sollte. Aber sie hatte ja keinen Grund an der Aussage von Auguste zu zweifeln, denn warum sollten die zwei von ihrem kleinen Dorf einen so weiten Weg auf sich nehmen, wenn sie nicht wirklich ein wichtiges Vorhaben hätten. So fragte Maria, ob sie nicht die Zettel sehen könne, welche sie mitgebracht hätten. Opa breitete die Beute vor ihr aus. Maria staunte. "Mh..., sehr interessant", meinte sie, "aber leider kann ich euch nicht weiterhelfen. Ich bin keine Sprachwissenschaftlerin. Aber vielleicht lässt sich ja an der Universität jemand auftreiben, der euch helfen kann." Auguste fragte erfreut, ob sie denn morgen mit an die Universität kommen könnten und dort mit wichtigen Professoren sprechen könnten. Doch ganz so einfach war dies nicht. Maria meinte, dass sie zuerst jemanden finden müsse, der bereit wäre, sie zu empfangen. Die Gelehrten pflegten normalerweise keinen umgang mit ungebildeten Landmenschen. "Aber ich schreibe mir gerne ab, was ihr auf den Zetteln habt und lege das einigen Herren vor. Ihr könnt euch morgen einen schönen Tag machen und Berlin anschauen und am Abend werde ich mich wieder bei euch melden."
Augustes konnte ihre Enttäuschung nur schwer verbergen und so bemerkte auch Maria, dass Auguste diesen Vorschlag überhaupt nicht lustig fand. So versprach sie noch, dass sie dann übermorgen zur Universität gehen könnten. Aber Augustes Laune war dadurch nicht zu verbessern. Da der Abend schon vortgeschritten war, beschloss Opa, dass es nun langsam Zeit sei aufzubrechen. Sofort liess Maria ihnen die Kutsche herrichten und versprach noch einmal hoch und heilig, dass dies am nächsten Abend bei ihnen vorbeischauen wolle und ihnen berichten würde, wie die Dinge standen.
Maria Lüders wartete bereits im Hauseingang, als die Kutsche vor dem Haus vorfuhr. Freudig winkte Auguste und kaum hatte die Kutsche angehalten, da war sie auch schon die Treppen bis zum Eingang heraufgehüpft. Was für ein herrschaftliches Haus und was für eine vornehme Dame. Auguste freute sich, dass es ihr gegönnt war, ein solches Haus von innen zu sehen. Der Opa kam etwas langsamer, schwerfällig die Treppen herauf. Aber als auch er freudig von Frau Lüders begrüsst wurde, schienen ihm fünf Tonnen Steine vom Herzen zu fallen und mit wesentlich leichterem Schritt folgte er den zwei Frauen ins Haus. Auch er staunte nicht schlecht über die Einrichtung, die er hier vorfand. Und an den Wänden hingen Bilder von offensichtlich wichtigen Persönlichkeiten. Aber zum Staunen blieb nicht lange Zeit, denn sie wurden sofort in den Salon geführt. Die Gastgeberin meinte entschuldigend, dass sie hungrig sei und sie deshalb sofort das Essen servieren lassen wolle. Dagegen hatten auch Auguste und Opa nichts, denn seit dem Mittagessen hatten beide nichts mehr zu sich genommen.
Während sie nun das köstliche Mahl zu sich nahmen, unterhielten sie sich angeregt mit Maria, mit welcher sie mitlerweile Duzies gemacht hatten. Maria hatte viel von ihrem Leben erzählt und auch Auguste und Opa hatten einiges berichtet. Maria hatte Auguste ermuntert, sich in der Schule ordentlich anzustrengen, damit sie später einmal das Gymnasium besuchen könne und vielleicht sogar studieren könne. Auguste hatte diesen Vorschlag begeistert aufgenommen, denn nachdem was sie alles von Maria über das Studieren gehört hatte, schien es ihr äusserst spannend zu sein. Nach dem sie so eine Weile geplaudert hatten, fragte Maria endlich, was sie eigentlich schon von Anfang an interessiert hatte, nämlich was zwei Landmenschen in Berlin wollten. Auguste schaute den Opa fragend an. Sie wusste nicht, ob sie ihr wahres Vorhaben hier preisgeben durfte, doch der Opa nickte, denn er sah hier eine Chance. Diese Frau hatte gerade promoviert. Da sie die erste Frau war, mussten sie wohl fast alle an der Universität kennen. Wenn sie ihnen helfen würde, hätten sie vielleicht eine Chance einen der berühmten Professoren um Hilfe zu fragen. Auguste überlegte nicht so weit, doch aufgemuntert durch Opa, begann sie nun ihre Geschichte zu erzählen. Sie erzählte allerdings nicht die ganze Geschichte. Sie liess weg, dass es sich bei der Person, welche die fremden Sprachen sprach um einen Troll handle und nicht um einen Menschen. Stattdessen sagte sie, dass ein Reisender bei ihnen vorbeigekommen sei und sich im Wald niedergelassen hatte. Da er in ihrer Nähe wohnte, wollten sie sich jetzt mit ihm verständigen. Auguste schien diese Version passender, als Maria zu erzählen, dass sie einen Troll getroffen habe. Denn dann, so schien es ihr, würde die Wissenschaftlerin wohl an Augustes Glaubwürdigkeit zweifeln. In der Welt der Wissenschaft gab es nämlich keine Trolle und unsichtbare Wesen. Sogar Auguste wusste, dass diese Wesen als Mythologien und Unwahrheiten verschrien waren und dass nur Kinder, Dumme und solche, die nicht ganz bei Verstand waren an sie glauben durften. Auguste wollte aber keinesfall als unreifes Kind erscheinen, welches man noch nicht ernst nimmt.
Und der Plan funktionierte. Maria glaubte die Geschichte, obwohl sie sich wunderte, dass ein einzelner Reisender plötzlich in einem Wäldchen von Masuren hausen sollte. Aber sie hatte ja keinen Grund an der Aussage von Auguste zu zweifeln, denn warum sollten die zwei von ihrem kleinen Dorf einen so weiten Weg auf sich nehmen, wenn sie nicht wirklich ein wichtiges Vorhaben hätten. So fragte Maria, ob sie nicht die Zettel sehen könne, welche sie mitgebracht hätten. Opa breitete die Beute vor ihr aus. Maria staunte. "Mh..., sehr interessant", meinte sie, "aber leider kann ich euch nicht weiterhelfen. Ich bin keine Sprachwissenschaftlerin. Aber vielleicht lässt sich ja an der Universität jemand auftreiben, der euch helfen kann." Auguste fragte erfreut, ob sie denn morgen mit an die Universität kommen könnten und dort mit wichtigen Professoren sprechen könnten. Doch ganz so einfach war dies nicht. Maria meinte, dass sie zuerst jemanden finden müsse, der bereit wäre, sie zu empfangen. Die Gelehrten pflegten normalerweise keinen umgang mit ungebildeten Landmenschen. "Aber ich schreibe mir gerne ab, was ihr auf den Zetteln habt und lege das einigen Herren vor. Ihr könnt euch morgen einen schönen Tag machen und Berlin anschauen und am Abend werde ich mich wieder bei euch melden."
Augustes konnte ihre Enttäuschung nur schwer verbergen und so bemerkte auch Maria, dass Auguste diesen Vorschlag überhaupt nicht lustig fand. So versprach sie noch, dass sie dann übermorgen zur Universität gehen könnten. Aber Augustes Laune war dadurch nicht zu verbessern. Da der Abend schon vortgeschritten war, beschloss Opa, dass es nun langsam Zeit sei aufzubrechen. Sofort liess Maria ihnen die Kutsche herrichten und versprach noch einmal hoch und heilig, dass dies am nächsten Abend bei ihnen vorbeischauen wolle und ihnen berichten würde, wie die Dinge standen.
Sonntag, 13. Juli 2008
Kapitel 13: Zwei Landmenschen in Berlin
An der Rezeption wurde der Opa ganz anders empfangen, als er es erwartet hatte. Zwar war der Portier freundlich, sagte ihm aber auch bestimmt, dass er keine Zeit habe, um irgendwelche Wissenschaftler ausfindig zu machen. Opa war etwas enttäuscht. Wie sollte er sich jetzt zurechtfinden? Doch der Portier erwies sich doch noch als nützlich. Er zeigte dem Opa auf einem Stadtplan, wo sich das Hauptgebäude der Universität befand. Dort würde man ihm sicher weiterhelfen können. Um den beschriebenen Weg am nächsten Tag noch im Gedächtnis zu haben, marschierte der Opa gleich los und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Strassen wurden von riesigen, mehrstöckigen Bauten gesäumt, grösser als er es je zuvor gesehen hatte. Da waren die Häuser von Olsztyn, die ihm schon gross erschienen waren, direkt klein gewesen. Wie er so im Staunen war, kam er plötzlich an einem noch prächtigerem und grösseren Gebäude vorbei. Er hatte es tatsächlich in die Strasse "Unter den Linden" geschaft, ohne ein einziges Mal nach dem Weg fragen zu müssen. Nun blieb ihm vor Staunen fast die Luft weg. Dieser herrschaftliche Palast mit einer Statue Friedrichs und einem Park war also die Universität. Wo sollte er denn hier hineingehen? Es gab so viele verschiedene Türen und Fenster und aus allen kamen Menschen heraus oder gingen welche hinein. Es war schon immer sein Wunsch gewesen, einmal in die Friedrich-Wilhelm-Universität zu gehen. Und nun stand er davor und wusste nicht, wie er hinein sollte. Er beschloss, dieses Wagnis auf den nächsten Tag zu verschieben, denn schliesslich war morgen auch noch ein Tag und Auguste wüsste sicher einen Ausweg.
Opa schaute auf die Uhr und bemerkte voller Schreck, dass er bereits zwei Stunden umher geschlendert war. Auguste würde sicher schon wach sein.
Und tatsächlich. Auguste war aufgewacht und hatte den Opa bereits vermisst. Sie hatte an der Rezeption nach ihm gefragt und dort hatte man ihr gesagt, dass der Opa zur Universität aufgebrochen sei. Sie war ein wenig sauer. Was bildete sich Opa eigentlich ein? Sie einfach alleine zu lassen und ohne sie ihrer gemeinsamen Aufgabe nachzugehen? Wild entschlossen, ihn einzuholen eilte sie aus dem Hotel, ohne zu fragen, in welche Richtung sie müsse. Auf diese Idee war sie gar nicht gekommen. Denn sie war es von Zuhause gewohnt, dass man sehr schnell sehen würde, wohin man gehen musste. Eine Weile lang eilte sie ohne zu schauen der Strasse auf der sie sich gerade befand entlang. Dann begann sie sich, von Sehenswürdigkeiten leiten zulassen. Überall, wo sie etwas spannendes sah, bog sie ab und ging in diese Richtung. Berlin gefiel ihr super! Ach war es schön hier! Und gab es viel anzuschauen. Sie merkte gar nicht, dass sie sich bereits völlig verirrt hatte. Und plötzlich stand sie vor einem riesigen Tor mit zwei Elefanten als Säulenstütze. Nun wusste sie wo sie war. Sie war beim zoologischen Garten. Davon hatte der Lehrer zuhause erzählt. Von diesem Tierpark, in dem es soviele Tiere gab, dass man sie gar nicht alle zählen konnte. Glücklicherweise hatte Auguste einige Groschen in der Tasche und so konnte sie sich eine Kindereintrittskarte leisten. Sie zögerte nicht lange und gab ihr letztes Geld dafür aus, nur damit sie in den Tiergarten gehen könne. Glücklich stolzierte sie hinein und begann nach exotischen Tieren ausschauh zu halten. Sie musste auch gar nicht lange suchen und sie stand vor dem Elefantengehege. Ach waren diese Tiere riesig. Im Schulbuch hatte man sehen können dass sie eine enorme Grösse hatten, aber dass sie so gross waren, dass hatte sich Auguste beim besten Willen nicht vorstellen können. Versunken in Träumen und Gedanken wandelte sie durch den Zoo und bestaunte all die fremdartigen Tiere. Sie fühlte sich wie im Paradies. Bis ihr plötzlich ein Wärter auf dei Schulter klopfte und meinte: "Junges Fräulein, wir haben bereits geschlossen, soll ich sie zum Ausgang begleiten?" Erschrocken fragte Auguste den Mann, wie spät es denn sei. Es war bereits nach sechs Uhr abends! Was würde Opa denken, wenn er zurückkäme und sie nicht im Zimmer vorfinden würde? Doch wie sollte sie nun zum Hotel zurückkommen? Ja, wie hiess eigentlich das Hotel, in dem sie wohnten? Plötzlich merkte sie, dass sie sich verlaufen hatte und bekam Angst, dass sie Opa vielleicht nie wieder sehen würde. Ohne Geld konnte sie sich auch nichts zuessen kaufen, geschweige denn für eine Nachtunterkunft bezahlen. Da sie sich nicht zu helfen wusste, fing sie bitterlich an zu weinen. Der Wärter wusste nicht recht, was er mit dem heulenden Kind anfangen sollte und schob sie vorsichtig in Richtung Ausgang. Als sie dort ankamen fragte er das Mädchen, was es denn habe. Da erklärte ihm Auguste, dass sie nun muttereseelen allein sei und nicht wüsste, wie sie ihren Opa wieder finden sollte.
Doch Auguste hatte Glück, der Wärter war ein Kinderlieber Mensch, der alleine wohnte. Wenn er am Abend nach Hause kommen würde, wartete niemand auf ihn. So hatte er Zeit. Also entschloss er sich, Auguste zu helfen. Er bat sie, sie solle sich in das Kaffe auf der anderen Strassenseite setzten und auf ihn warten, bis er mit der Arbeit fertig sei. Er bestellte sogar eine heisse Schokolade für Auguste, eine Köstlichkeit, die sie noch nie zuvor geschmeckt hatte.
Es ging gar nicht lange und da kam der Wärter in ziviler Kleidung aus dem Zoo heraus. Er bat Auguste auf den Gepäckträger seines Fahrrades zu sitzen und begann mit ihr von Hotel zu Hotel zu fahren. Dabei hoffte er, dass das Mädchen wenigstens das Gebäude erkennen würde. Und tatsächlich, als sie etwa 1 1/2 Stunden unterwegs gewesen waren, rief Auguste plötzlich: "Dort vorne ist es!" Glücklich verabschiedete sie sich vom Wärter und versprach ihm, ihn noch einmal zu besuchen. In der Unterhaltung während ihrer kleinen Fahrradtour hatte Auguste erfahren, dass er Elefantenwärter war. Elefanten waren von den exotischen Tieren Augustes Lieblinge. Und so hatten sie sich prima über diese Tiere unterhalten können.
Als Auguste das Hotel betrat, warteten dort schon eine ganze Menge aufgeregter Personen. Der Opa war da, der Portier, ein Polizist, eine nervöse Dame und eine ganze Menge Schaulustiger. Alle hatten überlegt, wie sie Auguste am besten finden könnten. Als diese nun zur Tür hereinkam, ging ein Aufschrei durch die Menge: "Da ist sie ja!" Opa rannte auf sie zu, drückte sie in die Arme und schimpfte mit ihr, dass sie doch nicht einfach davonlaufen könne. Auguste freute sich den Opa zu sehen und weinter erleichtert, wieder in sicheren Armen geborgen zu sein. Gerührt von dem Glück, was die beiden zu empfinden schienen, kam die nervöse Dame etwas näher und lud sie zu sich zum Abendessen ein.
Opa wollte zuerst widersprechen, aber die Dame liess nicht mit sich reden. "Um acht Uhr werde ich sie von einer Kutsche abholen lassen." sagte sie nur und dann verschwand sie. Auguste fragte den Opa, was das für eine Dame sei, doch dieser wusste es selbst nicht. Also zogen sich die beiden auf ihr Zimmer zurück und machten sich fein, denn die Kutsche konnte jeden Augenblick kommen.
Opa schaute auf die Uhr und bemerkte voller Schreck, dass er bereits zwei Stunden umher geschlendert war. Auguste würde sicher schon wach sein.
Und tatsächlich. Auguste war aufgewacht und hatte den Opa bereits vermisst. Sie hatte an der Rezeption nach ihm gefragt und dort hatte man ihr gesagt, dass der Opa zur Universität aufgebrochen sei. Sie war ein wenig sauer. Was bildete sich Opa eigentlich ein? Sie einfach alleine zu lassen und ohne sie ihrer gemeinsamen Aufgabe nachzugehen? Wild entschlossen, ihn einzuholen eilte sie aus dem Hotel, ohne zu fragen, in welche Richtung sie müsse. Auf diese Idee war sie gar nicht gekommen. Denn sie war es von Zuhause gewohnt, dass man sehr schnell sehen würde, wohin man gehen musste. Eine Weile lang eilte sie ohne zu schauen der Strasse auf der sie sich gerade befand entlang. Dann begann sie sich, von Sehenswürdigkeiten leiten zulassen. Überall, wo sie etwas spannendes sah, bog sie ab und ging in diese Richtung. Berlin gefiel ihr super! Ach war es schön hier! Und gab es viel anzuschauen. Sie merkte gar nicht, dass sie sich bereits völlig verirrt hatte. Und plötzlich stand sie vor einem riesigen Tor mit zwei Elefanten als Säulenstütze. Nun wusste sie wo sie war. Sie war beim zoologischen Garten. Davon hatte der Lehrer zuhause erzählt. Von diesem Tierpark, in dem es soviele Tiere gab, dass man sie gar nicht alle zählen konnte. Glücklicherweise hatte Auguste einige Groschen in der Tasche und so konnte sie sich eine Kindereintrittskarte leisten. Sie zögerte nicht lange und gab ihr letztes Geld dafür aus, nur damit sie in den Tiergarten gehen könne. Glücklich stolzierte sie hinein und begann nach exotischen Tieren ausschauh zu halten. Sie musste auch gar nicht lange suchen und sie stand vor dem Elefantengehege. Ach waren diese Tiere riesig. Im Schulbuch hatte man sehen können dass sie eine enorme Grösse hatten, aber dass sie so gross waren, dass hatte sich Auguste beim besten Willen nicht vorstellen können. Versunken in Träumen und Gedanken wandelte sie durch den Zoo und bestaunte all die fremdartigen Tiere. Sie fühlte sich wie im Paradies. Bis ihr plötzlich ein Wärter auf dei Schulter klopfte und meinte: "Junges Fräulein, wir haben bereits geschlossen, soll ich sie zum Ausgang begleiten?" Erschrocken fragte Auguste den Mann, wie spät es denn sei. Es war bereits nach sechs Uhr abends! Was würde Opa denken, wenn er zurückkäme und sie nicht im Zimmer vorfinden würde? Doch wie sollte sie nun zum Hotel zurückkommen? Ja, wie hiess eigentlich das Hotel, in dem sie wohnten? Plötzlich merkte sie, dass sie sich verlaufen hatte und bekam Angst, dass sie Opa vielleicht nie wieder sehen würde. Ohne Geld konnte sie sich auch nichts zuessen kaufen, geschweige denn für eine Nachtunterkunft bezahlen. Da sie sich nicht zu helfen wusste, fing sie bitterlich an zu weinen. Der Wärter wusste nicht recht, was er mit dem heulenden Kind anfangen sollte und schob sie vorsichtig in Richtung Ausgang. Als sie dort ankamen fragte er das Mädchen, was es denn habe. Da erklärte ihm Auguste, dass sie nun muttereseelen allein sei und nicht wüsste, wie sie ihren Opa wieder finden sollte.
Doch Auguste hatte Glück, der Wärter war ein Kinderlieber Mensch, der alleine wohnte. Wenn er am Abend nach Hause kommen würde, wartete niemand auf ihn. So hatte er Zeit. Also entschloss er sich, Auguste zu helfen. Er bat sie, sie solle sich in das Kaffe auf der anderen Strassenseite setzten und auf ihn warten, bis er mit der Arbeit fertig sei. Er bestellte sogar eine heisse Schokolade für Auguste, eine Köstlichkeit, die sie noch nie zuvor geschmeckt hatte.
Es ging gar nicht lange und da kam der Wärter in ziviler Kleidung aus dem Zoo heraus. Er bat Auguste auf den Gepäckträger seines Fahrrades zu sitzen und begann mit ihr von Hotel zu Hotel zu fahren. Dabei hoffte er, dass das Mädchen wenigstens das Gebäude erkennen würde. Und tatsächlich, als sie etwa 1 1/2 Stunden unterwegs gewesen waren, rief Auguste plötzlich: "Dort vorne ist es!" Glücklich verabschiedete sie sich vom Wärter und versprach ihm, ihn noch einmal zu besuchen. In der Unterhaltung während ihrer kleinen Fahrradtour hatte Auguste erfahren, dass er Elefantenwärter war. Elefanten waren von den exotischen Tieren Augustes Lieblinge. Und so hatten sie sich prima über diese Tiere unterhalten können.
Als Auguste das Hotel betrat, warteten dort schon eine ganze Menge aufgeregter Personen. Der Opa war da, der Portier, ein Polizist, eine nervöse Dame und eine ganze Menge Schaulustiger. Alle hatten überlegt, wie sie Auguste am besten finden könnten. Als diese nun zur Tür hereinkam, ging ein Aufschrei durch die Menge: "Da ist sie ja!" Opa rannte auf sie zu, drückte sie in die Arme und schimpfte mit ihr, dass sie doch nicht einfach davonlaufen könne. Auguste freute sich den Opa zu sehen und weinter erleichtert, wieder in sicheren Armen geborgen zu sein. Gerührt von dem Glück, was die beiden zu empfinden schienen, kam die nervöse Dame etwas näher und lud sie zu sich zum Abendessen ein.
Opa wollte zuerst widersprechen, aber die Dame liess nicht mit sich reden. "Um acht Uhr werde ich sie von einer Kutsche abholen lassen." sagte sie nur und dann verschwand sie. Auguste fragte den Opa, was das für eine Dame sei, doch dieser wusste es selbst nicht. Also zogen sich die beiden auf ihr Zimmer zurück und machten sich fein, denn die Kutsche konnte jeden Augenblick kommen.
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