Doch Maria hatte sich getäuscht. Auch für sie war es nicht so einfach, bei den Professoren ein wenig Zeit zu bekommen. Sie hatte zwar promoviert und war somit in den Kreis der Gelehrten aufgenommen worden, hatte jedoch mit Sprachwissenschaft nichts am Hut, weshalb man sie dort nicht richtig kannte. Man hatte zwar schon von dieser bemerkenswerten Dame gehört, welche so gelehrt zu sein schien, doch hatte sie ihren Titel wirklich wegen ihres Geistes oder doch wegen ihrer Schönheit erworben?
Doch mit etwas hartnäckigkeit gelang es Maria, zu Herrn Otto Dempwollf vorzustossen. Dieser empfing sie überraschend freundlich. Nachdem er die Sätze auf ihrem Papier eingehend untersucht hatte, zuckte er mit den Schultern und meinte entschuldigend, dass es sich weder um Austronesische noch Afrikanische Sprachen handle. Dies schien ihm mehr in Richtung indogermanisch zu gehen, wobei es sich aber um zwei verschiedene Sprachen handeln müsse. Aber obwohl er ihr nicht weiterhelfen konnte, nannte er ihr drei Namen von Professoren, die ihr vielleicht weiterhelfen konnten. Alle drei seien allerdings nicht in Berlin anzutreffen. Zum einen verstehe sich Vilhelm Ludwig Thomsen aus Kopenhagen auf indogermanische Sprachen, zum anderen könne er aber auch Otto Schrader aus Breslau und Eduart Schwyzer aus Zürich empfehlen. Er anerbot sich sogar, allen drei Herren ein Telegram zukommen zu lassen, mit je einem Satz aus einer der zwei Sprachen. Zusammen gingen sie zum Postamt um die Telegramme aufzugeben. Maria bezahlte dafür, denn schliesslich gab sich der Professor ja ihretwegen die Mühe. Nach getaner Arbeit verabschiedete sie sich von Professor Dempwolff und machte sich auf in die Richtung des Hotels, in dem Auguste und Opa wohnten.
Als sie dort ankam, waren die beiden allerdings nicht zuhause, denn es war ja auch erst früher Nachmittag. Sie beschloss, sich in das Restaurant des Hotels zu setzten und gemütlich einen Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Vielleicht würden die zwei bald kommen.
Und sie musste auch gar nicht lange warten. Schon bald, sie hatte unterdessen 3 Tassen Kaffe getrunken, kamen Auguste und Opa müde ins Hotel zurück. Schon wollten sie die Treppe zu ihrem Zimmer hochgehen, als Auguste gewahrte, dass Maria im Restaurant sass und las. Obwohl sie völlig erschöpft war, sie waren den ganzen Tag zu Fuss in Berlin herummarschiert, um Geld zu sparen, brachte Auguste die Kraft auf, um ihren Schritt noch einmal zu beschleunigen und zu Maria zu eilen. Opa keuchte hinter ihr her.
Maria erzählte ihnen, was sie herausgefunden hatte und dass sie jetzt auf die Antwort der drei Herren warten müssten. Sie hoffte, dass bis morgen oder übermorgen eine Antwort eintreffen würde, wusste aber auch nicht, wass sie machen sollten, falls keine käme. Dann wäre wohl der letzte Weg, selbst nach Kopenhagen, Zürich oder Breslau zu fahren. Opa meinte, dass Breslau sowieso auf dem Weg zurück nach Hause liege und dass es wohl kein Problem sein würde, dort ein zwei Tage zu bleiben. Doch für eine Reise nach Zürich oder Kopenhagen hätte er sicher nicht genügend Geld.
Aber eigentlich war es sinnlos, sich Gedanken über die Zukunft zu machen, bevor eine Antwort gekommen war. Als Maria sich verabschiedet hatte, diskutierten Opa und Auguste noch lange, was sie machen sollten. Beide waren sehr gespannt, ob einer der Herren zurück telegraphieren würde und ob sie überhaupt helfen könnten. Besonders Auguste war ganz aufgeregt. Noch nie war sie in ihrem Leben einem Wissenschaftler begegnet und nun stand sie indirekt gleich mit vier von ihnen in Kontakt, ganz zu Schweigen davon, dass sie mit einer Wissenschaftlerin schon zusammen Abendbrot gegessen hatte. Vor lauter Aufregung konnte Auguste gar nicht schlafen. Würde sich morgen ihr Leben ändern? Was würde geschehen? Irgendetwas musste doch geschehen! Wenn die angeschriebenen Wissenschaftler nicht würden helfen können, dann wäre ihre ganze Exkursion für nichts gewesen. Wenn sie nicht helfen wollten, auch. Doch wenn sie helfen würden, dann könnte sie so viel lernen.
In dieser Nacht beschloss Auguste, dass sie auch einmal Sprachwissenschaftlerin werden wollte. Aber da musste jetzt noch einige Jahre warten. Zuerst musste das aktuelle Problem gelöst werden. Hoffentlich würde Olaf bis zu ihrer Rückkehr warten, damit sie dann mit ihm sprechen könnten! Ach, alles schien ihr momentan so kompliziert. Doch morgen, morgen würde sich vielleicht alles ändern, oder vielleicht auch nicht. Was würde morgen geschehen?
(Fortsetztung folgt erst in zwei Wochen, da ich abwesend sein werde)
Sonntag, 20. Juli 2008
Kapitel 14: Maria Lüders
Wie sich herausstellte, sollte sie die Kutsche, welche sie wenig später abholte zu Maria Elisabeth Lüders bringen. Die Junge Dame, welche Anfang ihres dritten Jahrzehntes stand, hatte soeben als erste deutsche Frau an der Universität in Berlin promoviert. All dies erzählte der Kutscher Opa und Auguste, damit sich diese gebührend verhalten konnten. Auguste imponierte es wahnsinnig, dass sie zu so einer gebildeten Frau unterwegs waren und auch der Opa hatte etwas Ehrfurcht. Er selbst hatte nicht einmal das Gymnasium besucht, nur die Landwirtschaftliche Fachschule. Er hatte keine Ahnung, wie er sich einer ihm so überlegenen Frau gegenüber verhalten sollte. Zuhause war er gegenüber des weiblichen Geschlechts in Bezug auf die Bildung meilenweit voraus. Doch dieser jungen Dame, die nichteinmal halb so alt war wie er, konnte er bezüglich Bildung das Wasser nicht reichen. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Die Kutsche näherte sich bedrohlich ihrme Ziel. An Flucht war nicht zu denken. Und was würde auch Auguste denken, wenn ihr Opa, den sie so verehrte, plötzlich Angst vor einer Frau zu haben schien?! Nein, er durfte sich nichts anmerken lassen, denn offensichtlich freute sich Auguste diese Frau zu treffen.
Maria Lüders wartete bereits im Hauseingang, als die Kutsche vor dem Haus vorfuhr. Freudig winkte Auguste und kaum hatte die Kutsche angehalten, da war sie auch schon die Treppen bis zum Eingang heraufgehüpft. Was für ein herrschaftliches Haus und was für eine vornehme Dame. Auguste freute sich, dass es ihr gegönnt war, ein solches Haus von innen zu sehen. Der Opa kam etwas langsamer, schwerfällig die Treppen herauf. Aber als auch er freudig von Frau Lüders begrüsst wurde, schienen ihm fünf Tonnen Steine vom Herzen zu fallen und mit wesentlich leichterem Schritt folgte er den zwei Frauen ins Haus. Auch er staunte nicht schlecht über die Einrichtung, die er hier vorfand. Und an den Wänden hingen Bilder von offensichtlich wichtigen Persönlichkeiten. Aber zum Staunen blieb nicht lange Zeit, denn sie wurden sofort in den Salon geführt. Die Gastgeberin meinte entschuldigend, dass sie hungrig sei und sie deshalb sofort das Essen servieren lassen wolle. Dagegen hatten auch Auguste und Opa nichts, denn seit dem Mittagessen hatten beide nichts mehr zu sich genommen.
Während sie nun das köstliche Mahl zu sich nahmen, unterhielten sie sich angeregt mit Maria, mit welcher sie mitlerweile Duzies gemacht hatten. Maria hatte viel von ihrem Leben erzählt und auch Auguste und Opa hatten einiges berichtet. Maria hatte Auguste ermuntert, sich in der Schule ordentlich anzustrengen, damit sie später einmal das Gymnasium besuchen könne und vielleicht sogar studieren könne. Auguste hatte diesen Vorschlag begeistert aufgenommen, denn nachdem was sie alles von Maria über das Studieren gehört hatte, schien es ihr äusserst spannend zu sein. Nach dem sie so eine Weile geplaudert hatten, fragte Maria endlich, was sie eigentlich schon von Anfang an interessiert hatte, nämlich was zwei Landmenschen in Berlin wollten. Auguste schaute den Opa fragend an. Sie wusste nicht, ob sie ihr wahres Vorhaben hier preisgeben durfte, doch der Opa nickte, denn er sah hier eine Chance. Diese Frau hatte gerade promoviert. Da sie die erste Frau war, mussten sie wohl fast alle an der Universität kennen. Wenn sie ihnen helfen würde, hätten sie vielleicht eine Chance einen der berühmten Professoren um Hilfe zu fragen. Auguste überlegte nicht so weit, doch aufgemuntert durch Opa, begann sie nun ihre Geschichte zu erzählen. Sie erzählte allerdings nicht die ganze Geschichte. Sie liess weg, dass es sich bei der Person, welche die fremden Sprachen sprach um einen Troll handle und nicht um einen Menschen. Stattdessen sagte sie, dass ein Reisender bei ihnen vorbeigekommen sei und sich im Wald niedergelassen hatte. Da er in ihrer Nähe wohnte, wollten sie sich jetzt mit ihm verständigen. Auguste schien diese Version passender, als Maria zu erzählen, dass sie einen Troll getroffen habe. Denn dann, so schien es ihr, würde die Wissenschaftlerin wohl an Augustes Glaubwürdigkeit zweifeln. In der Welt der Wissenschaft gab es nämlich keine Trolle und unsichtbare Wesen. Sogar Auguste wusste, dass diese Wesen als Mythologien und Unwahrheiten verschrien waren und dass nur Kinder, Dumme und solche, die nicht ganz bei Verstand waren an sie glauben durften. Auguste wollte aber keinesfall als unreifes Kind erscheinen, welches man noch nicht ernst nimmt.
Und der Plan funktionierte. Maria glaubte die Geschichte, obwohl sie sich wunderte, dass ein einzelner Reisender plötzlich in einem Wäldchen von Masuren hausen sollte. Aber sie hatte ja keinen Grund an der Aussage von Auguste zu zweifeln, denn warum sollten die zwei von ihrem kleinen Dorf einen so weiten Weg auf sich nehmen, wenn sie nicht wirklich ein wichtiges Vorhaben hätten. So fragte Maria, ob sie nicht die Zettel sehen könne, welche sie mitgebracht hätten. Opa breitete die Beute vor ihr aus. Maria staunte. "Mh..., sehr interessant", meinte sie, "aber leider kann ich euch nicht weiterhelfen. Ich bin keine Sprachwissenschaftlerin. Aber vielleicht lässt sich ja an der Universität jemand auftreiben, der euch helfen kann." Auguste fragte erfreut, ob sie denn morgen mit an die Universität kommen könnten und dort mit wichtigen Professoren sprechen könnten. Doch ganz so einfach war dies nicht. Maria meinte, dass sie zuerst jemanden finden müsse, der bereit wäre, sie zu empfangen. Die Gelehrten pflegten normalerweise keinen umgang mit ungebildeten Landmenschen. "Aber ich schreibe mir gerne ab, was ihr auf den Zetteln habt und lege das einigen Herren vor. Ihr könnt euch morgen einen schönen Tag machen und Berlin anschauen und am Abend werde ich mich wieder bei euch melden."
Augustes konnte ihre Enttäuschung nur schwer verbergen und so bemerkte auch Maria, dass Auguste diesen Vorschlag überhaupt nicht lustig fand. So versprach sie noch, dass sie dann übermorgen zur Universität gehen könnten. Aber Augustes Laune war dadurch nicht zu verbessern. Da der Abend schon vortgeschritten war, beschloss Opa, dass es nun langsam Zeit sei aufzubrechen. Sofort liess Maria ihnen die Kutsche herrichten und versprach noch einmal hoch und heilig, dass dies am nächsten Abend bei ihnen vorbeischauen wolle und ihnen berichten würde, wie die Dinge standen.
Maria Lüders wartete bereits im Hauseingang, als die Kutsche vor dem Haus vorfuhr. Freudig winkte Auguste und kaum hatte die Kutsche angehalten, da war sie auch schon die Treppen bis zum Eingang heraufgehüpft. Was für ein herrschaftliches Haus und was für eine vornehme Dame. Auguste freute sich, dass es ihr gegönnt war, ein solches Haus von innen zu sehen. Der Opa kam etwas langsamer, schwerfällig die Treppen herauf. Aber als auch er freudig von Frau Lüders begrüsst wurde, schienen ihm fünf Tonnen Steine vom Herzen zu fallen und mit wesentlich leichterem Schritt folgte er den zwei Frauen ins Haus. Auch er staunte nicht schlecht über die Einrichtung, die er hier vorfand. Und an den Wänden hingen Bilder von offensichtlich wichtigen Persönlichkeiten. Aber zum Staunen blieb nicht lange Zeit, denn sie wurden sofort in den Salon geführt. Die Gastgeberin meinte entschuldigend, dass sie hungrig sei und sie deshalb sofort das Essen servieren lassen wolle. Dagegen hatten auch Auguste und Opa nichts, denn seit dem Mittagessen hatten beide nichts mehr zu sich genommen.
Während sie nun das köstliche Mahl zu sich nahmen, unterhielten sie sich angeregt mit Maria, mit welcher sie mitlerweile Duzies gemacht hatten. Maria hatte viel von ihrem Leben erzählt und auch Auguste und Opa hatten einiges berichtet. Maria hatte Auguste ermuntert, sich in der Schule ordentlich anzustrengen, damit sie später einmal das Gymnasium besuchen könne und vielleicht sogar studieren könne. Auguste hatte diesen Vorschlag begeistert aufgenommen, denn nachdem was sie alles von Maria über das Studieren gehört hatte, schien es ihr äusserst spannend zu sein. Nach dem sie so eine Weile geplaudert hatten, fragte Maria endlich, was sie eigentlich schon von Anfang an interessiert hatte, nämlich was zwei Landmenschen in Berlin wollten. Auguste schaute den Opa fragend an. Sie wusste nicht, ob sie ihr wahres Vorhaben hier preisgeben durfte, doch der Opa nickte, denn er sah hier eine Chance. Diese Frau hatte gerade promoviert. Da sie die erste Frau war, mussten sie wohl fast alle an der Universität kennen. Wenn sie ihnen helfen würde, hätten sie vielleicht eine Chance einen der berühmten Professoren um Hilfe zu fragen. Auguste überlegte nicht so weit, doch aufgemuntert durch Opa, begann sie nun ihre Geschichte zu erzählen. Sie erzählte allerdings nicht die ganze Geschichte. Sie liess weg, dass es sich bei der Person, welche die fremden Sprachen sprach um einen Troll handle und nicht um einen Menschen. Stattdessen sagte sie, dass ein Reisender bei ihnen vorbeigekommen sei und sich im Wald niedergelassen hatte. Da er in ihrer Nähe wohnte, wollten sie sich jetzt mit ihm verständigen. Auguste schien diese Version passender, als Maria zu erzählen, dass sie einen Troll getroffen habe. Denn dann, so schien es ihr, würde die Wissenschaftlerin wohl an Augustes Glaubwürdigkeit zweifeln. In der Welt der Wissenschaft gab es nämlich keine Trolle und unsichtbare Wesen. Sogar Auguste wusste, dass diese Wesen als Mythologien und Unwahrheiten verschrien waren und dass nur Kinder, Dumme und solche, die nicht ganz bei Verstand waren an sie glauben durften. Auguste wollte aber keinesfall als unreifes Kind erscheinen, welches man noch nicht ernst nimmt.
Und der Plan funktionierte. Maria glaubte die Geschichte, obwohl sie sich wunderte, dass ein einzelner Reisender plötzlich in einem Wäldchen von Masuren hausen sollte. Aber sie hatte ja keinen Grund an der Aussage von Auguste zu zweifeln, denn warum sollten die zwei von ihrem kleinen Dorf einen so weiten Weg auf sich nehmen, wenn sie nicht wirklich ein wichtiges Vorhaben hätten. So fragte Maria, ob sie nicht die Zettel sehen könne, welche sie mitgebracht hätten. Opa breitete die Beute vor ihr aus. Maria staunte. "Mh..., sehr interessant", meinte sie, "aber leider kann ich euch nicht weiterhelfen. Ich bin keine Sprachwissenschaftlerin. Aber vielleicht lässt sich ja an der Universität jemand auftreiben, der euch helfen kann." Auguste fragte erfreut, ob sie denn morgen mit an die Universität kommen könnten und dort mit wichtigen Professoren sprechen könnten. Doch ganz so einfach war dies nicht. Maria meinte, dass sie zuerst jemanden finden müsse, der bereit wäre, sie zu empfangen. Die Gelehrten pflegten normalerweise keinen umgang mit ungebildeten Landmenschen. "Aber ich schreibe mir gerne ab, was ihr auf den Zetteln habt und lege das einigen Herren vor. Ihr könnt euch morgen einen schönen Tag machen und Berlin anschauen und am Abend werde ich mich wieder bei euch melden."
Augustes konnte ihre Enttäuschung nur schwer verbergen und so bemerkte auch Maria, dass Auguste diesen Vorschlag überhaupt nicht lustig fand. So versprach sie noch, dass sie dann übermorgen zur Universität gehen könnten. Aber Augustes Laune war dadurch nicht zu verbessern. Da der Abend schon vortgeschritten war, beschloss Opa, dass es nun langsam Zeit sei aufzubrechen. Sofort liess Maria ihnen die Kutsche herrichten und versprach noch einmal hoch und heilig, dass dies am nächsten Abend bei ihnen vorbeischauen wolle und ihnen berichten würde, wie die Dinge standen.
Sonntag, 13. Juli 2008
Kapitel 13: Zwei Landmenschen in Berlin
An der Rezeption wurde der Opa ganz anders empfangen, als er es erwartet hatte. Zwar war der Portier freundlich, sagte ihm aber auch bestimmt, dass er keine Zeit habe, um irgendwelche Wissenschaftler ausfindig zu machen. Opa war etwas enttäuscht. Wie sollte er sich jetzt zurechtfinden? Doch der Portier erwies sich doch noch als nützlich. Er zeigte dem Opa auf einem Stadtplan, wo sich das Hauptgebäude der Universität befand. Dort würde man ihm sicher weiterhelfen können. Um den beschriebenen Weg am nächsten Tag noch im Gedächtnis zu haben, marschierte der Opa gleich los und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Strassen wurden von riesigen, mehrstöckigen Bauten gesäumt, grösser als er es je zuvor gesehen hatte. Da waren die Häuser von Olsztyn, die ihm schon gross erschienen waren, direkt klein gewesen. Wie er so im Staunen war, kam er plötzlich an einem noch prächtigerem und grösseren Gebäude vorbei. Er hatte es tatsächlich in die Strasse "Unter den Linden" geschaft, ohne ein einziges Mal nach dem Weg fragen zu müssen. Nun blieb ihm vor Staunen fast die Luft weg. Dieser herrschaftliche Palast mit einer Statue Friedrichs und einem Park war also die Universität. Wo sollte er denn hier hineingehen? Es gab so viele verschiedene Türen und Fenster und aus allen kamen Menschen heraus oder gingen welche hinein. Es war schon immer sein Wunsch gewesen, einmal in die Friedrich-Wilhelm-Universität zu gehen. Und nun stand er davor und wusste nicht, wie er hinein sollte. Er beschloss, dieses Wagnis auf den nächsten Tag zu verschieben, denn schliesslich war morgen auch noch ein Tag und Auguste wüsste sicher einen Ausweg.
Opa schaute auf die Uhr und bemerkte voller Schreck, dass er bereits zwei Stunden umher geschlendert war. Auguste würde sicher schon wach sein.
Und tatsächlich. Auguste war aufgewacht und hatte den Opa bereits vermisst. Sie hatte an der Rezeption nach ihm gefragt und dort hatte man ihr gesagt, dass der Opa zur Universität aufgebrochen sei. Sie war ein wenig sauer. Was bildete sich Opa eigentlich ein? Sie einfach alleine zu lassen und ohne sie ihrer gemeinsamen Aufgabe nachzugehen? Wild entschlossen, ihn einzuholen eilte sie aus dem Hotel, ohne zu fragen, in welche Richtung sie müsse. Auf diese Idee war sie gar nicht gekommen. Denn sie war es von Zuhause gewohnt, dass man sehr schnell sehen würde, wohin man gehen musste. Eine Weile lang eilte sie ohne zu schauen der Strasse auf der sie sich gerade befand entlang. Dann begann sie sich, von Sehenswürdigkeiten leiten zulassen. Überall, wo sie etwas spannendes sah, bog sie ab und ging in diese Richtung. Berlin gefiel ihr super! Ach war es schön hier! Und gab es viel anzuschauen. Sie merkte gar nicht, dass sie sich bereits völlig verirrt hatte. Und plötzlich stand sie vor einem riesigen Tor mit zwei Elefanten als Säulenstütze. Nun wusste sie wo sie war. Sie war beim zoologischen Garten. Davon hatte der Lehrer zuhause erzählt. Von diesem Tierpark, in dem es soviele Tiere gab, dass man sie gar nicht alle zählen konnte. Glücklicherweise hatte Auguste einige Groschen in der Tasche und so konnte sie sich eine Kindereintrittskarte leisten. Sie zögerte nicht lange und gab ihr letztes Geld dafür aus, nur damit sie in den Tiergarten gehen könne. Glücklich stolzierte sie hinein und begann nach exotischen Tieren ausschauh zu halten. Sie musste auch gar nicht lange suchen und sie stand vor dem Elefantengehege. Ach waren diese Tiere riesig. Im Schulbuch hatte man sehen können dass sie eine enorme Grösse hatten, aber dass sie so gross waren, dass hatte sich Auguste beim besten Willen nicht vorstellen können. Versunken in Träumen und Gedanken wandelte sie durch den Zoo und bestaunte all die fremdartigen Tiere. Sie fühlte sich wie im Paradies. Bis ihr plötzlich ein Wärter auf dei Schulter klopfte und meinte: "Junges Fräulein, wir haben bereits geschlossen, soll ich sie zum Ausgang begleiten?" Erschrocken fragte Auguste den Mann, wie spät es denn sei. Es war bereits nach sechs Uhr abends! Was würde Opa denken, wenn er zurückkäme und sie nicht im Zimmer vorfinden würde? Doch wie sollte sie nun zum Hotel zurückkommen? Ja, wie hiess eigentlich das Hotel, in dem sie wohnten? Plötzlich merkte sie, dass sie sich verlaufen hatte und bekam Angst, dass sie Opa vielleicht nie wieder sehen würde. Ohne Geld konnte sie sich auch nichts zuessen kaufen, geschweige denn für eine Nachtunterkunft bezahlen. Da sie sich nicht zu helfen wusste, fing sie bitterlich an zu weinen. Der Wärter wusste nicht recht, was er mit dem heulenden Kind anfangen sollte und schob sie vorsichtig in Richtung Ausgang. Als sie dort ankamen fragte er das Mädchen, was es denn habe. Da erklärte ihm Auguste, dass sie nun muttereseelen allein sei und nicht wüsste, wie sie ihren Opa wieder finden sollte.
Doch Auguste hatte Glück, der Wärter war ein Kinderlieber Mensch, der alleine wohnte. Wenn er am Abend nach Hause kommen würde, wartete niemand auf ihn. So hatte er Zeit. Also entschloss er sich, Auguste zu helfen. Er bat sie, sie solle sich in das Kaffe auf der anderen Strassenseite setzten und auf ihn warten, bis er mit der Arbeit fertig sei. Er bestellte sogar eine heisse Schokolade für Auguste, eine Köstlichkeit, die sie noch nie zuvor geschmeckt hatte.
Es ging gar nicht lange und da kam der Wärter in ziviler Kleidung aus dem Zoo heraus. Er bat Auguste auf den Gepäckträger seines Fahrrades zu sitzen und begann mit ihr von Hotel zu Hotel zu fahren. Dabei hoffte er, dass das Mädchen wenigstens das Gebäude erkennen würde. Und tatsächlich, als sie etwa 1 1/2 Stunden unterwegs gewesen waren, rief Auguste plötzlich: "Dort vorne ist es!" Glücklich verabschiedete sie sich vom Wärter und versprach ihm, ihn noch einmal zu besuchen. In der Unterhaltung während ihrer kleinen Fahrradtour hatte Auguste erfahren, dass er Elefantenwärter war. Elefanten waren von den exotischen Tieren Augustes Lieblinge. Und so hatten sie sich prima über diese Tiere unterhalten können.
Als Auguste das Hotel betrat, warteten dort schon eine ganze Menge aufgeregter Personen. Der Opa war da, der Portier, ein Polizist, eine nervöse Dame und eine ganze Menge Schaulustiger. Alle hatten überlegt, wie sie Auguste am besten finden könnten. Als diese nun zur Tür hereinkam, ging ein Aufschrei durch die Menge: "Da ist sie ja!" Opa rannte auf sie zu, drückte sie in die Arme und schimpfte mit ihr, dass sie doch nicht einfach davonlaufen könne. Auguste freute sich den Opa zu sehen und weinter erleichtert, wieder in sicheren Armen geborgen zu sein. Gerührt von dem Glück, was die beiden zu empfinden schienen, kam die nervöse Dame etwas näher und lud sie zu sich zum Abendessen ein.
Opa wollte zuerst widersprechen, aber die Dame liess nicht mit sich reden. "Um acht Uhr werde ich sie von einer Kutsche abholen lassen." sagte sie nur und dann verschwand sie. Auguste fragte den Opa, was das für eine Dame sei, doch dieser wusste es selbst nicht. Also zogen sich die beiden auf ihr Zimmer zurück und machten sich fein, denn die Kutsche konnte jeden Augenblick kommen.
Opa schaute auf die Uhr und bemerkte voller Schreck, dass er bereits zwei Stunden umher geschlendert war. Auguste würde sicher schon wach sein.
Und tatsächlich. Auguste war aufgewacht und hatte den Opa bereits vermisst. Sie hatte an der Rezeption nach ihm gefragt und dort hatte man ihr gesagt, dass der Opa zur Universität aufgebrochen sei. Sie war ein wenig sauer. Was bildete sich Opa eigentlich ein? Sie einfach alleine zu lassen und ohne sie ihrer gemeinsamen Aufgabe nachzugehen? Wild entschlossen, ihn einzuholen eilte sie aus dem Hotel, ohne zu fragen, in welche Richtung sie müsse. Auf diese Idee war sie gar nicht gekommen. Denn sie war es von Zuhause gewohnt, dass man sehr schnell sehen würde, wohin man gehen musste. Eine Weile lang eilte sie ohne zu schauen der Strasse auf der sie sich gerade befand entlang. Dann begann sie sich, von Sehenswürdigkeiten leiten zulassen. Überall, wo sie etwas spannendes sah, bog sie ab und ging in diese Richtung. Berlin gefiel ihr super! Ach war es schön hier! Und gab es viel anzuschauen. Sie merkte gar nicht, dass sie sich bereits völlig verirrt hatte. Und plötzlich stand sie vor einem riesigen Tor mit zwei Elefanten als Säulenstütze. Nun wusste sie wo sie war. Sie war beim zoologischen Garten. Davon hatte der Lehrer zuhause erzählt. Von diesem Tierpark, in dem es soviele Tiere gab, dass man sie gar nicht alle zählen konnte. Glücklicherweise hatte Auguste einige Groschen in der Tasche und so konnte sie sich eine Kindereintrittskarte leisten. Sie zögerte nicht lange und gab ihr letztes Geld dafür aus, nur damit sie in den Tiergarten gehen könne. Glücklich stolzierte sie hinein und begann nach exotischen Tieren ausschauh zu halten. Sie musste auch gar nicht lange suchen und sie stand vor dem Elefantengehege. Ach waren diese Tiere riesig. Im Schulbuch hatte man sehen können dass sie eine enorme Grösse hatten, aber dass sie so gross waren, dass hatte sich Auguste beim besten Willen nicht vorstellen können. Versunken in Träumen und Gedanken wandelte sie durch den Zoo und bestaunte all die fremdartigen Tiere. Sie fühlte sich wie im Paradies. Bis ihr plötzlich ein Wärter auf dei Schulter klopfte und meinte: "Junges Fräulein, wir haben bereits geschlossen, soll ich sie zum Ausgang begleiten?" Erschrocken fragte Auguste den Mann, wie spät es denn sei. Es war bereits nach sechs Uhr abends! Was würde Opa denken, wenn er zurückkäme und sie nicht im Zimmer vorfinden würde? Doch wie sollte sie nun zum Hotel zurückkommen? Ja, wie hiess eigentlich das Hotel, in dem sie wohnten? Plötzlich merkte sie, dass sie sich verlaufen hatte und bekam Angst, dass sie Opa vielleicht nie wieder sehen würde. Ohne Geld konnte sie sich auch nichts zuessen kaufen, geschweige denn für eine Nachtunterkunft bezahlen. Da sie sich nicht zu helfen wusste, fing sie bitterlich an zu weinen. Der Wärter wusste nicht recht, was er mit dem heulenden Kind anfangen sollte und schob sie vorsichtig in Richtung Ausgang. Als sie dort ankamen fragte er das Mädchen, was es denn habe. Da erklärte ihm Auguste, dass sie nun muttereseelen allein sei und nicht wüsste, wie sie ihren Opa wieder finden sollte.
Doch Auguste hatte Glück, der Wärter war ein Kinderlieber Mensch, der alleine wohnte. Wenn er am Abend nach Hause kommen würde, wartete niemand auf ihn. So hatte er Zeit. Also entschloss er sich, Auguste zu helfen. Er bat sie, sie solle sich in das Kaffe auf der anderen Strassenseite setzten und auf ihn warten, bis er mit der Arbeit fertig sei. Er bestellte sogar eine heisse Schokolade für Auguste, eine Köstlichkeit, die sie noch nie zuvor geschmeckt hatte.
Es ging gar nicht lange und da kam der Wärter in ziviler Kleidung aus dem Zoo heraus. Er bat Auguste auf den Gepäckträger seines Fahrrades zu sitzen und begann mit ihr von Hotel zu Hotel zu fahren. Dabei hoffte er, dass das Mädchen wenigstens das Gebäude erkennen würde. Und tatsächlich, als sie etwa 1 1/2 Stunden unterwegs gewesen waren, rief Auguste plötzlich: "Dort vorne ist es!" Glücklich verabschiedete sie sich vom Wärter und versprach ihm, ihn noch einmal zu besuchen. In der Unterhaltung während ihrer kleinen Fahrradtour hatte Auguste erfahren, dass er Elefantenwärter war. Elefanten waren von den exotischen Tieren Augustes Lieblinge. Und so hatten sie sich prima über diese Tiere unterhalten können.
Als Auguste das Hotel betrat, warteten dort schon eine ganze Menge aufgeregter Personen. Der Opa war da, der Portier, ein Polizist, eine nervöse Dame und eine ganze Menge Schaulustiger. Alle hatten überlegt, wie sie Auguste am besten finden könnten. Als diese nun zur Tür hereinkam, ging ein Aufschrei durch die Menge: "Da ist sie ja!" Opa rannte auf sie zu, drückte sie in die Arme und schimpfte mit ihr, dass sie doch nicht einfach davonlaufen könne. Auguste freute sich den Opa zu sehen und weinter erleichtert, wieder in sicheren Armen geborgen zu sein. Gerührt von dem Glück, was die beiden zu empfinden schienen, kam die nervöse Dame etwas näher und lud sie zu sich zum Abendessen ein.
Opa wollte zuerst widersprechen, aber die Dame liess nicht mit sich reden. "Um acht Uhr werde ich sie von einer Kutsche abholen lassen." sagte sie nur und dann verschwand sie. Auguste fragte den Opa, was das für eine Dame sei, doch dieser wusste es selbst nicht. Also zogen sich die beiden auf ihr Zimmer zurück und machten sich fein, denn die Kutsche konnte jeden Augenblick kommen.
Sonntag, 6. Juli 2008
Kapitel 12: Allenstein und weiter
Der nächste Tag gestalltete sich sowohl für Opa, als auch für Auguste herrlich. Früh am Morgen wachten beide auf und machten sich gestärkt durch ein währschaftes Frühstück auf, die Stadt zu erobern. Schon allein, als die zwei durch das Hohe Tor am Eingang des Stadtzentrums schritten, konnte Auguste vor lauter Staunen nicht genug bekommen. Wie konnte man nur so hohe Bauwerke erstellen? Und dann erst noch das prächtige Rathaus! Und diese herrlichen Kirchen. Zuhause bei ihnen gab es auch eine kleine Kirche, doch mit der riesigen Hauptkirche von Allenstein liess sie sich beim besten Willen nicht vergleichen. Besonders gefiel Auguste der Park, welcher sich rund um den Stadtkern entlang des Flusses zog. Und natürlich war sie auch von der Burg begeistert. Sie konnte sich lebhaft vorstellen, wie hier vor vielen Jahren die Ritter gewohnt hatten und das Land verteidigten. Was auch immer sie angerichtet oder erreicht hatten, auf jeden Fall war ihre Hinterlassenschaft grossartig. Schon nur die ganzen Kostbarkeiten an Schmuck und Rüstungen. Ach wie wunderschön war dies alles. Und zur Krönung des Tages bekam Auguste auch noch ein süsses Gebäck, welches so herrlich schmeckte, wie sie es sich in ihren kühnsten Träumen nicht hatte erahnen können.
Am abend fielen beide müde und erschöft, aber glücklich über den schönen Tag ins Bett und schliefen fest. Am nächsten Tag setzen sie die Reise mit dem Zug fort. Doch obwohl sie noch viel eindrückliches zu sehen bekamen, konnte nichts die allerersten Eindrücke von Auguste erreichen. Obwohl sie jetzt in immer grössere Städte kamen und immer prächtigere Bauwerke zu sehen bekamen, so war doch alles gewissermassen immer wieder Wiederholung. Opa und Auguste kamen an einem Ort an, übernachteten und schauten sich die Sehenswürdigkeiten eines Ortes an.
Wirklich beeindruckt war Auguste erst wieder, als sie eines Morgens nach einer durchfahrenen Nacht in Berlin ankamen. Die Hauptstadt des damaligen deutschen Reiches erstrahlte in schönstem Sonnenschein. Und sie war so unglaublich gross. Grösser als alles, was Auguste und Opa bis jetzt gesehen hatten. Schon um ihr Hotel, wo sie die nächste Woche bleiben wollten, zu finden, benötigten sie fast den ganzen Vormittag. Die Strassen waren lärmig und geschäftig und Auguste machte dieses Treiben fast ein wenig Angst. Nun wurde ihr zum ersten Mal bewusst, wie unbedeutend und klein ihr eigenes Heimatdorf doch war. Würde sie ein hochgelehrter Universitätsprofessor überhaupt empfangen, sie die aus den Wäldern Masurens kamen, was hier in Berlin als rückständige Gegend abgetan wurde? Wie sollten sie in dieser riesigen Stadt überhaupt die Universität und dern richtigen Professor finden? Immer mehr Zweifel machten sich in ihr breit und am Schluss wurde ihr von dem vielen Überlegen ganz übel. Dem Opa schien es ähnlich zu gehen, denn als sie meinte, sie wolle das Mittagessen lieber im Hotel einnehmen und nachher etwas schlafen, da sie sehr müde sei, willigte er bereitwillig, ja gar erleichtert ein.
Was würden die zwei in dieser Weltmetropole erreichen können? Würde ihr unternehmen erfolgreich enden? würden sie sich in wenigen Wochen mit dem Troll unterhalten können? All diese momentan unlösbaren Fragen gingen Opa durch den Kopf. Er beschloss, sobald Auguste schlafen würde, in die Hotelrezeption zu gehen und und sich so gut wie möglich über die wichtigsten Dinge zu informieren, dass er wenn Auguste aufwachen würde nicht so unwissend sein würde, wie er es jetzt war. Denn schliesslich verliess sich die Kleine voll und ganz auf ihren Opa und dachte, er habe alles im Griff.
Am abend fielen beide müde und erschöft, aber glücklich über den schönen Tag ins Bett und schliefen fest. Am nächsten Tag setzen sie die Reise mit dem Zug fort. Doch obwohl sie noch viel eindrückliches zu sehen bekamen, konnte nichts die allerersten Eindrücke von Auguste erreichen. Obwohl sie jetzt in immer grössere Städte kamen und immer prächtigere Bauwerke zu sehen bekamen, so war doch alles gewissermassen immer wieder Wiederholung. Opa und Auguste kamen an einem Ort an, übernachteten und schauten sich die Sehenswürdigkeiten eines Ortes an.
Wirklich beeindruckt war Auguste erst wieder, als sie eines Morgens nach einer durchfahrenen Nacht in Berlin ankamen. Die Hauptstadt des damaligen deutschen Reiches erstrahlte in schönstem Sonnenschein. Und sie war so unglaublich gross. Grösser als alles, was Auguste und Opa bis jetzt gesehen hatten. Schon um ihr Hotel, wo sie die nächste Woche bleiben wollten, zu finden, benötigten sie fast den ganzen Vormittag. Die Strassen waren lärmig und geschäftig und Auguste machte dieses Treiben fast ein wenig Angst. Nun wurde ihr zum ersten Mal bewusst, wie unbedeutend und klein ihr eigenes Heimatdorf doch war. Würde sie ein hochgelehrter Universitätsprofessor überhaupt empfangen, sie die aus den Wäldern Masurens kamen, was hier in Berlin als rückständige Gegend abgetan wurde? Wie sollten sie in dieser riesigen Stadt überhaupt die Universität und dern richtigen Professor finden? Immer mehr Zweifel machten sich in ihr breit und am Schluss wurde ihr von dem vielen Überlegen ganz übel. Dem Opa schien es ähnlich zu gehen, denn als sie meinte, sie wolle das Mittagessen lieber im Hotel einnehmen und nachher etwas schlafen, da sie sehr müde sei, willigte er bereitwillig, ja gar erleichtert ein.
Was würden die zwei in dieser Weltmetropole erreichen können? Würde ihr unternehmen erfolgreich enden? würden sie sich in wenigen Wochen mit dem Troll unterhalten können? All diese momentan unlösbaren Fragen gingen Opa durch den Kopf. Er beschloss, sobald Auguste schlafen würde, in die Hotelrezeption zu gehen und und sich so gut wie möglich über die wichtigsten Dinge zu informieren, dass er wenn Auguste aufwachen würde nicht so unwissend sein würde, wie er es jetzt war. Denn schliesslich verliess sich die Kleine voll und ganz auf ihren Opa und dachte, er habe alles im Griff.
Montag, 30. Juni 2008
Kapitel 11: Die Reise beginnt
Einige Tage später war es dann soweit. Am frühen morgen verliessen Auguste und Opa zusammen mit den grossen Schwestern, der Mutter und dem Vater und natürlich dem Kutscher den Hof. Der Vater hatte die grosse Sonntagskutsche vorspannen lassen. Schliesslich reiste seine Tochter ja nicht jeden Tag in die Ferne. Schon von weitem erkannte Auguste die Kirchentürme von Lyck/ Elk. Je näher sie dem Städtchen kamen, desto aufgeregter wurde sie. Das erste Mal in ihrem Leben käme sie in eine Stadt. Doch viel würde sie nicht davon sehen. Denn ihr Ziel war der Bahnhof. Als sie dort angekommen waren, wurden die zwei Koffer von Auguste und Opa abgeladen, ein Proviantkorb wurde herunter gereicht und dann begann man sich zu verabschieden. Damals war eine weite Reise nichts ungefährliches. Man wusste nie, ob man heil zurückkommen würde. Alle drückten und umarmten sich und es flossen sogar Tränen. Auguste war es mulmig zumute. Sie war aufgeregt, doch sie hatte auch Angst und fühlte sich traurig. Was würde auf sie zukommen?
Viel Zeit zum überlegen blieb ihr nicht. Schon bald fuhr der Zug mit viel Getöse und Gequitsche in den Bahnhof ein. Opa und Auguste bestiegen den Zug. Opa hatte zwei Fensterplätze für sie reserviert, so könnten sie bis zur Abfahrt des Zuges noch mit den Daheimbleibenden sprechen. Und dann kam das Signal. Mit einem Ruck setzte sich der Zug in Bewegung, begann zu pfeiffen und stiess Dampf aus. Opa und Auguste winkten aus Leibeskräften. Sie winkten auch noch, als sie die am Bahnhofstehenden schon lange nicht mehr sehen konnten. Auch der Opa war etwas nervös und besorgt. In seinem hohen Alter war es nicht sicher, dass er die lange Reise auch wieder zurück schaffen würde. Konnte es sein, dass er seinen Hof, auf dem er aufgewachsen war zum Letzten Mal gesehen hatte? Aber bekümmert war er nicht, denn er erfüllte sich gerade einen Kindheitstraum. Er hatte schon immer einmal davon geträumt in den Westen nach Berlin zu fahren. Dort vielleicht eines der berühmten Schlösser zu besichtigen. Und vielleicht auch tanzen zu gehen oder an allerlei anderen Verlustigungen teilzunehmen. In den Zoo wollte er auch einmal. Immer hatte er davon geträumt Löwen und Elefanten in Wirklichkeit zu sehen. Aber das war ihm bis jetzt nicht vergönnt gewesen. Nun wollte er alles nachholen.
Während Opa seinen Gedanken nachhing, studierte auch Auguste herum. Am Schluss war alles so schnell gegangen. Da sie noch die Kleider hatte fertig nähen müssen, hatte sie gar keine Zeit mehr gefunden, um Olaf ihre Pläne zu erklären. Sie hoffte nun inständig, dass Olaf noch da sein würde, wenn sie von Berlin zurückkäme und seine Sprache verstehen würde. Was würde sie machen, wenn er weitergezogen sein würde? Dann währe ihr ganzes Unterfangen umsonst gewesen. Nachdenklich überlegte sie und kam dann zum Schluss, dass ihre Reise ganz sicher nicht umsonst sein würde, da sie ja so viel erleben würde und all die Erlebnisse bis zu ihrem Lebensende im Herzen tragen könnte. Vielleicht hätten sie auch genug Geld und sie könnte sich eine von den bunten Ansichtskarten kaufen und als Andenken mitnehmen.
Sowohl Opa, als auch Auguste hingen ihren Gedanken nach und merkten gar nicht, wie die Landschaft an ihnen vorbeizog. Langsam begann sie sich zu verändern. Die Seen und Wälder wurden weniger, das Land wurde flacher. Erst einige Stunden später, als der Fahrkartenkontrolleur kam, schreckten beide auf. Als der Kontrolleur wieder gegangen war, beschlossen sie, einmal in den Proviantkorb zu schauen. Und was für ein toller Anblick ergab sich da. Die Mutter hatte an alles gedacht. Im Korb befand sich Wasser und Johanisbeerwein, Äpfel, Hasenbrote (Belegte Brote), ein wenig Schinken, Würste, ein Leib Brot und einige Karotten. Hungern würden sie nicht müssen. Begeistert machten sich die beiden über das Essen her. Sie begannen zu plaudern und ohne dass sie sich versehen hatten, brach die Nacht herein. Wie lange die Reise gedauert hatte, konnte Auguste nachher nicht mehr sagen. Aber sie kamen auf jeden Fall in Allenstein/ Olsztyn an. Der Opa hatte nahe des Bahnhofs in einem Gasthof ein Zimmer reservieren lassen. Dieses bezogen sie nun, um zu schlafen. Doch Auguste war viel zu aufgeregt. Morgen würden sie Allenstein besichtigen. Der Opa hatte extra einen ganzen Tag Aufenthalt eingeplant um die Distrikthauptstadt anzuschauen. Auguste würde das erste Mal in einem Restaurant essen und durch Strassen gehen, dessen Häuser mehrere Stockwerke hatten. Im Bett liegend malte sie sich all die Schönheiten aus, die sie morgen zu Gesicht bekommen hatte. Denn der Lehrer hatte ihr zuhause viel davon erzählt.
Viel Zeit zum überlegen blieb ihr nicht. Schon bald fuhr der Zug mit viel Getöse und Gequitsche in den Bahnhof ein. Opa und Auguste bestiegen den Zug. Opa hatte zwei Fensterplätze für sie reserviert, so könnten sie bis zur Abfahrt des Zuges noch mit den Daheimbleibenden sprechen. Und dann kam das Signal. Mit einem Ruck setzte sich der Zug in Bewegung, begann zu pfeiffen und stiess Dampf aus. Opa und Auguste winkten aus Leibeskräften. Sie winkten auch noch, als sie die am Bahnhofstehenden schon lange nicht mehr sehen konnten. Auch der Opa war etwas nervös und besorgt. In seinem hohen Alter war es nicht sicher, dass er die lange Reise auch wieder zurück schaffen würde. Konnte es sein, dass er seinen Hof, auf dem er aufgewachsen war zum Letzten Mal gesehen hatte? Aber bekümmert war er nicht, denn er erfüllte sich gerade einen Kindheitstraum. Er hatte schon immer einmal davon geträumt in den Westen nach Berlin zu fahren. Dort vielleicht eines der berühmten Schlösser zu besichtigen. Und vielleicht auch tanzen zu gehen oder an allerlei anderen Verlustigungen teilzunehmen. In den Zoo wollte er auch einmal. Immer hatte er davon geträumt Löwen und Elefanten in Wirklichkeit zu sehen. Aber das war ihm bis jetzt nicht vergönnt gewesen. Nun wollte er alles nachholen.
Während Opa seinen Gedanken nachhing, studierte auch Auguste herum. Am Schluss war alles so schnell gegangen. Da sie noch die Kleider hatte fertig nähen müssen, hatte sie gar keine Zeit mehr gefunden, um Olaf ihre Pläne zu erklären. Sie hoffte nun inständig, dass Olaf noch da sein würde, wenn sie von Berlin zurückkäme und seine Sprache verstehen würde. Was würde sie machen, wenn er weitergezogen sein würde? Dann währe ihr ganzes Unterfangen umsonst gewesen. Nachdenklich überlegte sie und kam dann zum Schluss, dass ihre Reise ganz sicher nicht umsonst sein würde, da sie ja so viel erleben würde und all die Erlebnisse bis zu ihrem Lebensende im Herzen tragen könnte. Vielleicht hätten sie auch genug Geld und sie könnte sich eine von den bunten Ansichtskarten kaufen und als Andenken mitnehmen.
Sowohl Opa, als auch Auguste hingen ihren Gedanken nach und merkten gar nicht, wie die Landschaft an ihnen vorbeizog. Langsam begann sie sich zu verändern. Die Seen und Wälder wurden weniger, das Land wurde flacher. Erst einige Stunden später, als der Fahrkartenkontrolleur kam, schreckten beide auf. Als der Kontrolleur wieder gegangen war, beschlossen sie, einmal in den Proviantkorb zu schauen. Und was für ein toller Anblick ergab sich da. Die Mutter hatte an alles gedacht. Im Korb befand sich Wasser und Johanisbeerwein, Äpfel, Hasenbrote (Belegte Brote), ein wenig Schinken, Würste, ein Leib Brot und einige Karotten. Hungern würden sie nicht müssen. Begeistert machten sich die beiden über das Essen her. Sie begannen zu plaudern und ohne dass sie sich versehen hatten, brach die Nacht herein. Wie lange die Reise gedauert hatte, konnte Auguste nachher nicht mehr sagen. Aber sie kamen auf jeden Fall in Allenstein/ Olsztyn an. Der Opa hatte nahe des Bahnhofs in einem Gasthof ein Zimmer reservieren lassen. Dieses bezogen sie nun, um zu schlafen. Doch Auguste war viel zu aufgeregt. Morgen würden sie Allenstein besichtigen. Der Opa hatte extra einen ganzen Tag Aufenthalt eingeplant um die Distrikthauptstadt anzuschauen. Auguste würde das erste Mal in einem Restaurant essen und durch Strassen gehen, dessen Häuser mehrere Stockwerke hatten. Im Bett liegend malte sie sich all die Schönheiten aus, die sie morgen zu Gesicht bekommen hatte. Denn der Lehrer hatte ihr zuhause viel davon erzählt.
Sonntag, 15. Juni 2008
Kapitel 10: die Mutter entscheidet
Als die Mutter von der Magd den Zettel erhielt, verstand sie zunächst gar nichts. Da sie von der Kreativität ihrer jüngsten Tochter überzeugt war, dachte sie zuerst, dass Auguste sich wohl eine Art Geheimsprache ausgedacht habe. Nach genauerem Hinschauen auf Anraten der Magd, merkte sie allerdings, dass die Nachricht nicht in Augustes Schrift geschrieben war. Sie wusste nicht gleich, was sie damit anfangen sollte und bedeutete der Magd, dass diese zurück zur Arbeit gehen könne und sie sich persönlich um die Angelegenheit kümmern werde. Sie schien ihr allerdings nicht prioritär und so kehrte sie, nach dem die Magd sie verlassen hatte, zu ihrere vorherigen Beschäftigung zurück.
Unterdessen war Auguste wieder die Botschaft von Olaf in den Sinn gekommen und sie wollte sie Opa zeigen. Doch erschreckt stellte sie fest, dass sich der Zettel nicht mehr in ihrer Jacke befand. bestürzt eilte sie zu Opa. "Opa! Opa!" schrie sie, während sie durch das ganze Haus rannte. Nach bangen fünf Minuten fand sie ihn in seinem Zimmer. Verwundert schaute er auf. "Nanu? Was ist den mit dir los?" fragte er völlig überrascht. Auguste verschwendete keine Sekunde und erzählte ihm sofort von der Begegnung mit Olaf und der geheimen Botschaft. Opa runzelte die Stirn und erkundigte sich, ob Auguste sich noch in etwa erinnern könnne, was auf dem Zettel stand. Niedergeschlagen schüttelte sie den Kopf. Sie hatte den Zettel einfach eingesteckt, und wollte ihn später genauer anschauen. Der Opa bedauerte diesen Zwischenfall, er schien ihm aber nicht weiter wichtig. Denn nun wechselte er das Thema. Er war am Vormittag in der Stadt gewesen und hatte zwei Fahrkarten bis nach Berlin gekauft. Unterkünfte hatte er leider nicht buchen können, aber er sei zuversichtlich, dass sich unterwegs etwas finden liesse. Auguste vergass den Kummer über den Zettel und strahlte bis über beide Ohren. Was für eine freudige Nachricht! Nun würde ihrer Reise nach Berlin wohl nichts mehr im Weg stehen! Fast euphorisch rannte sie die Treppe hinunter, um mit der Mutter die Reisevorbereitungen zu besprechen. Denn die Mutter musste ihr bei der Auswahl der geeigneten Kleider für einen Grossstadtbesuch helfen. Um ehrlich zu sein, eigentlich hatte sie gar keine Stadttauglichen Kleider. Aber mit Hilfe der Nähmaschine liessen sich wohl einige gute Kleider der älteren Schwestern zurecht machen und sie hätte ihre erste Garderobe! Auch diese Tatsache versetzte Auguste in grosse Freude. Bisweilen hatte sie sich mit einem Sonntagskleid begnügen müssen. Jetzt würde sie plötzlich mehrere haben, um sich schön zu machen. Ob sie Opa so herausgeputz gefallen würde?
Als sie aufgeregt in das Zimmer der Mutter stürmte, merkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Die Mutter sass mit ernster Miene am Tisch und nähte an einem alten Sonntagskleid von Otthilie. Als ihre jüngste Tochter das Zimmer betrat, drehte sie sich um und schaute sie misstrauisch an. Nach einer kurzen Weile, die Auguste wie eine Ewigkeit schien, fragte sie: "Möchtest du mir etwas erzählen Augustchen?" Auguste war etwas verwundert, denn sie wollte der Mutter jede Menge erzählen. Allerdings schien die Mutter etwas ganz bestimmtes zu erwarten. Was sie der Mutter wohl erzählen sollte? Vorsichtshalber antwortete sie einmal mit Nein, was ein heftiges Räuspern der Mutter zur Folge hatte. "Und was bittte schön ist das hier?!" fragte die Mutter und hielt ihr Olafs Zettel vor die Nase.
Auguste wurde nervös. Was sollte sie darauf antworten? Sie konnte unmöglich die Antwort sagen, oder wäre es wohl doch die beste Lösung? Fieberhaft überlegte sie. Der Mutter dauerte es zu lange. "Aha, ich sehe, du antwortest nicht. Also hatte die Magd doch recht damit, dass du unrechte Dinge treibst! Aber das lasse ich nicht zu. Wir sind ein anständiges Haus und unsere Töchter haben sich anständig zu benehmen. Unter diesen Umständen ist es wohl nicht ratsam, dich mit Opa nach Berlin fahren zu lassen." Und nun brach alles aus Auguste heraus. Sie hatte sich so gefreut und diese Strafe traf sie wie ein Siegestor der Gegenmanschaft 3 Sekunden vor dem Schlusspfiff. Auguste liess sich gehen und heulte herzzereissend. Durch das laute Geschluchze angelockt, streckte Opa seinen Kopf durch die Tür und erkundigte sich, was denn los sei.
Die Mutter zeigte ihm den Zettel und meine, dass Auguste ihr nicht sagen wolle, was das sei und sie deshalb beschlossen habe, dass Auguste nicht nach Berlin fahren sollte. Opa wusste sofort, um was für einen Zettel es sich handelte. Er war froh, dass Auguste nichts gesagt hatte. Aber nun musste er die Reise für Auguste irgendwie retten. Sein erstes Argument war, dass er die Tickets bereits gekauft hatte. Dies schien die Mutter nicht zu beeindrucken. Sie meinte sogar, dass er stattdessen eine Magd als Begleitung mitnehmen könne. Doch dagegen wehrte sich der Opa standhaft. Nach einer langen Diskussion willigte die Mutter endlich ein, dass Auguste doch mitgehen dürfe, wenn sie als Strafe für ihre unanständigen Spielereien ihre ganze Garderobe selbst zusammestellte und nähte. Damit waren alle drei zufrieden und Auguste begann noch vor dem Abendessen mit dem Nähen.
Unterdessen war Auguste wieder die Botschaft von Olaf in den Sinn gekommen und sie wollte sie Opa zeigen. Doch erschreckt stellte sie fest, dass sich der Zettel nicht mehr in ihrer Jacke befand. bestürzt eilte sie zu Opa. "Opa! Opa!" schrie sie, während sie durch das ganze Haus rannte. Nach bangen fünf Minuten fand sie ihn in seinem Zimmer. Verwundert schaute er auf. "Nanu? Was ist den mit dir los?" fragte er völlig überrascht. Auguste verschwendete keine Sekunde und erzählte ihm sofort von der Begegnung mit Olaf und der geheimen Botschaft. Opa runzelte die Stirn und erkundigte sich, ob Auguste sich noch in etwa erinnern könnne, was auf dem Zettel stand. Niedergeschlagen schüttelte sie den Kopf. Sie hatte den Zettel einfach eingesteckt, und wollte ihn später genauer anschauen. Der Opa bedauerte diesen Zwischenfall, er schien ihm aber nicht weiter wichtig. Denn nun wechselte er das Thema. Er war am Vormittag in der Stadt gewesen und hatte zwei Fahrkarten bis nach Berlin gekauft. Unterkünfte hatte er leider nicht buchen können, aber er sei zuversichtlich, dass sich unterwegs etwas finden liesse. Auguste vergass den Kummer über den Zettel und strahlte bis über beide Ohren. Was für eine freudige Nachricht! Nun würde ihrer Reise nach Berlin wohl nichts mehr im Weg stehen! Fast euphorisch rannte sie die Treppe hinunter, um mit der Mutter die Reisevorbereitungen zu besprechen. Denn die Mutter musste ihr bei der Auswahl der geeigneten Kleider für einen Grossstadtbesuch helfen. Um ehrlich zu sein, eigentlich hatte sie gar keine Stadttauglichen Kleider. Aber mit Hilfe der Nähmaschine liessen sich wohl einige gute Kleider der älteren Schwestern zurecht machen und sie hätte ihre erste Garderobe! Auch diese Tatsache versetzte Auguste in grosse Freude. Bisweilen hatte sie sich mit einem Sonntagskleid begnügen müssen. Jetzt würde sie plötzlich mehrere haben, um sich schön zu machen. Ob sie Opa so herausgeputz gefallen würde?
Als sie aufgeregt in das Zimmer der Mutter stürmte, merkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Die Mutter sass mit ernster Miene am Tisch und nähte an einem alten Sonntagskleid von Otthilie. Als ihre jüngste Tochter das Zimmer betrat, drehte sie sich um und schaute sie misstrauisch an. Nach einer kurzen Weile, die Auguste wie eine Ewigkeit schien, fragte sie: "Möchtest du mir etwas erzählen Augustchen?" Auguste war etwas verwundert, denn sie wollte der Mutter jede Menge erzählen. Allerdings schien die Mutter etwas ganz bestimmtes zu erwarten. Was sie der Mutter wohl erzählen sollte? Vorsichtshalber antwortete sie einmal mit Nein, was ein heftiges Räuspern der Mutter zur Folge hatte. "Und was bittte schön ist das hier?!" fragte die Mutter und hielt ihr Olafs Zettel vor die Nase.
Auguste wurde nervös. Was sollte sie darauf antworten? Sie konnte unmöglich die Antwort sagen, oder wäre es wohl doch die beste Lösung? Fieberhaft überlegte sie. Der Mutter dauerte es zu lange. "Aha, ich sehe, du antwortest nicht. Also hatte die Magd doch recht damit, dass du unrechte Dinge treibst! Aber das lasse ich nicht zu. Wir sind ein anständiges Haus und unsere Töchter haben sich anständig zu benehmen. Unter diesen Umständen ist es wohl nicht ratsam, dich mit Opa nach Berlin fahren zu lassen." Und nun brach alles aus Auguste heraus. Sie hatte sich so gefreut und diese Strafe traf sie wie ein Siegestor der Gegenmanschaft 3 Sekunden vor dem Schlusspfiff. Auguste liess sich gehen und heulte herzzereissend. Durch das laute Geschluchze angelockt, streckte Opa seinen Kopf durch die Tür und erkundigte sich, was denn los sei.
Die Mutter zeigte ihm den Zettel und meine, dass Auguste ihr nicht sagen wolle, was das sei und sie deshalb beschlossen habe, dass Auguste nicht nach Berlin fahren sollte. Opa wusste sofort, um was für einen Zettel es sich handelte. Er war froh, dass Auguste nichts gesagt hatte. Aber nun musste er die Reise für Auguste irgendwie retten. Sein erstes Argument war, dass er die Tickets bereits gekauft hatte. Dies schien die Mutter nicht zu beeindrucken. Sie meinte sogar, dass er stattdessen eine Magd als Begleitung mitnehmen könne. Doch dagegen wehrte sich der Opa standhaft. Nach einer langen Diskussion willigte die Mutter endlich ein, dass Auguste doch mitgehen dürfe, wenn sie als Strafe für ihre unanständigen Spielereien ihre ganze Garderobe selbst zusammestellte und nähte. Damit waren alle drei zufrieden und Auguste begann noch vor dem Abendessen mit dem Nähen.
Sonntag, 25. Mai 2008
Kapitel 9: Das Trollhaus ist geheim
Am nächsten Morgen war Auguste ungewöhnlich früh auf dem Weg zur Schule, denn sie wollte unbedingt mit dem Lehrer sprechen, bevor die anderen Kinder kommen würden. So wollte sie unnötige Fragereien vermeiden. Denn sie konnte den anderen Kindern ja schlecht erzählen, dass sie nach Berlin fahren würden, um die Sprache eines Trolles zu entziffern. Das musste unter allen Umständen geheim bleiben. Klar, sie könnte die gleiche Ausrede verwenden, wie der Opa das bereits Zuhause getan hatte, aber Kinder tendieren dazu viel mehr nachzufragen. Und dann würde vielleicht irgendjemandem etwas auffallen. Also besser erst gar kein Risiko eingehen.
Doch aus ihrem Unternehmen wurde nichts. Auf dem Weg zur Schule traf sie unverhofft auf Olaf. Es schien, als habe er auf Auguste gewartet. Sie freute sich, da sie aber keine Möglichkeit sah, sich zu verständigen, wollte sie winkend weitereilen. Doch Olaf hatte sich fest vorgenommen, mit dem Mädchen in Kontakt zu kommen. Seit ihrer letzten Begegnung hatte er viel nachgedacht. Er hatte, als er von der Begegnung beim Kühehüten nach Hause gekommen war, seiner Frau mitgeteilt, dass er nun endlich herausgefunden habe, dass dieses Mädchen Auguste hiess. Und auch, dass Auguste die Sprache der Menschen, welche Ulf vor vielen Jahren aufgeschrieben hatte, leider nicht beherrschte. Lange hatten er und seine Frau diskutiert, was sie wohl unternehmen sollten. Da Olaf meinte, dass Auguste ihnen wohl freundlich gesinnt war und Asha, seine Frau, sehr um die eigene Sicherheit besorgt war, schien es wichtig, dass sie Auguste unbedingt zur Freundin gewinnen müssten. Denn schliesslich wussten Auguste und der alte Mann wo sie wohnten. Noch nie zuvor war ein Mensch so nahe zu ihrer Hütte gekommen und hatte sie beobachtet. Und wer weiss, wenn Auguste anderen Menschen von ihrer Existenz erzählen würde, so würden vielleicht böse Menschen kommen und ihr Heim zerstören. Deshalb war es nun Olafs Auftrag, Auguste irgendwie verständlich zu machen, dass sie niemandem vom Trollhäuschen erzählen durfte. Da er Auguste schon eine Weile beobachtet hatte, wusste er, dass sie morgens in Richtung des Dörfchens ging. Die beste Gelegenheit, um sie abzupassen.
Sicherheitshalber hatte Olaf auf einen Zettel die Worte "Trolmands hus er en hemlighed" (das Trollhaus ist ein Geheimnis) geschrieben. Diesen Zettel reichter er nun Auguste, obwohl er wusste, dass sie ihn nicht verstehen würde. Aber so würde sie merken, dass er ihr etwas sagen wollte. Und so war es auch. Auguste freute sich über die Nachricht. Nun hatten sie schon mehr Schriftstücke, die sie entziffern konnten. Langsam würde sich die Reise nach Berlin lohnen. Mit Zeichen bedeutete Auguste Olaf, dass sie nicht verstand, was da stand. Nun begann Olaf zu zeichnen. Er zeichnete ein Haus und dann zeichnete er zwei sich unterhaltende Strichmännchen. Diese strich er durch. Auguste verstand Bahnhof. Das einzige, was sie daraus deuten konnte, war "Ein Haus in dem zwei Menschen waren und nun nicht mehr dort sind." Oder meinte Olaf mit den Strichmännchen wohl Trolle? Hiess das, dass er sich von ihr verabschieden wollte, weil sie weggehen würden? Oh nein, das durfte nicht sein! Aufgeregt malte Auguste ihrerseits zwei Strichtrollmännchen in den Boden und einen langen Pfeil der wegzeigte. Diesen strich sie einergisch durch. Nun war es der Troll, der nicht verstand. Auguste schaute auf die Uhr. Nun musste sie sich beeilen, um nicht zu spät zu kommen. Mit einem freundlichen Lächeln verabschiedete sie sich von Olaf und eilte in die Schule. Sie drehte sich nocheinmal um und winkte. Olaf winkte zurück. Hatte sie verstanden um was es ging? Er konnte sich nicht sichersein. Aber nun war er sich ganz sicher, dass er vor Auguste keine Angst zu haben brauchte.
Auguste erreichte die Schule knapp bevor der Unterricht begann. Sie konnte nicht einmal daran denken, den Lehrer über Berlin und den Weg dorthin auszufragen. Enttäuscht setzte sie sich auf ihren Platz und wartete geduldig, bis der Unterricht zuende war. Nach der Schule schlich sie sich heimlich zum Lehrer, anstatt wie üblich gleich nach Hause zu eilen. Sie fragte ihn, ob er wüsste, wie man am besten nach Berlin komme. Erstaunt blickte er sie an und fragte, warum sie denn das wissen wolle. Sie erzählte ihm, dass sie ihren Opa nach Berlin begleiten würde und wohl nächste Woche und vielleicht auch übernächste Woche nicht zur Schule kommen könnte. Der Lehrer gestand ihr, dass er selbst noch nie weiter als bis Allenstein/Olsztyn gekommen sei. Aber er versprach ihr, dass die Reise von hier bis Olsztyn sehr abenteuerlich werden würde. Er war mit der Kutsche bis nach Lyck/Elk gefahren und von Dort gab es einen direkten Zug nach Olsztyn. Während er so erzählte, begannen seine Augen zu leuchten. Wie gerne würde er selbst eine Reise nach Berlin unternehmen. Doch dafür reichte das spärliche Lehrereinkommen nicht.
Da ihr der Leher nicht wirklich weiterhelfen konnte, hüpfte Auguste glücklich nach Hause. Nur noch 7 Tage und dann beginnt die grosse Reise! Am liebsten wäre es Auguste, wenn schon Sonntag wäre. Zuhause begann sie sofort mit der Planung, was sie alles mitnehmen müsste. Dabei vergass sie vollkommen, dass sie noch den Zettel von Olaf in der Jackentasche hatte. Die Jacke hatte sie in der Garderobe aufgehängt. Eine Magd sah den Zettel aus der Tasche lugen und schlich sich neugierig heran, um zu sehen, was da wohl in der Tasche steckte. Doch was war dass? Als sie das zusammengefalltete Stück Papier öffnete, konnte sie nur ein gekrakel sehen, jedoch nicht verstehen, was die seltsamen Worte bedeuten sollten. Was war das nur für eine Sprache? Und wieso trug Auguste Schriftstücke in einer fremden Sprache mit sich herum? Da sie ein wenig eifersüchtig auf Auguste war, da diese nach Berlin fahren durfte und sie wohl nie in ihrem Leben dorthin kommen würde, beschloss sie, Auguste bei der Mutter zu verraten. Vielleicht würde die Mutter Auguste dann zuhause behalten und sie selbst könnte den Opa begleiten? Gedacht, getan. Sofort machte sich die Magd auf die Suche nach der Mutter.
(Fortsetzung folgt erst am 15.6.08, da ich jetzt 14 Tage ausser Land bin. Bis dann, liebe Grüsse Jeroschka)
Doch aus ihrem Unternehmen wurde nichts. Auf dem Weg zur Schule traf sie unverhofft auf Olaf. Es schien, als habe er auf Auguste gewartet. Sie freute sich, da sie aber keine Möglichkeit sah, sich zu verständigen, wollte sie winkend weitereilen. Doch Olaf hatte sich fest vorgenommen, mit dem Mädchen in Kontakt zu kommen. Seit ihrer letzten Begegnung hatte er viel nachgedacht. Er hatte, als er von der Begegnung beim Kühehüten nach Hause gekommen war, seiner Frau mitgeteilt, dass er nun endlich herausgefunden habe, dass dieses Mädchen Auguste hiess. Und auch, dass Auguste die Sprache der Menschen, welche Ulf vor vielen Jahren aufgeschrieben hatte, leider nicht beherrschte. Lange hatten er und seine Frau diskutiert, was sie wohl unternehmen sollten. Da Olaf meinte, dass Auguste ihnen wohl freundlich gesinnt war und Asha, seine Frau, sehr um die eigene Sicherheit besorgt war, schien es wichtig, dass sie Auguste unbedingt zur Freundin gewinnen müssten. Denn schliesslich wussten Auguste und der alte Mann wo sie wohnten. Noch nie zuvor war ein Mensch so nahe zu ihrer Hütte gekommen und hatte sie beobachtet. Und wer weiss, wenn Auguste anderen Menschen von ihrer Existenz erzählen würde, so würden vielleicht böse Menschen kommen und ihr Heim zerstören. Deshalb war es nun Olafs Auftrag, Auguste irgendwie verständlich zu machen, dass sie niemandem vom Trollhäuschen erzählen durfte. Da er Auguste schon eine Weile beobachtet hatte, wusste er, dass sie morgens in Richtung des Dörfchens ging. Die beste Gelegenheit, um sie abzupassen.
Sicherheitshalber hatte Olaf auf einen Zettel die Worte "Trolmands hus er en hemlighed" (das Trollhaus ist ein Geheimnis) geschrieben. Diesen Zettel reichter er nun Auguste, obwohl er wusste, dass sie ihn nicht verstehen würde. Aber so würde sie merken, dass er ihr etwas sagen wollte. Und so war es auch. Auguste freute sich über die Nachricht. Nun hatten sie schon mehr Schriftstücke, die sie entziffern konnten. Langsam würde sich die Reise nach Berlin lohnen. Mit Zeichen bedeutete Auguste Olaf, dass sie nicht verstand, was da stand. Nun begann Olaf zu zeichnen. Er zeichnete ein Haus und dann zeichnete er zwei sich unterhaltende Strichmännchen. Diese strich er durch. Auguste verstand Bahnhof. Das einzige, was sie daraus deuten konnte, war "Ein Haus in dem zwei Menschen waren und nun nicht mehr dort sind." Oder meinte Olaf mit den Strichmännchen wohl Trolle? Hiess das, dass er sich von ihr verabschieden wollte, weil sie weggehen würden? Oh nein, das durfte nicht sein! Aufgeregt malte Auguste ihrerseits zwei Strichtrollmännchen in den Boden und einen langen Pfeil der wegzeigte. Diesen strich sie einergisch durch. Nun war es der Troll, der nicht verstand. Auguste schaute auf die Uhr. Nun musste sie sich beeilen, um nicht zu spät zu kommen. Mit einem freundlichen Lächeln verabschiedete sie sich von Olaf und eilte in die Schule. Sie drehte sich nocheinmal um und winkte. Olaf winkte zurück. Hatte sie verstanden um was es ging? Er konnte sich nicht sichersein. Aber nun war er sich ganz sicher, dass er vor Auguste keine Angst zu haben brauchte.
Auguste erreichte die Schule knapp bevor der Unterricht begann. Sie konnte nicht einmal daran denken, den Lehrer über Berlin und den Weg dorthin auszufragen. Enttäuscht setzte sie sich auf ihren Platz und wartete geduldig, bis der Unterricht zuende war. Nach der Schule schlich sie sich heimlich zum Lehrer, anstatt wie üblich gleich nach Hause zu eilen. Sie fragte ihn, ob er wüsste, wie man am besten nach Berlin komme. Erstaunt blickte er sie an und fragte, warum sie denn das wissen wolle. Sie erzählte ihm, dass sie ihren Opa nach Berlin begleiten würde und wohl nächste Woche und vielleicht auch übernächste Woche nicht zur Schule kommen könnte. Der Lehrer gestand ihr, dass er selbst noch nie weiter als bis Allenstein/Olsztyn gekommen sei. Aber er versprach ihr, dass die Reise von hier bis Olsztyn sehr abenteuerlich werden würde. Er war mit der Kutsche bis nach Lyck/Elk gefahren und von Dort gab es einen direkten Zug nach Olsztyn. Während er so erzählte, begannen seine Augen zu leuchten. Wie gerne würde er selbst eine Reise nach Berlin unternehmen. Doch dafür reichte das spärliche Lehrereinkommen nicht.
Da ihr der Leher nicht wirklich weiterhelfen konnte, hüpfte Auguste glücklich nach Hause. Nur noch 7 Tage und dann beginnt die grosse Reise! Am liebsten wäre es Auguste, wenn schon Sonntag wäre. Zuhause begann sie sofort mit der Planung, was sie alles mitnehmen müsste. Dabei vergass sie vollkommen, dass sie noch den Zettel von Olaf in der Jackentasche hatte. Die Jacke hatte sie in der Garderobe aufgehängt. Eine Magd sah den Zettel aus der Tasche lugen und schlich sich neugierig heran, um zu sehen, was da wohl in der Tasche steckte. Doch was war dass? Als sie das zusammengefalltete Stück Papier öffnete, konnte sie nur ein gekrakel sehen, jedoch nicht verstehen, was die seltsamen Worte bedeuten sollten. Was war das nur für eine Sprache? Und wieso trug Auguste Schriftstücke in einer fremden Sprache mit sich herum? Da sie ein wenig eifersüchtig auf Auguste war, da diese nach Berlin fahren durfte und sie wohl nie in ihrem Leben dorthin kommen würde, beschloss sie, Auguste bei der Mutter zu verraten. Vielleicht würde die Mutter Auguste dann zuhause behalten und sie selbst könnte den Opa begleiten? Gedacht, getan. Sofort machte sich die Magd auf die Suche nach der Mutter.
(Fortsetzung folgt erst am 15.6.08, da ich jetzt 14 Tage ausser Land bin. Bis dann, liebe Grüsse Jeroschka)
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